Suche
Suche Menü

De Correspondent: „Wir investieren 95 Prozent der Einnahmen in Journalismus“

Es ist eine Erfolgsgeschichte im Onlinejournalismus. Ein Konzept, das in den vergangenen Jahren auch als Vorbild für weitere Angebote diente, etwa für die Krautreporter. Beim Frankfurter Tag des Online-Journalismus 2015 ermöglichte Milou Klein Lankhorst, vom niederländischen Online-Portal De Correspondent, einen Einblick in die Unternehmenskultur des Start-ups.

„Wir publizieren jeden Tag Artikel, lassen uns aber nicht von der Tagesagenda treiben“, berichtete Klein Lankhorst. De Correspondent habe keine Investoren, sondern Mitglieder. Jedes Mitglied hat mindestens 60 Euro investiert und das in einer der erfolgreichsten Crowdfunding-Aktionen im journalistischen Bereich. Heute habe das Portal fast 33.000 Mitglieder.

Bei De Correspondent sind 24 Vollzeitkräfte beschäftigt, darunter 13 schreibende Redakteure. Insgesamt gebe es mehr als 20 Mitarbeiter, die Beiträge für das Portal liefern. Diese sollen aktuell sein, aber die Korrespondenten sollen sich nicht von der Aktualität treiben lassen. Das gesamte Personal werde laut Klein Lankhorst von den Mitgliedern bezahlt. De Correspondent trägt sich also selbst.

„Unsere Plattform ist anzeigenfrei“

Was ist so anders an De Correspondent? Die Erkenntnis, dass mit News kein Geld zu verdienen ist. Hinzu komme in den Niederlanden die Situation, dass Medienangebote ihre Gewinne eher an die Aktionäre ausschütten, als in den Journalismus zu investieren.

De Correspondent sieht sich eher als eine Ergänzung zu den traditionellen Medien. „Wir wollen nicht erzählen, was heute los ist, sondern was aktuell ist. Die Strukturen dahinter haben bei den Nachrichtenseiten keinen Platz“, sagte Klein Lankhorst. Doch De Correspondent sei mehr als eine Ergänzung: „95 Prozent der Einnahmen investieren wir in Journalismus.“ Außerdem betont sie: „Unsere Plattform ist anzeigenfrei.“

Das niederländische Portal setzt auch auf einen anderen Umgang mit den Kommentatoren: „Wir gehen aktiv ins Gespräch mit unseren Mitgliedern, wir wollen wissen, was sie bewegt.“ Es bestehe eine  persönliche Beziehung zwischen den Journalisten und den Mitgliedern. Klein Lankhorst dazu: „Die Journalisten kündigen ihre Themen an und die Leser können sich beteiligen. Die Journalisten sind Gesprächsleiter. Die Mitglieder sind die Experten.“

33.000 Mitglieder wissen mehr als 30 Korrespondenten

Das führe dazu, dass die Mitglieder aktiv zum Journalismus beitragen. Sie werden regelmäßig darum gebeten, sich zu beteiligen. „Wir glauben, dass jedes Mitglied eine eigene Expertise mitbringt: 33.000 Mitglieder wissen mehr als 30 Korrespondenten“, sagt Klein Lankhorst. So denke das Team ständig darüber nach, mit welchen Funktionen es die Kommunikation mit den Mitgliedern verbessern könne. De Correspondent  habe beispielsweise Expertise-Titel eingeführt.

Jedes Mitglied kann auf der Seite angeben, unter welcher Expertise es kommentiert, also beispielsweise welchen Beruf ein Mitglied ausübt. „Auf diese Weise bieten Mitgliederbeiträge neue Impressionen, Meinungen und Perspektiven zu den Artikeln“, erklärt Klein Lankhorst.

Mitglieder sind Botschafter

Sie betont: „Der Kontakt zwischen uns und unseren Lesern ist persönlich.“ So seien nicht nur die E-Mail-Adressen der Korrespondenten auf der Seite verfügbar, auch die Mails würden persönlich beantwortet. Zudem gebe es Treffen zwischen den Journalisten und den Mitgliedern.

„Wir ermutigen die Mitglieder, unsere Beiträge zu teilen“, berichtet Klein Lankhorst weiter und ergänzt: „Die zahlenden Kunden sind unsere Botschafter, sie bringen die neuen zahlenden Kunden mit. Wir konnten auf ein Marketingbudget verzichten.“ Insgesamt seien Artikel rund 500.000 Mal geteilt worden.

Außerdem beziehe das Team die Mitglieder auch in die Entwicklung der Seite mit ein. Um transparent zu arbeiten, hat De Correspondent nach dem ersten Jahr einen Bericht veröffentlicht, wofür das über das Crowdfunding gesammelte Geld ausgegeben wurde.

Ähnliche Beiträge:

Autor:

Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Anti-Spam: Bitte diese kleine Rechnung lösen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.