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Interview mit einer Raumsonde

Die Raumsonde Voyager 2 twittert. Meist gibt sie an, wie weit sie gerade von der Erde entfernt ist. Das sind über 13 Licht-Stunden. Schon unvorstellbar weit. Und doch nur ein Katzensprung, wenn man überlegt, wie weit die möglicherweise bewohnbaren Planeten, die in letzter Zeit in gewisser Regelmäßigkeit entdeckt werden, entfernt sind. Da ist dann von Jahren die Rede.

Aber Voyager antwortet auf Twitter auch einfachen Menschen. Ich fragte nach einem Interview:

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Zunächst sah es nicht so aus, als würde ich eine Antwort bekommen. Muss aber auch komisch sein für so eine Raumsonde, von jemanden gefragt zu werden, der fast genau zehn Jahre nach ihrem Verlassen der Erde geboren wurde. Am 20. August 1977 nämlich hob Voyager 2 mit einer Titan-Rakete von Cape Canaveral ab. Ziel: Die äußeren Bereiche des Sonnensystems. Fast 38 Stunden nach meiner Frage bekam ich eine Antwort – direkt mir Erklärung:

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Nun, das Interview würde also etwas länger brauchen, wenn stets mindestens 26 Stunden bis zu einer Antwort vergehen würden. Das zeigt auch eindrucksvoll die Probleme, vor die die Raumfahrt gestellt ist. Bei einer möglichen Marsmission wird die durch die Entfernung entstehende Funkverzögerung bis zu 20 Minuten ausmachen. Bedeutet konkret: Die Astronauten werden unabhängig entscheiden müssen, da Anweisungen von der Erde womöglich zu spät kämen.

Im Fall dieses Interviews gab es mir aber Zeit, mich auf die einzelnen Fragen vorzubereiten. Ich fragte zunächst einmal, was die Sonde den aktuell noch tue:

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Der Golden Record ist eine Botschaft, die an der Sonde (ebenso wie an der noch weiter entfernten Voyager 1) angebracht ist. Darauf sind Botschaften für intelligente Lebewesen angebracht. So zum Beispiel die Position der Erde, aber auch verschiedene Musikstücke und eine Art Ausschnitt verschiedener Wissensgebiete in Bildform, quasi eine Mini-Enzyklopädie. Kritiker bemängeln, dass wir Menschen darauf jedoch nichts von Krieg und dergleichen berichten. Die Botschaft soll übrigens etwa 500 Millionen Jahre bestehen können. Also vielleicht findet sie tatsächlich jemand. Vermutlich gibt es außer der Botschaft von uns dann jedoch nur noch Atommüll. Aber dann wäre der immerhin zu etwas zu gebrauchen: Als Beweis, dass hier auf der Erde wirklich eine Zivilisation gelebt hat.

Leider dauerte es dann etwas mit der nächste Antwort. Bei über 36.000 Followern kann mal etwas unter gehen. Und außerdem ist Voyager 2 noch immer schwer beschäftigt – und ihre Wissenschaftler ebenso:

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Laut offiziellen Angaben wurden beim Neptun-Vorbeiflug (Ende der 80er -Jahre) über fünf Milliarden Bit an wissenschaftlichen Daten gesammelt. In anderen Worten brachte allein die Beobachtung dieses Planeten im Rahmen der Voyager-Mission zusammengerechnet 11.000 Jahre Arbeit mit sich (weitere „Did you know-facts“ siehe hier). Wie viele Leute arbeiten denn nun (noch) am Projekt?

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Eine Antwort in Deutsch? Nette Idee, aber die VHS Kurse im All sind wohl noch verbesserungsbedürftig. Den Rest machten wir dann doch lieber weiter auf Englisch:

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Logischerweise verbirgt sich hinter @NASAVoyager2 nicht wirklich die künstliche Intelligenz einer über 30 Jahre alten Raumsonde, sondern eine menschliche Person. Jia-Rui C. Cook, Medienbeauftragter der NASA für das Voyager-Programm, teilte mir mit, dass das Twitter-Profil größtenteils von einem Freiwilligen betrieben wird, der zuvor aktiv am Voyager-Projekt mitgewirkt habe. Zusätzlichen Input erhalte er vom Presse-Team rund um Cook. Bei dem Freiwilligen handelt es sich namentlich übrigens um Paul Filmer. Er twittert privat als @pffli.

Alles in allem betreibt die NASA mit diesem Twitter-Account eine vorbildliche Social-Media Kampagne. Die Idee, die Zeitverzögerung des Voyager-Funkverkehrs nachzubilden bringt zudem eine fast schon angenehme Entschleunigung in die sonst schnellen sozialen Netzwerke. Die offizielle Voyager-Seite der NASA findet man übrigens hier. Die NASA betreibt zudem eine Reihe weiterer Twitter-Accounts zu fast allen Missionen:

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Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

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