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„Als Medienjournalist bin ich ein Nestbeschmutzer“

Daniel Bouhs ist freier Medienjournalist in Berlin. Er arbeitet sowohl für Print und Online als auch für den Hörfunk. Zusätzlich verdient er sein Geld mit Schulungen für andere Journalisten. Im Interview mit Caro Lobig und Gesa Seidel spricht er über seine Spezialisierung im Journalismus und gibt jungen Kollegen Tipps.

Lobig & Seidel: Wie kamst du als Journalist zu deiner Spezialisierung?

Bouhs: Ich habe während des Studiums ganz klassisch bei einer Lokalzeitung in Mainz gearbeitet. Dort bin ich immer wieder auf ZDF-Termine geschickt worden, wie zum Beispiel zum Fernsehgarten. Dadurch sind Kontakte entstanden und es haben sich Mediengeschichten über den Sender und seine Gesichter entwickelt. Redakteure größerer Zeitungen wurden auf die Artikel in der Lokalzeitung aufmerksam und haben mich beauftragt, die Themen auch für sie aufzubereiten. So hat sich eine Geschichte durch die andere ergeben. Jedes Mal wenn ich im Sender war, hatte ich neue Themen dabei und so wurden Medien zu meinem Schwerpunkt.

Lobig & Seidel: Wie sieht deine tägliche Arbeit als Medienjournalist aus?

Daniel Bouhs, Foto: Jörg Wagner

Daniel Bouhs, Foto: Jörg Wagner

Bouhs: Das schöne am Medienjournalismus ist natürlich, dass ich mich mit einem Thema beschäftige, mit dem man sich als Mediennutzer sowieso beschäftigt. Einerseits überfliege ich jeden Tag die Medienseiten großer Zeitungen und andererseits kommen Medienunternehmen auch oft auf mich zu, wenn es Neuerungen gibt. Außerdem scanne ich natürlich das Netz. Auf Seiten wie Facebook oder Twitter schaue ich mir die für mich wichtigen Profile an. Zwei von fünf Geschichten fliegen mir so über die sozialen Netzwerke zu.

Lobig & Seidel: Und was ist mit fernsehen?

Bouhs: Ich schaue relativ viel Fernsehen, aber trotzdem weniger als der Durchschnittszuschauer. Der sieht nämlich knapp vier Stunden täglich fern. Ich schaue mir Sendungen gezielt an und nehme mir viel auf. Wenn ich übers Netz mitbekomme, dass es zu einer Sendung Aufreger gab, sehe ich sie mir im Nachhinein an, zum Beispiel Polit-Magazine und Talkshows. Ich vergleiche auch: Wie hat der Sender A das Thema aufbereitet, wie der Sender B? Die Übergänge zwischen beruflicher und privater Mediennutzung sind auf jeden Fall fließend.

Lobig & Seidel: Entstehen für dich Probleme dadurch, dass du über deine eigenen Kollegen schreibst?

Bouhs: Man ist als Medienjournalist natürlich immer der Nestbeschmutzer. Diese Art von Journalismus ist sowieso schizophren, man schreibt ja über die eigene Branche. Ansonsten habe ich dieselben Konflikte wie jeder andere Journalist auch. Also dass die Betroffenen nicht immer mit allem einverstanden sind, was man aufschreibt. Die Kritik ist hier vielleicht nur ein bisschen direkter, weil es eben die eigenen Kollegen sind.

Lobig & Seidel: Wie hat sich der Medienjournalismus durch die Medienkrise verändert?

Bouhs: Viele Zeitungen streichen in der Krise als erste die Medien-Seite. Der Medienjournalismus funktioniert ja aber auch ganz gut online. Jedes dieser Online-Portale bringt am Tag nach einer Talkshow auch die Kritik dazu. Die Programmkritik hat dadurch einen enormen Schub erfahren. Auch Shows wie „Wetten, dass…“ oder „Schlag den Raab“ werden besprochen. Die Berichterstattung über die Medienkrise selbst kommt dabei allerdings zu kurz.

Lobig & Seidel: Welche Tipps hast du für junge Journalisten, die sich spezialisieren wollen?

Bouhs: Man fängt erstmal sehr generalistisch bei regionalen Medien durch Praktika oder als freier Mitarbeiter an. Mit der Zeit merkt man ja dann, welche Themen einem besonders liegen und diesen sollte man auch nachgehen. Es wäre ja blöd, sich mit Themen zu beschäftigen, die einen nicht interessieren. Aber natürlich braucht jede Redaktion auch Allrounder, die sich mit vielen verschiedenen Themen befassen können. Wer aber komplett frei arbeiten will, lebt von der Spezialisierung. Denn nur wer sich wirklich auskennt in einem Thema und die Kontakte über Jahre aufgebaut hat, kann sich verkaufen. Mit dem Informationsfluss hat man seinen Kollegen gegenüber einen Vorsprung. So kommt man an Exklusiv-Nachrichten ran. Die Spezialisierung ist sicher ein guter Weg, um aus einer Überzeugung heraus als freier Journalist ordentlich arbeiten und davon leben zu können.

Das Interview führten Caro Lobig und Gesa Seidel.

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