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Blogparade: Was müssen wir Journalisten heute lernen?

Timo Stoppacher hat auf fitfuerjournalismus.de zur Blogparade aufgerufen. Darin ruft er zur Beantwortung der im Titel genannten Frage auf. Er schreibt:

„Wie wird man denn nun „Fit für Journalismus“? Was muss man lernen? Was kann man lernen? Es geht dabei nicht um unsere Kernkompetenzen wie recherchieren, Quellen prüfen, Nachrichten schreiben usw. Auch soll nicht die Frage diskutiert werden, ob und was man studieren soll, um Journalist zu werden oder was zum Volo dazu gehört. Stattdessen: Was braucht man wirklich im Job, was man lernen kann?“

Aus meinen bisherigen Erfahrungen lässt sich da vor allem ein Themenfeld aufführen, in das sich angehende Journalisten schnell einarbeiten sollten: der gesamte Bereich rund um Steuern, Sozialabgaben und Versicherungen. Wenn man betrachtet, wie viel Geld hier bei Unachtsamkeit verloren geht und wie viel Arbeitsaufwand und Zeit für diese Felder draufgehen, müsste man ketzerisch fast behaupten: Sie sind wichtiger als Schreiben und Recherche.

Die romantische Vorstellung, irgendwo ein Volontariat anzufangen, dort übernommen zu werden und langsam vom Redakteur bis in die Chefredaktion aufzusteigen, ohne dabei den Arbeitgeber oder das Beschäftigtenverhältnis zu wechseln, ist in etwa so realistisch wie ein Jahr ohne Spiegel-Titelgeschichte über Hitler. Stattdessen: befristete Verträge, mehrere Arbeitgeber gleichzeitig, wechselnd hoher Anteil von selbstständiger Tätigkeit, aufgezwungene Scheinselbstständigkeit, rein in die Künstlersozialkasse, raus aus der Künstlersozialkasse, wieder hinein, zwischendurch Rechnungen schreiben, mit Kollegen gemeinsam arbeiten und dabei vielleicht eine GbR sein und bei dem ganzen Wirrwarr dann noch eine wahrheitsgemäße Steuererklärung abgeben. Herzlichen Glückwunsch! Auch der DJV stell in seinen „Zukunftsthesen“ fest: Es werden immer mehr Journalisten (auch) freiberuflich tätig sein. „Unternehmerische Kenntnisse und Fähigkeiten der Selbstvermarktung werden deshalb eine wichtige Voraussetzung für beruflichen Erfolg“, ist in den Thesen zu lesen.

Was Journalisten heute lernen müssen, ist also genau das: Sie müssen sich mit verschiedenen Rechtsformen und Beschäftigtenverhältnissen auskennen. Sie müssen ihre Bilanzen (Plural!) im Griff haben und sie müssen sich bewusst sein, welche Anstellung oder welche Umfänge an Aufträgen welche steuerlichen und versicherungstechnischen Folgen für sie haben. Genau das wird in den meisten Volontariaten jedoch nicht gelehrt. Auch im Lehrplan von Journalistenschulen und Hochschulen tauchen diese Aspekte meist maximal als kurzer Exkurs auf. Die Begründung ist klar: Es handelt sich hierbei nicht um journalistisches Handwerk. Leider handelt es sich aber um für Journalisten notwendiges Handwerk. Vereinfacht gesagt: Wer den Papierkram schneller fertigbekommt, hat mehr Zeit zum recherchieren.

Mit diesem Know-How ausgestattet (das wie das technische Know-How ständig auf den aktuellen Stand zu bringen ist) allein, kommt freilich noch kein Journalist weit, wenngleich ich durchaus Bedarf an Autoren sehe, die besagte Themen verständlich aufbereiten. Sie bieten aber neben der notwendigen Grundlage für alle, die nicht das Glück haben, von vorneherein in eine gesicherte Bahn zu kommen, auch ein Instrument zur Karriereplanung. Denn derjenige, der fundiert abschätzen kann, welche Ausgaben er als Freier hat oder welche Kosten sich hinter der fixen Idee verbergen, ein eigenes Online-Magazin aus der Traufe zu heben (denn wer das professionell macht mit dem Ziel, Geld zu verdienen, braucht nicht nur Domain und Webspace), der kann in einem Bewerbungsgespräch oder einer Verhandlung zur Vertragsverlängerung ganz anders auftreten.

Denn wie eingangs erwähnt, ist das Ende einer Festanstellung heutzutage nicht unbedingt eine Delle in der Karriere oder gar dessen Ende, sondern der Wechsel von einem Abschnitt in den nächsten. Der kann auch gewollt geschehen.

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Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Unternehmerisches Know How, Wissen um Medien, thematische Fachkenntnis und technische Kompetenz. Für den Einstieg wäre dies sicher ein gutes Rüstzeug. Und eine interessante Anregung für die (vielleicht bald genormte) Ausbildung. Auf Dauer muss der Berufsweg es aber irgendwann zulassen, je nach Talent in eine Spezialisierung abzubiegen. Auch künftig wird nicht jeder alles können oder wollen. Hoffentlich auch nicht müssen.

    Antworten

    • Die Spezialisierung wird es denke ich immer geben, muss es geben. Wichtig wäre – das wäre dann aber ein eigener Beitrag – daher aber auch Teamfähigkeit. Denn viele Beiträge umfassen mehrere Aspekte. technisch (Video, Data, Text, Gestaltung, mobile…) wie inhaltlich (Schuldenrkrise ist z.B. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft). Gegen eine genormte Ausbildung würde ich mich klar aussprechen wollen. Ich glaube, dass dies a) gefährlich ist und b) auch nicht wünschenswert, weil gerade Redaktionen mit Leuten aus verschiedenen Ausbildungswegen und Ausbildungsstätten kreativ sein können

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