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Nexus 5 – Kalender und Kontakte ohne Google synchronisieren

Das Nexus 5 hat lange gebraucht, um aus den Startlöchern zu kommen. Viel wurde geleakt, viel wurde berichtet. Trotz derartiger Aufmerksamkeit – worum es bei einem Smartphone, Tablet oder Computer geht, ist doch: Das Gerät soll meine Wünsche erfüllen – und zwar bitte reibungslos. Die große Kunst dabei ist auch Ende des Jahres 2013 immer noch die wichtigen Teile eines Arbeitslebens miteinander zu synchronisieren: Kalender, Kontakte und Mails sollen auf allen Geräten immer aktuell sein.

Das Nexus 5 im BildKeine grundsätzlich schwere Aufgabe sollte man meinen – vor allem nicht beim heutigen Stand der Technik. Herausforderung Nummer 1 unserer Übung hier ist aber: Dabei soll keines der bekannten Datensilos genutzt werden. iCloud, Google-Dienste und andere Plattformen fallen also aus. Sie kommen teilweise aber auch schon deshalb nicht in Frage, weil sie nicht über die Grenzen ihres Unternehmens und Betriebssystems hinaus synchronisieren. Wir sehen also, nicht nur aufgrund aktueller Geheimdienst-Berichterstattung lohnt sich der Schritt hin zur eigenen Wolke.

Womit wir bei Herausforderung Nummer 2 wären: Selbst gemieteter Webspace ist nicht eigener Webspace. Wer nicht im Keller, dem Kleiderschrank oder unterm Schreibtisch seinen eigenen Server betreibt, ist auch noch darauf angewiesen: a) seinem Webhoster zu vertrauen und b), dass dort alles funktioniert – doch dazu gleich mehr.

Raus aus dem Betriebssystem-Gefängnis

Synchronisation über Betriebssysteme hinweg, außerhalb des Machtbereiches von Unternehmen (und Behörden) ist nur mit einer selbstgehosteten Wolke möglich. Hierfür finden sich neben ownCloud auch noch Seafile und BitTorrentSync. Wobei es in diesem Text um ownCloud gehen soll. Auch, weil ownCloud als einziges der drei neben Daten- auch Kontakt- und Kalendersynchronisation anbietet und für alles auch ein Webinterface mitbringt. Für Nutzer, die ebenfalls ihre Daten in die eigene Wolke legen möchten, bringt ownCloud (Stand heute) auch für Windows, Linux, OS X, iOS und Android Apps mit. Teilweise sind diese kostenpflichtig. Ein Schmankerl für Menschen mit vielen Lesezeichen ist die Verwaltung von Bookmarks, die sich auf den Geräten mittels Bookmarklet einrichten lässt.

Wer seine ownCloud auf einem gemieteten strato-Server einrichten möchte, muss leider (Stand Oktober 2013) immer noch auf einen Workaround zurückgreifen, der hier und hier und hier erklärt wird. Ansonsten funktioniert tatsächlich alles so, wie von ownCloud beschrieben.

Clients einrichten – Apps und Programme konfigurieren

Nachdem die eigene Wolke auf dem eigenen oder gemieteten Server installiert ist, müssen nun die zu nutzenden Programme eingerichtet werden. Plattformunabhängig kann dazu Mozilla Thunderbird genutzt werden, um Kalender und Kontakte am Desktop zu verwalten. Aber auch die nativen Apps von iOS und Mac OS können mit den zur Synchronisation genutzten Protokollen CalDAV und CardDAV umgehen.

Anders sieht das auf Android aus. Dort sind Cal- und CardDAV nicht ins Betriebssystem integriert, lassen sich aber per App nachrüsten. Für unseren Fall nutzen wir dazu die App DAVdroid, die im Play Store käuflich zu erwerben ist, aber auch kostenfrei von der Entwickler-Seite geladen werden kann. Für die Synchronisation muss nach der Installation der App jeweils ein Konto für Cal- und eines für CardDAV angelegt werden (Stand Oktober 2013). Hier erklären die Entwickler, wie DAVdroid eingerichtet werden muss und beschreiben zum Beispiel Besonderheiten für ownCloud. Das Synchronisations-Intervall kann leider nicht eingestellt werden, da die Android-Einstellungen-App abstürzt, wenn man versucht, das Menü zu erreichen (Stand Oktober 2013 auf einem Nexus 5 mit Android 4.4).

Eventuell stellen andere Apps eine stabilere Alternative dar: Kleine Übersichten für CalDAV und CardDAV finden sich zum Beispiel im droidwiki.

Weitere akute Bugs mit dem Nexus 5

Sind in einem der Kalender bereits sich wiederholende Ereignisse vorhanden, werden diese am Android-Gerät wie folgt eingetragen: Der Beginn des Ereignisses ist korrekt, das Ende des Ereignisses wird aber mit derselben Uhrzeit gespeichert. Derartige Ereignisse ohne Dauer werden aber nicht auf die anderen Geräte übertragen, sodass nur am Android-Gerät die Termineinträge 0 Minuten dauern.

Wer Google Now nutzen möchte, kann dies auch mit nicht bei Google gespeicherten Terminen weiterhin. Google Now greift auch auf die ownCloud-Kalendereinträge zu.

DAVdroid kann mit der aktuellen Version 0.3.8 nun auch die Farben aus der Wolke auf dem Android-Gerät darstellen, dafür ist also keine weitere App wie bisher nötig. Das zeigt besonders schön, dass sich die Entwickler an den Wünschen der Nutzer orientieren und so schnell wie möglich gewünschte Funktionen nachreichen und Fehler korrigieren.

Fazit

Das Nexus 5 gänzlich von Google zu befreien ist ohne frisches Betriebssystem natürlich nicht möglich. Wer sich von Google wirklich lösen will, muss auf CyanogenMod und andere zurückgreifen. Zu viele Apps wollen im reinen Android in die Wolke funken, sich an Google+ andocken oder anderweitig Daten austauschen, speichern und verknüpfen. Wer sich aber durch die Android-Einstellungen klickt und in diversen Apps die voreingestellte Google-Synchronisation deaktiviert, hat schon ein bisschen was getan. Dadurch, dass Android für Cal- und CardDAV auf Fremd-Apps zurückgreift, müssen sich die Apps und deren Entwickler auf Veränderungen im Betriebssystem einstellen und Bugs reparieren. Das ist natürlich auch der Android-Gerätevielfalt geschuldet, hat aber zur Folge, dass mit Einführung neuer Geräte und Betriebssysteme erst einmal Fehler gesucht, gefunden und repariert werden müssen.

P.S.: Als Freunde von Privatsphäre und Datensicherheit wollt ihr natürlich auch nicht, dass Googles Hangouts eure SMS-Nachrichten verwaltet, auch wenn diese wohl bisher alles auf eurem Gerät gespeichert bleiben und nicht auf Google-Server kopiert werden. Hier bietet sich zum Beispiel die App TextSecure an, die allerdings wie auch DAVdroid auf Android KitKat noch nicht rund läuft – sie kann noch nicht als Standard-SMS-App eingestellt werden. Diese Möglichkeit besteht aber bei älteren Android-Generationen. TextSecure ermöglicht, die SMS auf dem Gerät per Passwort und Verschlüsselung zu schützen und kann mit anderen Nutzern der App auch verschlüsselte SMS-Nachrichten austauschen. Wenn ihr darauf verzichten könnt, eure SMS auf dem Gerät und für den Versand zu verschlüsseln, ist die App 8sms der CyanogenMod-Entwickler eine Alternative zu Googles Hangouts.

 

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Autor:

Pascal studiert an der Katholischen Universität Eichstätt Journalistik mit Schwerpunkt Innovation und Management. Seine Bachelorarbeit zum Thema Integration sozialer Medien in öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen hat er zusammen mit Martin an der Hochschule Darmstadt geschrieben.

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