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Huffington Post: So schauen die ersten Daten zum Traffic aus

Am Sonntag gibt es die Huffington Post nun seit einem Monat auch in Deutschland. Das Angebot wird hierzulande von Tomorrow Focus in München betrieben und stand bereits vor dem Start massiv in der Kritik, allen voran, weil man auf unbezahlte Blogger setzt. Nach dem Start kamen weitere Kritikpunkte hinzu: Das Angebot sei zu trashig, zu marktschreierisch. Doch wie erfolgreich ist es? Nun liegen erste Zahlen vor.

Die offiziellen Klickzahlen (Visits und Page Impressions) der IVW-Auswertung kommen zwar erst am Montag, bereits jetzt hat der Analyse-Anbieter SimilarWeb jedoch seine Werte für Oktober 2013 ins System integriert. Die wichtigste Kennziffer, die der voraussichtlichen Visits, kann dabei nur sehr bedingt als Vergleichsmarke herangezogen werden, da die Werte anders berechnet werden, als bei der IVW. Lässt man die reine Zahl also zunächst außen vor und betrachtet sie im Verhältnis, bewegt sich die deutsche HuffPost im ersten Monat demnach grob in den Größenordnungen von taz.de oder Mopo.de. Für genaueres wird man die IVW-Zahlen abwarten müssen.

Update 11.11.13 In den Oktober-IVW-Daten ist die Huffington Post (noch) nicht ausgewiesen. Zählpixel gibt es jedoch. Mit offiziellen Zahlen müssen wir uns also weiter gedulden.

Interessanter sind die Analysedaten, die SimilarWeb zusätzlich liefert und die meist recht verlässlich sind. Ein bisschen Vorsicht ist, gerade bei einer Seite zu der noch nicht lange Daten vorliegen, freilich dennoch geboten. Stimmen die Daten jedoch bereits annähernd, dann haben nur 15,7 Prozent der Besucher huffingtonpost.de direkt angesteuert. Das spricht dafür, dass die Marke noch nicht allzu stark ist. Branchenüblich sind Werte zwischen 30 und 50 Prozent bei größeren deutschen Nachrichtenseiten. Die Marktführer Bild.de (67,7 %) und Spiegel Online (62 %) haben laut SimilarWeb sogar noch höhere Werte, sprich sind als starke Marke wahrgenommen. Ein Blick auf das US-Original der Huffington Post zeigt, dass jedoch auch hier der Direkt-Traffic nur einen geringen Teil der User ausmacht: 22,7 Prozent spuckt SimilarWeb für huffingtonpost.com aus –freilich bei deutlich höheren absoluten Besucherzahlen.

Der Suchmaschinen-Anteil des Traffics ist bei huffingtonpost.de ebenfalls extrem gering: Er liegt bei gerade einmal 4,6 Prozent. Das ist jedoch noch nicht verwunderlich. Die Seite ist noch jung, demnach gibt es deutlich weniger Artikel für den Long-Tail von Google und Co. Bei Elbmelancholie.de konnten wir selbst sehr gut beobachten, wenn auch in einem kleinerem Maßstab, wie der Suchmaschinen-Traffic mit Anwachsen des Archivs steigt.

HuffPost im Social Web noch keine große Nummer

Dieser Bereich unterliegt von Angebot zu Angebot ohnehin großen Schwankungen: Spiegel Online und Bild.de erreichen laut SimilarWeb 18,9 bzw. 13,9 Prozent ihres Traffics über Suchmaschinen, Welt.de hingegen setzt stark auf Suchmaschinenoptimierung und kommt so auf satte 45 Prozent. Die US-HuffPost erzielt den Daten nach einen Anteil von 22,1 Prozent. Die eben erwähnte Online-Seite der Welt ist im Übrigen eine nicht unbedeutender Vergleichsseite für die deutsche Huffington Post. Immerhin wurde das Ziel ausgegeben, diese in den Top 5 der deutschen Online-Medien zu etablieren. Und eben jenen Platz 5 hat – gemessen an der IVW – zuletzt Welt.de inne.

Kommen wir nun jedoch zu den beiden Kategorien, die neben dem noch ausbaunötigen, aber mit Geduld auch ausbaufähigen Bereich der direkten Zugriffe den Münchnern Sorge bereiten sollten. Da wäre zunächst der Punkt Social Traffic. Über Facebook und Twitter (andere soziale Medien, außer vielleicht YouTube, spielen hier fast nie eine Rolle) kommen 6,1 Prozent der Leser auf huffingtonpost.de. Dies ist ein branchenüblicher Wert (Bild.de: 4,9 %, Spiegel Online: 4,8 %, Welt.de: 4,3 %). Allerdings: Wollte die Huffington Post nicht gerade auf soziale Medien und modernen Online-Journalismus setzen? Gemessen daran ist der Wert eher mau.

Auch die Fan- und Follower-Zahlen sind für ein Web-Projekt überschaubar. Weniger als 7.000 Follower auf Twitter – selbst Branchendienste wie DWDL, Kress oder Meedia haben mehr als das fünffache, wie Jens Schröder jüngst auf letztgenanntem Dienst festhielt. Noch ein Vergleich: Konkurrent Welt hat mehr als 157.000 Follower. Auf Facebook hat die deutsche HuffPost rund 9.600 Fans, die Welt fast das zehnfache: rund 95.500. Hier müssen also noch sehr dicke Bretter gebohrt werden. Ein alleiniger Web Hype, falls das erhofft war, trägt die junge Seite jedenfalls nicht in die Top 5 Deutschlands.

Traffic fast nur über Links bei Focus und AOL

Nun könnte Tomorrow Focus auf hervorragende Zahlen bei den Referrern verweisen: 65,4 Prozent des deutschen HuffPost-Traffics kommen laut Similar Web über Links auf anderen Seiten zustande. Bei Bild.de, Spiegel Online und Welt sind es jeweils um die 13,7 Prozent, bei der US-HuffPost 26,7 Prozent. Dieser Wert spricht aber nicht dafür, dass huffingtonpost.de im Netz fleißig verlinkt wird, sondern offenbart viel mehr, dass die Seite extrem abhängig von anderen ist. Genauer gesagt: von zwei anderen Seiten, wie ein Blick auf die Top-Referrer zeigt. Mit großem Abstand sind hier nämlich AOL.de und Focus.de zu finden.

Dass die Partnerseite Focus.de Besucher übermittelt, ist noch naheliegend und war auch so angekündigt. Dass anteilig die meisten User jedoch von AOL.de kommen, ist kein gutes Zeichen. Kurzzeitig kann es helfen, das eigene Portal bekannter zu machen, auf Dauer sollte die Huffington Post sich jedoch nicht darauf reduzieren lassen, Dienstleister für die Laufkundschaft eines sich automatisch aggregierenden Portals zu sein. Zugegeben: Auch andere Seiten, wie zum Beispiel die Bild liefern AOL Inhalte und profitieren mit Klicks. Für diese Seiten sind die Visits aber ein Zubrot und nicht elementarer Bestandteil der eigenen Reichweite.

Wie eingangs erwähnt, sind alle genannten Werte mit Vorbehalt zu genießen. Zudem wäre es absolut verfrüht, von einem Fehlstart oder gar Scheitern zu reden. Klar ist aber auch: Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist für die Huffington Post noch viel zu tun. Ganz besonders an der Markenbildung müssen die Mädels und Jungs von Cherno Jobatey arbeiten, um mehr Nutzer zu gewinnen, die die Seite bewusst und direkt ansteuern und die auf Facebook und Twitter der Redaktion folgen. Dafür wird es nötig sein qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten und das konstant. Auch Autoren, die ihrerseits als Marke wahrgenommen werden, werden nötig sein, ebenso wie viele exklusive Inhalte.

Was letzteres angeht, hat die Huffington Post zuletzt mit einigen Meldungen aufhorchen lassen, die von den anderen Medien kaum aufgegriffen wurden, wie zum Beispiel, dass Sigmar Gabriel kein Minister der großen Koalition werde. Die kommenden Wochen werden auch zeigen, ob diese Meldung von der Konkurrenz nur nicht aufgegriffen wurde, weil man die Huffington Post bewusst ignorieren will oder ob der Neuling hier zu voreilig und sensationslustig war. Letzteres wäre das Gegenteil von dem, was die Huffington Post für langfristigen Erfolg braucht.

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Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

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