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LeFloid-/ Merkel-Interview: Kritik statt Auseinandersetzung

Gestern Abend habe ich mir das 30-minütige Interview von LeFloid mit Angela Merkel angesehen. Es war das erste LeFloid-Video, das ich angeschaut habe, aber natürlich nicht das erste Merkel-Interview, das ich gesehen habe. Eine große Schwäche ist sicherlich, dass das Gespräch trotz Internetformat bei der Veröffentlichung bereits inaktuell ist. Am Freitag aufgezeichnet, am Montag publiziert, bedeutet übersetzt: Das Thema der Stunde, die Griechenland-Verhandlungen, fehlen. Doch sehen wir von dieser Schwäche einmal ab.

Zunächst dachte ich mir beim Ansehen, und das auch im weiteren Verlauf des Interviews: „Mensch, hier hättest du noch mal härter nachfragen müssen!“ „Argh, dieses „cool“ und vor allem dieses „absolut“ muss nicht sein, das ist zu zustimmend.“ Über die gesamte halbe Stunde hinweg muss ich jedoch sagen, dass ich das Interview von LeFloid für deutlich gelungener halte, als es in der Presse dargestellt wird.

Video

Ich glaube, dass die falschen Ansprüche an das Format gestellt werden. Es wird wahlweise kritisiert, dass LeFloid zu klassisch aufgetreten ist oder eben, dass er das eben gerade nicht tat und beispielsweise auch die eigene Meinung äußerte. Bei der FAZ kritisiert man, dass sich LeFloid nicht um die „Einhaltung professioneller Standards“ bemüht. Gott, genau darum geht es ja: dass es auch einen anderen Zugang gibt. Ein nicht-neutraler Fragesteller (siehe Raab im TV-Duell, dort als eher Contra), kann im Sinne der Interviewführung neue Aspekte einbringen. Ich meine, Thilo Jung wäre nach der FAZ-Logik ja auch hochgradig unprofessionell.

Ja, die Fragen hätten hier und da kritischer sein können, wenngleich man bedenken muss, dass nicht politische Experten das Zielpublikum sind und LeFloid daher einige noch etwas weiter vorher abholen muss. Wenn Fachmedien wie Netzpolitik.org jedoch kritisieren, dass es nicht im Detail um Netzpolitik ging, führt dies ins Leere.

In solchen Einordnungen zeigt sich meiner Meinung nach ein bisschen sogar Neid, dass jemand anderes die Zeit der Kanzlerin bekam. Und klar: Ich würde sie auch gerne interviewen (oder lieber noch Herrn Scholz – also wenn Sie das lesen, Elbmelancholie würde sich über ein Sommerinterview freuen!). Die Rolle der Medien, ob nun FAZ, Netzpolitik, oder, oder, oder wäre nämlich nun eine andere.

Denn ganz ehrlich: An das LeFloid-Interview werden Ansprüche gestellt, die an klassische Interviews nicht gestellt werden. Auch die TV-Sommerinterviews sind eher braves Abnicken absehbarer Fragen. Die eigentliche journalistische Leistung findet in diesen Fällen nach dem Interview statt, in der Einordnung der Aussagen. Vielleicht macht LeFloid das noch, ich fände es spannend. Doch auch alle anderen sollten dies tun. Stattdessen ordnen sie lieber die Aussagen des Fragestellers ein, statt der Kanzlerin. Und versagen damit völlig!

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Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

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