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Journalisten sollen „Forschungsergebnisse zur Kenntnis nehmen“

„Es gehört zumindest in das Berufsethos der Journalisten, dass man die Forschung wahrnimmt“, fordert Klaus Meier. Sein Name und auch sein Lehrbuch „Journalistik“ dürften vielen Journalistenschülern und –studierenden ein Begriff sein. Am Mittwoch hat Meier, der an der Katholischen Universität Eichstätt lehrt, an der Hochschule Darmstadt einen Gastvortrag über den Wandel der Öffentlichkeit und des Journalismus gehalten.

Darin kritisierte er mit Blick auf den Codex des Presserats: „Da steht überhaupt nichts von Forschungsergebnisse zur Kenntnis nehmen“. Bei Ärzten etwa sei dies dagegen der Fall, auch wenn der Vergleich hinke. Im Journalismus gäbe es in Deutschland aber keine Tradition, Forschungsergebnisse in den Redaktionen wahrzunehmen.

Derzeit entwickle sich in den Redaktionen jedoch ein Umdenken: „Die wollen Wissen abzapfen“, resümiert Meier Gespräche zwischen Forschern und Chefredakteuren. Die Frage – „Was entwickelt sich?“ – sei wichtiger geworden. „Da ist auch ein Wandel im Gange, das ist auch eine Chance, das wir das in Journalismus-Studiengänge aufnehmen können“, betont Klaus Meier.

Es sei bisher ungewiss gewesen, ob sich in Redaktionen auch etwas ändere, wenn Absolventen ihre Forschungs- oder Abschlussarbeiten mit ihren Ergebnissen an die Redaktionen geschickt hatten. Meist seien die Arbeiten vermutlich in Schubladen verschwunden. Meier hält es daher für besser, „Transferforschung“ zu betreiben. Das bedeute, „in Redaktionen gehen und gemeinsam Redaktionen und Produkte verbessern.“ Auf seiner Präsentationsfolie formuliert Meier das wie folgt:

„Methoden des Transfers entwickeln, testen und evaluieren, um die Basis für evidenzbasierte Zukunftsentscheidungen in Redaktionen zu legen und dadurch dazu beitragen, die Praxis des Journalismus nachhaltig zu verbessern.“

Worauf er damit abzielt, macht der Journalistik-Professor an einem Beispiel deutlich: Zwei von Meiers Studenten planten in ihrer Masterarbeit eine Kooperation mit einer Lokalzeitung. Dort sollten Leser befragt werden, um deren Kritik für Verbesserungsvorschläge für die Zeitung nutzen zu können. Doch klassische Leserbefragungen seien die Kategorie von Forschungsergebnissen, die häufig ungehört in Schubladen verschwänden. Schließlich hätten die beiden Absolventen daher das Konzept eines Leserbeirates angewandt.

15 Leute wurden im Ort angesprochen. Sie sollten zwei Wochen lang notieren, was ihnen beim Lesen der Zeitung auffällt. In Workshops mit den Lesern und anschließend auch mit der Redaktion wurde die Kritik gesammelt, ausgewertet und besprochen. Dabei entstanden konkrete Ergebnisse, wie sich die Zeitung verbessern ließ. Diese Änderungen seien danach zwei Wochen lang von der Redaktion praktiziert worden, bevor anschließend der Leserbeirat erneut zusammenkam.

Im Rahmen dieser Masterarbeit sei ein Zyklus entstanden (Forschung -> Workshops -> Implementierung neuer Strukturen, Arbeitsweisen oder Formate), der eine konkrete Verbesserung für diese Zeitung gebracht hat. „Forschung, die man aktiv betreibt mit dem Ziel der Entwicklung und Konzeption“ sei gut in den Masterstudiengängen, etwa in Eichstätt, Darmstadt oder auch Dortmund aufgehoben. Ein Nebeneffekt, den Klaus Meier dabei mit im Blick hat: „Die Masterabsolventen sollen rausgehen und offen für Forschungsergebnisse sein.“ Das hätte langfristig einen direkten Effekt in der Praxis.

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Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

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