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Lokaljournalismus Blogs – Freiwillige Feuerwehr oder Berufsfeuerwehr?

Alles Idealismus bei den hyperlokalen Medien, oder was? Diesen Eindruck vermittelten zumindest Juliane Wiedemeier (Prenzlauer Berg Nachrichten), Isabella David (Hamburg Mittendrin), Annika Stenzel (taz.nord) und Natalie Tenberg (Florakiez) auf der re:publica 2014. Unter dem Titel „Into the Kiez: Gefahrengebiet Lokaljournalismus“ trafen dort unterschiedliche Ansichten aufeinander.

Sie machen hyperlokale Medien. Die Macher in der Diskussion zum hyperlokalen Journalismus auf der re:publica 2014 | Foto: Martin Krauß

Diskussisrunde zum hyperlokalen Journalismus auf der re:publica 2014 | Foto: Martin Krauß

Ein Zuhörer im Publikum fragte dann auch, ob die vier Damen auf dem Podium nicht dem Vergleich mit der Feuerwehr zustimmen würden: Auf der einen Seite gibt es das Blog Florakiez, das laut Tenberg von drei Personen betreut wird. „Wir haben kein Geld und wir brauchen kein Geld“, sagte die Bloggerin und berichtete, dass dem Team kein Finanzierungskonzept eingefallen sei, aber „auch nicht lange gesucht“ wurde. „Ich will einfach nicht, dass Leute für mich für lau schreiben“, erklärt Tenberg und ihr „Wir nehmen nichts ein, wir geben nichts aus“, erinnert doch stark an die Phrase: Arm, aber sexy – aber eben auch, an die ehrenamtliche Freiwillige Feuerwehr.

„Es wäre gelogen zusagen, wir hätten den Stein der Weisen gefunden“, sagt auch Wiedemeier mit Blick auf die Finanzierung des bekannten hyperlokalen Blogs zum Prenzlauer Berg. Die Berliner Bloggerin würde gerne noch zehn weitere Leute einstellen, derzeit sei es jedoch so, dass das Team aktuell davon gerade leben könne. Einerseits ist Wiedemeier skeptisch: „Ich glaube, wer heute richtig viel Geld verdienen will, geht nicht in den Journalismus.“ Andererseits sieht sie sich als Lokalbloggerin nicht im Bereich eines Ehrenamts: „Ich bin Journalistin. Ich muss meine Miete bezahlen. Ich sage, es ist ein Beruf – Freiwillige Feuerwehr reicht nicht.“

Auch Isabella David, die in Hamburg das Lokalblog Hamburg Mittendrin betreibt, ist sich nicht sicher, „ob der Vergleich zieht.“ Die große Lösung, was die Finanzierung des lokaljournalistischen Angebots in der Hansestadt angeht, habe auch Hamburg Mittendrin noch nicht gefunden. „Momentan arbeiten wir mit einem großen Puzzle“, sagt David. Ihr Team besteht aus sechs Leuten, die den Kern bilden. Dazu kommen rund zwanzig weitere Autoren oder Fotografen, die freiberuflich tätig sind. Angefangen habe aber alles mit einem zweier Team. Klar sei jedoch: „Ich muss die bezahlen können.“

re:publica 2014 - Meeting im Hoof

re:publica 2014 – Meeting im Hof | Foto: Martin Krauß

Hamburg Mittendrin setzt bei der Finanzierung auf eine breite Palette: Neben Werbung ist das Team Kooperationen mit der taz und der Wochenzeitung Die Zeit eingegangen. Zusätzlich verweist David auch noch auf das Angebot eines Solidaritätsabo. Über die Kooperationen sagt sie: „Es läuft so, dass wir unterschiedliche Sachen anbieten und hoffen, dass der CvD ja sagt.“ Für die taz müsse das Team die Themen jedoch anders aufbereiten, als für die eigene Seite. In der taz spiele die Gesamt-Hamburger-Sicht eine größere Rolle. „Ich glaube,  dass wir durch die Bezirksberichterstattung eine spezielle Perspektive haben“, betont David. Ein Alleinstellungsmerkmal für hyperlokale Medien?

In Berlin sei das jedenfalls nicht anders als in der Hansestadt.  „Berlin ist groß und die Zeitungen haben sich aus den Bezirken zurückgezogen“, hebt Wiedemeier von den Prenzlauer Berg Nachrichten hervor. Die Berliner Zeitung schaffe es zum Beispiel nicht in zwölf Bezirksversammlungen zu gehen. Das macht auch taz.nord nicht, das Norddeutschland-Angebot der taz. „Wenn wir in jede Bezirksversammlung reingehen, wüsste ich nicht, wie viele Journalisten wir brauchen“, sagt Annika Stenzel. Für das Norddeutschland-Angebot der taz sind 15 Stellen auf 23 Leute im redaktionellen Bereich aufgeteilt. Diese betreuen jedoch nicht nur einen Stadtteil, sondern mehrere Städte und das taz-Angebot in der gedruckten und in der online Form. Angst vor den hyperlokalen Medien habe die taz jedoch nicht. „Die rücken uns nicht zu Leibe“, erklärt Stenzel und verweist darauf, dasss die taz die Blogs „ja integriert, mitgenommen“ habe.

Neulingen auf dem Gebiet des hyperlokalen Journalismus rät die Runde: „Denkt ganz neu!“ Niemand müsse über Scheckübergaben berichten, erklärt Wiedemeier und David betont: „Da muss Idealismus dahinter stehen. Warum braucht es euch?“ Auch sie rät, es anders zu machen, als im Print. Tenberg gibt zudem den Tipp, sich einen Partner zu suchen: „Macht es mit anderen zusammen.“ Das sei auch wichtig, damit mehrere Leute über einen Text drüber schauen könnten.

Die Session war sehr gut besucht. Das Interesse an dem Thema hyperlokale Medien ist nach wie vor hoch. Schade nur, dass auch diese Session nur an der Oberfläche kratzen wollte. So blieb es bei den üblichen Fragen, die auch auf anderen Kongressen – etwa im September 2013 beim Besser Online Kongress in Mainz – schon in gleicher oder ähnlicher Form gestellt wurden.

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Autor:

Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

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