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Das Kartell der Anderen

Der Streit zwischen den Verlegern, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der Netzgemeinde zieht sich in die Länge. Youdaz.com Autoren nehmen sich die Forderungen und Entwicklungen in unserer Sommerserie vor und fragen sich dabei auch: Welche Konsequenzen hat all dies für den Journalismus?

Nicht nur journalistische Medienanbieter haben mit dem Netz so ihre Probleme. Die Kämpfe von Musik- und Filmindustrie sind hinlänglich bekannt. Und dann wären da noch die TV-Sender. An jedem Bundesliga-Spieltag machen unzählige illegale Streams dem Pay-TV-Sender Sky zu schaffen. Wäre die Qualität der meisten dieser Streams nicht so furchtbar grausam, müsste sich Sky starke Sorgen um das Geschäftsmodell machen. Eigentlich sollte es das schon jetzt tun, denn gute Streams sind nur eine Frage der Zeit.

Wie bei Kino.to gibt es Seiten, die Streams sammeln und auf sie verweisen. Illegale Angebote oder zumindest welche im Graubereich. Und doch sind sie ein Player in der neuen Medienbranche, den es zu beachten gilt. Kino.to war – und seine Nachfolge- wie Konkurrenzportale sind – natürlich in gleicher Weise solche Player. Und sie berühren nicht nur die Kino-Branche, die sich am stärksten gegen sie zu Wehr zu setzen scheint. Sie sind auch Konkurrenz für Sat.1, Pro7, RTL und mit Abstrichen die Öffentlich-Rechtlichen.

Fragt man in der Jugend herum, wird man viele Studenten-Haushalte finden, in denen es schon heute keinen Fernseher gibt. Das bisschen TV, was man schaut, wird über den Computer angesehen. Nicht selten zeitversetzt, sprich on-demand. So ist man nicht an den Programmablauf gebunden und kann seine Lieblingsserie schauen, wann man Zeit hat.

Doch was in den USA weit verbreitet ist, dass die Sender ihr Angebot, vor allem Serien, im Netz einstellen, ist in Deutschland noch eher stiefmütterlich. Es gibt die Mediatheken von ARD und ZDF, doch müssen viele Inhalte hier – Stichwort Depublizieren – nach einigen Tagen wieder entfernt werden. Und im Bereich des privaten Rundfunks? Klar, es gibt verstreute Angebote, aber diese sind zum einen nicht flächendeckend und zum anderen deutlich nutzerunfreundlicher.

ProSiebenSat.1 und RTL wollten dies im vergangenen Jahr ändern und ein gemeinsames Video-Portal nach Vorbild des amerikanischen Hulu schaffen. Das Angebot sollte auch anderen Sendern offen stehen. Doch das Kartell-Amt untersagte das Portal. Zuletzt bestätigte das Oberlandesgericht Düsseldorf diese Entscheidung. Begründung: ProSiebenSat.1 und RTL würden damit ihre marktbeherrschende Stellung ausbauen und auf einen weiteren Markt übertragen.

Dieser weitere Markt steht nun aber weiter offen. Die Nachfrage ist da, das Angebot nicht. Im Fall von Serien, die aus den USA kommen, geht es mitunter nicht nur um die deutsche Fassung. Viele würden gerne den Originalton erleben. Auch für Serien, die in Deutschland von keinem Kanal ausgestrahlt werden, gibt es kaum Lösungen. Und so ist es wenig überraschend, wenn sich Leute ohne rechtliche Grundlage an Lösungen machen. Der Erfolg von kino.to ist nicht nur auf kostenlose Inhalte zurückzuführen. Kino.to bot auch eine einfach zu bedienende Lösung für ein ansonsten flächendeckend kaum versorgtes Kundenbedürfnis: TV-Serien in Deutschland on-demand am Computer sehen zu können – ohne diese komplett kaufen zu müssen.

Schaut man sich den Internet-Markt an, erkennt man überall Monopole. Suchemaschine: Google. Soziales Netzwerk: Facebook. Internettelefonie: Skype. Hobbyvideos: YouTube. Versteigerungen: Ebay. Die Liste ließe sich mühelos erweitern. Klar, es gibt stets kleinere Konkurrenz. Und ja, schnell kann auch mal ein Marktführer untergehen, man denke an MySpace. Aber im Internet werden sich Monopole nicht verhindern lassen.

YouTube steigt womöglich in Zukunft verstärkt in den Bereich der professionellen Video-on-demand ein. Hier würde das deutsche Kartellamt wohl kaum etwas tun können, genauso wie es bei den illegalen oder Grauzonen-Angeboten nicht eingreifen kann. Verständlicher Weise regen sich die Privatsender über diese Situation auf. Dem Spiegel sagte Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik bei RTL: “Es ist absurd. Alle rufen laut nach nutzerfreundlichen Angeboten – uns wird genau dies zum Vorteil von Google untersagt, das die Lücke natürlich zu füllen weiß.”

Wenn deutsche Firmen, vor allem auch deutsche Medienunternehmen zukunftsfähig sein sollen, müssen sie das Internet ernst nehmen. Aber wir müssen uns auch überlegen, ob in Deutschland nicht auch die rechtlichen Rahmenbedingungen überdacht werden müssen. Vieles davon geht auf die Zeit vor dem Internet zurück. Wollen und sollen deutsche Verlagshäuser und TV-Sender gegen die Konkurrenz aus semi-legalem-Privatangeboten, anderen Wirtschaftszweigen und dem Ausland bestehen, müssen sie auch die Chance dafür haben. Wenn sie jedoch im Streit untereinander und mit den Gerichten gebunden sind, werden sie nur zusehen können, wie andere die marktbeherrschende Stellung erobern. Andere, die sich nicht an deutsche Gesetze halten oder auf dem internationalen Markt überhaupt halten müssen.

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Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

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