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Android Apps entwickeln: Was Google vorschreibt

Apps sind das heiße Eisen in der Medienbranche. Journalisten beschäftigen sich meist ja nicht gern mit dem technischen Brimborium, wenn es um ihre eigene App geht. Wer dennoch weiß, was es bei der Entwicklung von Android Apps zu beachten gibt, ist im Vorteil.

Das Positive zuerst: Auf Entwickler von Android Apps, die über den Google Play-Store vertrieben werden sollen, kommen geringere Kosten zu als bei Apple. „Für ein Konto der Google Play Developer Console wird einmalig eine Registrierungsgebühr von 25 $ erhoben“, schreibt der Suchmaschinenriese zur Entwicklerregistrierung für dessen Android Betriebssystem. Mit der Gebühr sollen „Anbieter hochwertiger Apps“ gefördert und „Spam möglichst“ vermieden werden. Der Konkurrent Apple verlangt dagegen für das iOS Developer Program in der Standard-Ausführung 99 $ pro Jahr. Für das iOS Developer Enterprise Program sind gar 299 $ pro Jahr fällig.

Die Gebühr für den Account bei Google kann über Google Wallet bezahlt werden. Typisch für US-Anbieter: Kreditkarten werden bevorzugt. In einigen Ländern, darunter Deutschland, ist seit Kurzem bei Google Play auch PayPal eine Option. Dies soll laut Google auch für die Entwicklergebühr gelten.

Googles Bestimmungen für Android Apps in Kürze

Jetzt wird es komplizierter: Google stellt Bedingungen, die die Inhalte der Apps im Google-Play-Store einzuhalten haben. Diese sind in den „Google Play-Programmrichtlinien für Entwickler“ zusammengefasst. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Store sind dagegen in der sogenannten Vereinbarung für den Entwicklervertrieb festgehalten. Beiden Dokumenten muss man als App-Entwickler zustimmen. Für beide Dokumente gilt aber auch, dass der Suchmaschinenriese diese jederzeit verändern kann. Das ist in der Vergangenheit bereits mehrfach – auch innerhalb von nur einem Quartal – vorgekommen. Aber damit nicht genug: Es gibt auch noch Richtlinien zum Design der Apps.

Google lässt sich eine Reihe von Rechten einräumen, beispielsweise heißt es in der „Vereinbarung für den Entwicklervertrieb“ in Absatz 5.1:

„Sie erteilen Google eine nicht-exklusive, weltweite und gebührenfreie Lizenz zum Kopieren, Ausführen, Anzeigen und Verwenden des Produkts für administrative und demonstrative Zwecke in Verbindung mit dem Betrieb und der Vermarktung von Android Market und zur Verwendung des Produkts für die Verbesserung der Android-Plattform.“

Ebenso auch „eine nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz zur Verbreitung der Produkte gemäß den Veröffentlichungsoptionen, die […] beim Hochladen des Produkts […] ausgewählt wurden“. Zugleich lässt Google sich von jeder Haftung befreien (Absatz 12) und macht Entwickler der Android Apps „allein verantwortlich für den Support und die Pflege Ihrer Produkte“.

Android Apps für Tablets und Smartphones. Googles Bestimmungen gelten unabhängig vom Device. Foto: Martin Krauß

Android Apps für Tablets und Smartphones. Googles Bestimmungen gelten unabhängig vom Device. Foto: Martin Krauß

Kein Review-Prozess, aber inhaltliche Vorgaben

Niedrigere Hürde: Android Apps unterliegen bei Google Play keinem Review-Prozess, das heißt sie werden von Google nicht vor der Veröffentlichung im Store überprüft. Dies unterscheidet Google Play und iTunes. Google behält sich jedoch vor „nach eigenem Ermessen ein Produkt von Android Market [zu] entfernen“ und „Entwickler […] vorübergehend oder dauerhaft […] auszuschließen“. Anlass für einen Ausschluss oder das Löschen von Android Apps kann ein Verstoß gegen die Inhaltsrichtlinien sein, die „für alle Inhalte, die in [einer] […] App angezeigt werden oder auf die sie verweist“ gültig sind. Dabei weist Google explizit auf Folgendes hin:

„Im Rahmen der Inhaltsprüfung und Prüfung auf Einhaltung der Nutzungsbedingungen für Entwickler werden Anzeigen als Teil Ihrer App angesehen. […] Achten Sie darauf, dass Ihre Werbung nicht gegen die Nutzungsbedingungen für Entwickler verstößt. „

So legt Google etwa fest, dass „Inhalte, die Nacktheit oder sexuelle Handlungen zeigen“ ebenso wenig erlaubt sind, wie die „Darstellung grundloser Gewalt“ oder die „Verbreitung von Hass gegen Personengruppen aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung, Geschlecht, Alter, Veteranenstatus oder sexueller Orientierung“.

Aber auch das Verletzen von „gewerblichen Schutzrechten Dritter, wie Patent-, Marken- oder Urheberrechte, Geschäftsgeheimnisse[n] oder sonstigen Eigentumsrechte[n]“ kann zum Ausschluss des Entwicklers oder der Entfernung der App führen. App-Anbieter müssen daher „gewährleisten, dass [s]ie Inhaber aller gewerblichen Schutzrechte“ sind. Das bedeutet für Journalisten: Verwenden sie Bilder von Dritten in ihren Artikeln, müssen die Bildrechte geklärt sein.

Zwangsbezahlsystem bei Google Play

30 Prozent gehen an den Internetriesen: Google schreibt vor, dass das konzerneigene Bezahlsystem genutzt werden soll. Dies gilt sowohl für den Kauf von Android Apps als auch für in-App-Käufe. Darunter versteht man etwa den Kauf einzelner Zeitungs- oder Magazinausgaben innerhalb einer App. Ausgenommen von der Vorschrift sind: physische Waren und Dienstleistungen oder digitale Inhalte, die auch außerhalb einer spezifischen App genutzt werden können. Aber Google ist nicht konsequent: In den Vereinbarungen für den Entwicklervertrieb sprechen die US-Juristen des Konzerns neutral von Zahlungsabwickler, die eingebunden werden müssen.

Google definiert für die verschiedenen Währungen Preisspannen. Diese geben einem Anbieter vor, wie viel sie für ihre App oder ihren Inhalt verlangen können. Der jeweilige Preis kann über ein Google Wallet Merchant Center-Konto festgelegt werden. Für Deutschland ist die Preisspanne auf „0,50–199,00 EUR“ festgelegt. Für jeden Verkauf bei Google Play oder in Android Apps verlangt der US-Konzern eine Transaktionsgebühr. Diese beträgt derzeit „30% des Verkaufspreises“. Die anderen 70 Prozent des Preises bekommt der Entwickler, der dann davon noch Steuern abführen muss. Hier unterscheidet sich Google nicht vom iOS-App-Store.

Googles Rechnung:

Gewinn des App-Anbieters (vor Steuern) = „Verkaufspreis minus Transaktionsgebühr

ASO – App Store Optimization ist bei Google Play verboten

In Bezug auf den App-Store Google Play dürfen Entwickler nicht „versuchen, die Platzierung eines Produkts im Store zu ändern oder Produktbewertungen oder Erfahrungsberichte auf unzulässige Weise zu manipulieren“. Die Bewertungen von Android Apps haben einen direkten Einfluss auf die Platzierung der jeweiligen App im Store. Allerdings gilt der „Vorbehalt, dass Google nach eigenem Ermessen die Platzierung von Produkten verändern kann“. Dennoch versuchen Produktmanager natürlich, die Platzierung ihrer App zu beeinflussen. Was unter dem Begriff App Store Optimization (ASO) analog zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) üblich ist, bewegt sich aber in einem Graubereich.

Die Rahmenbedingungen für App-Entwickler können bei anderen Stores (z.B. dem Amazon App-Store) für das Betriebssystem Android von Googles Bedingungen und Vorschriften abweichen. Selbst beim Play Store kann Google ohne Ankündigung kurzfristig die Bedingungen, die Transaktionsgebühr oder die Preisspanne ändern.

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Autor:

Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

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