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Let’s have a robot: Journalismus von Algorithmen gemacht

Roboter. Maschinenwesen. Technik, die uns im Alltag hilft – oder Technik, die uns Menschen nutzlos macht? Die Diskussion um die Roboterwesen gibt es längst nicht mehr nur unter Science Fiction Autoren. Auch auf der re:publica 2014 waren Roboter am 8. Mai 2014 ein Thema.

Lorenz Matzat auf der re:publica 2014 über "Robot Journalism" | Foto: Martin Krauß

Lorenz Matzat auf der re:publica 2014 über „Robot Journalism“ | Foto: Martin Krauß

„Roboterjournalismus ist ein Hilfsbegriff“, sagte Datenjournalist Lorenz Matzat zu Beginn seiner Session mit dem Titel „Roboterjournalismus: Wenn Algorithmen Nachrichten machen“. Was Matzat meint, ist, dass es viele unterschiedliche Arten von Robotern gibt. Wir denken bei dem Begriff vermutlich erst an die Industrieroboter an den Bändern der Automobilbranche, dann fallen uns Roboter in Comics ein und schließlich denken wir an R2D2 und C3PO aus der Star Wars-Saga. Aber auch die Bots aus dem Netz zählen zu den Robotern.

Im englischsprachigen Raum werde der Roboterjournalismus als „Automated journalism“ bezeichnet. „Von meiner Herkunft her als Journalist, ist es mir lieber Roboter machen Journalismus als Automaten“, kommentierte Matzat. Bei Automaten müsse er an Bankautomaten oder Zigarettenautomaten denken – weniger intelligente Maschinen.

Ursprung des Roboterjournalismus sei laut Lorenz Matzat Statsmonkey; ein Projekt an einer Universität in den USA, in das im vergangen Jahr auch die CIA investiert hat. Weitere Player in diesem Bereich seien „Automated Insights“ (zweiter großer US-Player) sowie in Deutschland aexa und text.on.de

Das könnte bald ein Roboter übernehmen

Ein Einsatzgebiet für Roboterjournalismus könnte beispielsweise die Spielberichterstattung beim Fußball sein. „Wenn die Software in der Lage ist, das Berichtenswerte zu identifizieren, greift sie auf eine Sprachdatenbank zurück“, erläutert Matzat. Voraussetzung sei natürlich, dass der Roboter die Spielregeln kenne, auswertbare Daten vorlägen und dem Roboter auch übliche Phrasen in der Berichterstattung über die Sportart bekannt sind.

Ein Thema, das bewegt: Der Vortrag von Lorenz Matzat war sehr gut besucht | Foto: Andreas Grieß

Ein Thema, das bewegt: Der Vortrag von Lorenz Matzat war sehr gut besucht | Foto: Andreas Grieß

Der Datenjournalist kann sich zudem vorstellen, Roboter auch für niedrigere Ligen – für die es sich bisher nicht lohnt, einen Journalisten darüber berichten zu lassen – Spielberichte schreiben zu lassen. Die Vorraussetzung sei immer, dass Daten dazu vorliegen. Allerdings räumt er ein: „Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit Reportagen oder Investigativ-Stücke sehen werden.“ Alles, wo menschliche Haltung oder Meinung erforderlich sei, werde auch weiter von Menschen geschrieben.

Die Herausforderungen, einen Roboter so zu programmieren, dass er Berichtenswertes identifizieren und auch interpretieren kann, „sind alles andere als trivial“. Es fallen laut Matzat derzeit jedoch viele Entwicklungen in unterschiedlichen Technologien zusammen, etwa bei der Speichermenge oder bei den Sensoren. Wann es soweit sei, dass Roboter in Redaktionen zum Alltag gehören, sei nicht genau vorhersagbar. „Die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung ist, vor allem was man unter künstlicher Intelligenz oder Deep Learning versteht, sehr schnell“, betonte der Datenjournalist.

In Redaktionen gebe es häufig „eine sehr tradierte Kultur“, das sei bei Programmieren jedoch auch nicht anders. „Wenn die aufeinandertreffen – die Journalisten und die Programmierer – dann entsteht etwas Interessantes“, ist sich Matzat sicher. Er begründet das damit, dass Programmierer eine Tendenz zum Automatisieren besäßen und diese Entwicklung gebe es inzwischen auch in Redaktionen. Das lege nahe, „dass ein Teil des Schreibens automatisiert wird oder teilautomatisiert wird“.

Republica 2014: Roboterjournalismus

Lorenz Matzat zeigte auf der re:publica 2014 ein Schema nach dem Roboter Fußballspielberichte schreiben können | Foto: Martin Krauß

Zwei Phasen der Automatisierung

In einer ersten Phase übernehmen Roboter laut Matzat Routinearbeiten, Assistenzaufgaben oder die Verifikation von Angaben. Ein Beispiel: „Wenn ich schreibe, hilft mir eine Art Recherchesoftware dabei, zusätzliche Inhalte zu finden“, erläutert er den Zuhörern auf der re:publica. Ein Roboter könne aber auch den Faktencheck übernehmen, ob eine bestimmte Jahreszahl bei einer Person stimme. Ebenfalls in Phase Eins sieht Matzat das Schreiben von Zusammenfassungen von längeren Berichten sowie eine Mikro-Berichterstattung.

In Phase Zwei produzieren die Algorithmen nach Matzat bereits „Individualisierte News (hyperlokal, special interest)“. Wenn der Roboter aus verschiedenen Quellen Daten bekomme, könne er News liefern, „die auf die Straße vor eurer Haustür zugeschnitten sind.“ Ebenso verortet Matzat in Phase zwei „Berichte per Sensornetzwerke (Internet of Things)“. Der Datenjournalist vermutet, dass dies bereits in wenigen Jahren der Fall sein könne: „Ich glaube, dass 2020 ein Teil des Journalismus automatisiert wird.“

Re:publica 2014: Schlagworte zur Roboterjournalismus Session | Foto: Martin Krauß

Re:publica 2014: Schlagworte zur Roboterjournalismus Session | Foto: Martin Krauß

Die Gefahr

Ganz ohne Schattenseite sei der Roboterjournalismus jedoch nicht. Bei Software, die Inhalte bewertet, „ist die Gefahr, dass manipuliert wird – im großen Stil – sehr groß“, sagt Matzat. Ihm ist die Sorgfaltspflicht im Journalismus wichtig – unter anderem, dass für jedes journalistische Stück der Wahrheitsgehalt geprüft wird. „Wir brauchen einen Presseausweis für Roboterjournalisten“, folgert der Datenjournalist daher.

Durch die Automatisierung gebe es jedoch auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Schattenseite der Automatisierung in der Industrie sei laut Matzat, dass in Deutschland viele vermutlich dann in prekären Arbeitsverhältnissen landen würden – oder beim Arbeitsamt. Dass Lorenz Matzat prophezeit, vermutlich werden Roboter auch bald Radiobeiträge produzieren und sprechen, kann da bedrohlich wirken.

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Autor:

Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

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