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Erstes Fazit zu 2in4mU: Wir brauchen mehr mobiles Storytelling

Ende Juni starteten wir 2in4mU – unseren Infografik-Instagram-Account. Rund drei Monate später möchte ich ein erstes Zwischenfazit präsentieren. Von vorne herein haben wir 2in4mU unter der Devise gestartet, ein Experiment zu wagen. Ich schrieb zum Start, dass „es das Königsrezept zur journalistischen Nutzung von Instagram (noch?) nicht gibt“ und fragte:

„Wie muss eine Instagram-Infografik gestaltet sein, um möglichst gut und schnell verstanden zu werden? Zu welcher Uhrzeit bietet es sich an, den Fotostream mit einem Schaubild zu unterbrechen? Sind es eher aktuelle Nachrichtenthemen, Hintergründiges oder überraschende und unterhaltende Fakten, die sich die Leute wünschen?“

Nun, beginnen wir diese Bilanz mit einem Versuch, diese Fragen zu beantworten, wobei ich die erste zunächst hinten anstellen möchte.

Die Frage der Uhrzeit brachte eine erste Überraschung mit sich. Eine wirkliche Antwort können wir zwar noch nicht geben, aber betrachtet man die Likes und Kommentare, dann stellt man fest, dass diese zum Teil deutlich von der Nachrichtenlage abgekoppelt sind. Klar: Ein Wahlergebnis sucht niemand auf Instagram. Es lässt sich also feststellen, dass die breaking news auf Instagram gar nicht so schnell sein müssen. Und das ist auch nicht zwingend schlimm, denn ein Gedanke war es ja eben Leute zu erreichen, die sonst nicht durch Nachrichten erreicht werden.

Nutzer mitunter noch jünger als erwartet

Weiterhin für stimmig halten wir den Gedanken, dass es Sinn macht zu speziellen Instagram-Nutzungszeiten zu posten. Eine davon ist sicher die Zeit, die Menschen im Nahverkehr verbringen. Doch Vorsicht: Wir haben bemerkt, dass das Publikum zum Teil deutlich jünger ist, als erwartet. In der Bahn sitzen die User also eher nicht Abends nach Feierabend, sondern Nachmittags nach dem Matheunterricht.

Thematisch liefen bislang besonders Themen mit einem gewissen Witz sehr gut. Zum Beispiel die Grafik, die die Zahl der Tore von Miroslav Klose mit der der englischen Mannschaft verglich. Wir haben auch staubtrockene Dinge gepostet, die erwartungsgemäß keine Likes bekamen. Das Problem ist sicher, dass mangels guter Analysemöglichkeiten fast nur die Likes als Kriterium zur Messung vorliegen. Aber niemand liked zum Beispiel Meldungen zu Toten. Aus persönlichen Feedbackgesprächen wissen wir aber, dass auch solche Themen über diesen Kanal Anklang finden. Interessant übrigens auch die sehr gespaltene, zum Teil aber durchaus positive Meinung zu einer provokanten Grafik, die bereits in den Bereich Kommentierung geht – doch dazu im Hinblick auf „Storytelling“ gleich mehr.

Reichweitenaufbau auf Instagram schwierig

Ein Problem, dass wir identifiziert haben, ist der Aufbau von Reichweite. Personen, die mit 2in4mU in Kontakt kamen, abonnierten den Account gerne, lobten unsere Bemühungen –auch, obwohl wir grafisch auf einem sehr rudimentären Niveau arbeiten und viel experimentieren. Doch wie erreicht man neue Leute? Auf Instagram passiert viel über Tags. Das konnten wir auch bei Elbmelancholie feststellen. Unsere Bilder finden dort weniger, weil sie Elbmelancholie auf Instagram folgen, als dass die gewissen Tags – etwa #hamburg oder #welovehh – folgen.

Für nachrichtliche Infografiken ist das ein Problem, denn wer folgt in einem Fotonetzwerk schon einem Tag wie #Arbeitslosigkeit. Selbst #Infografik ist noch nicht sehr verbreitet. Größere Medien haben dieses Problem jedoch im geringeren Maß, da sie leichter Nutzer auf ihr Angebot verweisen können. ZDF heute konnte zum Beispiel bereits mehr als 2600 Abonnenten sammeln.

Wir brauchen Responsiveness

Neben all diesen zum Teil technischen und organisatorischen Dingen wird eine Frage die entscheidende und spannende sein – und sie gilt bei weiten nicht nur für 2in4mU. Die Frage lautet: Wie müssen Inhalte mobil aufbereitet werden? Man erlaube mir dafür einen Mini-Exkurs: Auf der Reeperbahn-Festival-Konferenz gab es einen Track zu Datenjournalismus auf mobilen Geräten. Dabei sprach auch der Schweizer Timo Grossenbacher. Er betonte, dass es für mobil nicht nur „responsive Design“, sondern vielmehr eine komplette „Responsiveness“ brauche. Dazu gehöre, auch den Kontext der Nutzung genau zu betrachten, die Navigation anzupassen und gegeben Falls sogar den Inhalt.

Timo Grossenbacher auf der Reeperbahn-Festival-Konferenz zu "Responsiveness" / Foto: Andreas Grieß

Timo Grossenbacher auf der Reeperbahn-Festival-Konferenz zu „Responsiveness“ / Foto: Andreas Grieß

Dies gilt auch für 2in4mU. Auch wenn wir uns um die Navigation wenig Gedanken machen müssen, da wir keine eigene Anwendung bauen, sondern innerhalb von Instagram publizieren (dafür kommen die anderen Punkte hinsichtlich des Kontext der Nutzung hinzu, wie oben bereits beschrieben). Und auch wenn wir hier quasi nicht nur „mobile first“, sondern „mobile only“ publizieren und demnach keine Grafiken übersetzen, die wir auch anderswo nutzen. Wahr ist nämlich, dass im Bereich des „mobile Storytellling“ bislang wenig passiert. Und das muss sich ändern.

Wir erzählen Geschichten

Die Grafiken, die wir bislang gepostet haben, basierten alle mehr oder weniger auf dem Gedanken der Datenvisualisierung. Wir schauten daher nach aktuellen oder interessanten Datensätzen und pickten uns daraus etwas einfach erzählbares heraus. Aber ist dies überhaupt der richtige Weg, wenn man bedenkt, dass wir eh bewusst auf Komplexität verzichten? Im klassischen Journalismus wären unsere bisherigen Grafiken, meist etwas komplexer, als Beiwerk genutzt worden.

Innerhalb von Instagram stehen sie aber weitestgehend alleine und dadurch kommt etwas noch mehr zum Tragen, was häufig übersehen wird: Auch Grafiken erzählen eine Geschichte und als Autor muss ich überlegen, welche. Das fängt schon mit Nuancen an: Sage ich, dass es in diesem Jahr mehr von etwas gab, oder dass es im vergangenen Jahr weniger davon gab? Es sind die gleichen Daten, aber eine andere Geschichte, noch dazu eine, die einem Kontext einer Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden erzählt wird. Für diese mobilen, als Grafik erzählten Geschichten, brauch es oft nicht einmal einen großen Datensatz, sondern eine gute Geschichte: Und eine Idee, wie man sie am besten erzählt.

Wir bleiben am Thema dran und freuen uns weiter über Austausch.

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Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

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