Suche
Suche Menü

Darmstädter Echo: Künftig nur noch 140 Stellen

Die IVW-Zahlen, die wir bei YOUdaz Media gestern Abend zur Regionalzeitung im Südhessischen Darmstadt veröffentlicht haben, zeigten deutlich nach unten. Das Darmstädter Echo hat innerhalb der letzten 14 Jahre rund 26.500 Abonnements verloren. Heute wurde nun ein drastischer Sparplan mit Halbierung der Belegschaft vorgestellt.

Darmstädter Echo

Schicksalhafe Ausgabe des Darmstädter Echo: Am 22. September 2014 wurde ein radikaler Sparkurs für die lokale Tageszeitung vorgestellt. | Foto: Martin Krauß

Nur 140 von den rund 300 Stellen sollen im Verlag des Darmstädter Echos, der Echo Medien GmbH künftig erhalten bleiben. Der Sanierungsplan, der heute am frühen Nachmittag den Mitarbeitern des Verlags im südhessischen Darmstadt vorgestellt wurde, hat es in sich. Das Gesicht der traditionellen Regionalzeitung wird sich in den kommenden Monaten verändern.

Die Echo Medien GmbH will alle Bereiche aus dem Unternehmen ausgliedern, die nicht unmittelbar mit dem Zeitungsgeschäft zu tun haben. Das Sanierungskonzept sieht vor, dass sich die Echo Medien GmbH künftig darauf konzentriert, die Menschen in Darmstadt und Südhessen mit Informationen zu versorgen. Zudem soll Werbekunden eine kosteneffiziente Plattform geboten werden. Drei Säulen sollen das neue Geschäftsmodell tragen: der „Qualitätsjournalismus“, der Absatz von Werbung und Dienstleistungen für die Print- und Digital-Produkte sowie der Ausbau der Verteildienste für die Zeitungen.

Dem Darmstädter Echo laufen seit 2001 die Abonennten davon. Was die IVW-Zahlen über die regionale Tageszeitung aussagen. >> mehr

Anlass für den Sanierungsplan sei laut der Mediengruppe der branchenweite Umsatzrückgang. „Die Marktbedingungen für Tageszeitungen haben sich radikal geändert und es ist die Pflicht der Geschäftsführung, dem Unternehmen und den verbleibenden Mitarbeitern eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen“, lässt sich Verleger Hans-Peter Bach in der Pressemitteilung des Verlages zitieren.

DJV: „Kahlschlag“ durch „Fehler des Managements“

In Zukunft sollen die Echo Zeitungen mit einer verkleinerten Rumpfmannschaft und flexibleren Strukturen profitabler werden. Wie der DJV in einer Pressemitteilung mitteilt, will sich die Echo Medien GmbH im Zuge der Sanierung auch von dem Traditionsstandort des Verlags in der Darmstädter Holzhofallee verabschieden.

„Das Gebäude werde Anfang 2016 veräußert, der Standort des City-Echos verkleinert und die Außenredaktionen in Groß-Gerau, Rüsselsheim, Darmstadt-Dieburg und Heppenheim zusammengelegt“. (Quelle: DJV Hessen)

Der Journalistenverband wirft Hans-Peter Bach eine „verlegerische Kapitulation“ vor und spricht von einem „Kahlschlag“ und „Fehler des Managements“. Der Sanierungsplan sorge dafür, „dass in Südhessen ein Großteil journalistischer Qualität und Vielfalt verloren gehe“. Der DJV will auch erfahren haben, dass der Mantelteil (überregionale Politik und Wirtschaft) künftig von einem anderen Verlag bezogen werden soll. Der Verband befürchtet, dass das Darmstädter Echo und dessen Regionalausgaben schlicht für einen Verkauf „nur verschlankt und aufgehübscht“ werde.

200 Stellen will die FAZ einsparen. Foto: Martin Krauß

200 Stellen will die FAZ einsparen. Foto: Martin Krauß

Das Sanierungskonzept hat der ehemalige FAZ-Geschäftsführer Jochen Becker erarbeitet. Die FAZ hatte jedoch vor wenigen Tagen selbst einen drastischen Sparkurs angekündigt. In Frankfurt sollen 200 Stellen abgebaut werden. Außerdem wurden die Abopreise deutlich erhöht. 10 Prozent mehr werden für ein Abo fällig: Der Abopreis der F.A.Z. steigt dann von 49,90 Euro auf 54,90 Euro pro Monat.

Der Weg zur lokalen Meinungsmacht

Das Darmstädter Echo erhielt in der Nachkriegszeit (1949) von den Alliierten eine Zeitungslizenz und erschien fortan in  Darmstadt und Umgebung. In den Folgejahren kaufte das Blatt, das bis in die 80er Jahre hinein mit dem Darmstädter Tagblatt einen lokalen Konkurrenten hatte, in Südhessen weitere Zeitungen auf:

1956 das Rüsselsheimer Echo, 1977 die Heimatzeitung des Kreises Groß-Gerau, 1986 schließlich den Konkurrenten Darmstädter Tagblatt samt Odenwälder Heimatzeitung und 1999 die in Heppenheim erscheinende „Südhessische Post“. Das Darmstädter Tagblatt wurde als Tageszeitung bereits kurz nach dessen Erwerb vom Darmstädter Echo eingestellt.

Echo Medien

Das Darmstädter Echo in der Krise. Echo Medien geben am 22. September Sparmaßnahmen bekannt.

Im September 2013 brachte eine Gruppe von Verlegern rund um den ehemaligen Focus-Chefredakteur Helmut Markwort das Darmstädter Tagblatt als Wochenzeitung zurück ins südhessische Darmstadt. Allerdings ist das neue Darmstädter Tagblatt nicht als Abonnementen-Zeitung konzipiert, sondern als Gratiszeitung mit einer Verbreitung von 95.000 Exemplaren in Darmstadt sowie Messel, Roßdorf, Ober-Ramstadt und Mühltal angelegt.

Das Darmstädter Echo hatte zuvor mit den Regionalausgaben: Rüsselsheimer Echo, Groß-Gerauer Echo, Ried Echo, Starkenburger Echo und Odenwälder Echo eine Reihe von Lokalausgaben auf dem südhessischen Markt etabliert, die ihren Mantel aus der Zentralredaktion in Darmstadt bezogen. Zusätzlich brachte der Verlag eine Anzeigenzeitung „SüWo“ (Südhessen Woche) auf den Markt.

 

Ähnliche Beiträge:

Autor:

Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die überschwänglich Freude über den Aufstieg der Darmstädter Fußballer ist verständlich.
    Nicht verständlich ist mir, dass dem Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt vor laufender Kamera ein Humpen Bier über den Kopf geschüttet wird. Diesen Akt halte ich für ungezogen und geschmacklos.
    Und dass das ZDF diese Szenerie auch noch ausstrahlt ist unterste Niveaustufe.

    Antworten

  2. Zwei Fragen zu obigem Text:
    1. Was heißt, „der Kommentar befindet sich in Moderation“?
    2. Ich habe zwar keine Probleme, mit „Dein“ (also Du) angesprochen zu werden, frage trotzdem an, ob wir schon einmal zusammen die bekannte Treppe runter gefallen sind.

    Antworten

    • Sehr geehrter Herr Schwinn,
      der Hinweis auf die „Moderation“ bedeutet, dass wir auf diesem Blog die Kommentare vor der Veröffentlichung lesen. SPAM sortieren wir aus. Bei beleidigenden Inhalten in Kommentaren oder Kommentaren, die gegen geltendes Recht verstoßen, behalten wir uns vor, diese nicht zu veröffentlichen.

      Warum wir auch moderieren: Wir bitten darum, Kommentare zum Thema des jeweiligen Beitrags zu veröffentlichen. Es ist verständlich, dass Sie Ihren Unmut über die Szenen, die das ZDF gesendet hat, äußern möchten. Allerdings ist hier die Facebook-Seite des ZDF oder deren Foren besser geeignet. Wenn wir richtig informiert sind, können Sie auch einen Leserbrief an die Kollegen in Mainz senden.

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Martin Krauß

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Anti-Spam: Bitte diese kleine Rechnung lösen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.