Von Robin Hartmann
Beunruhigende Nachrichten erreichen uns dieser Tage aus dem deutschen Sommerloch. Der beschauliche Ort, sonst so ruhig und friedlich in der malerischen Presselandschaft im Naturschutzgebiet Blätterwald gelegen, ist in nackter Angst. Der Grund: eine ganze Horde von Killer-Welsen, die einfach ALLES fressen, wurde jetzt in örtlichen Gewässern gesichtet.
Und das nicht zum ersten Mal, schon seit einigen Jahren machen die monströsen Fische, die kaum jemand je wirklich zu Gesicht bekommen hat, Jagd auf wirklich ALLES, was sich bewegt. Schon lange geben sie sich nicht mehr mit ihrer bevorzugten Beute, der Zeitungsente, zufrieden. Nein: Sie verschlingen jetzt auch Hunde, Kleinkinder, Einfamilienhäuser, kurzum: einfach ALLES (!!!)
In den warmen Sommermonaten, in denen es sonst kaum Berichtenswertes gibt, tauchen die unbarmherzigen Killer-Fische Jahr für Jahr aufs Neue auf. Krone.at warnte schon im August 2005 vor der nahendem Apokalypse, kurz bevor das Redaktionsbüro auf mysteriöse Weise aufgefressen wurde. Nur wenig später wurde aus dem größten Binnensee Deutschlands ein Killer-Waller gefischt. In seinem Magen fand man mehrere tote Reporter, Druckerpressen, Redaktionsinventar, kurz: einfach ALLES!
Wenig später wurde Fischereimeister Heinrich Holler auf Gut Hornegg in Österreich verhaftet, da er einen schuppigen Trittbrettfahrer, der auf seinen Raubzügen zweifellos bereits ALLES gefressen hatte, bei sich zu Hause versteckte („Ottl ist mein Freund und Teichpatron“).
Im Juni 2008 erreichten uns dann „beunruhigende Meldungen“ aus der Bundeshauptstadt. Auch bis hierhin war der Killer-Fisch mittlerweile vorgedrungen. Susanne Jürgensen vom Fischereiamt Berlin identifizierte einen Wels zumindest als Mittäter bei einem Biss an einer arglosen Schwimmerin. Was der Fisch vorher noch so ALLES gefressen hatte blieb zwar im Dunklen, zumindest das Verschwinden von ein paar Schwanenjungen konnte ihm aber ebenfalls erfolgreich angelastet werden.
Fast täglich kursierten nun im Internet neue Gerüchte um den Aufenthaltsort des/der Delinquenten, einige Medien spielten sogar schamlos mit der Angst ihrer leichtgläubigen Leser (“Welse haben keine natürlichen Feinde – zumindest keine außer Welsen…”
Doch damit nicht genug: Die gepeinigten Opfer finden einfach keine Ruhe, denn Manfred Holzner vom Bezirks-Fischerei-Verein Mühldorf-Altötting verteidigte den Killerwels sogar unlängst in einem Interview. Und das, obwohl die letzte Killerwels-Attacke auf ALLES, was uns lieb und teuer ist, erst jüngst statt fand: Die kleine Franziska (14) schwamm vergnügt in einem See, als ein Monster-Wels sie plötzlich und ohne Vorwarnung am Bein packte und unter Wasser zog. Vater Helmut, Hobby-Angler und passionierter Schwarzmaler: “Meine Tochter ist schon größer und konnte sich verteidigen, aber wenn ein solches Tier ein kleines Kind angreift, hat es keine Chance. Diese Riesenviecher müssen raus…” Beileidsbekundungen erreichten die Familie aus der ganzen Welt, US-Präsident Obama twitterte unter seinem Codenamen Pottwal gar: „Wir sollten ALLE froh darüber sein, das Franziska Steiner überlebt hat…“
Blanker Hohn: Der Killerwels wurde daraufhin zwar der Polizei übergeben, musste aber aufgrund der undurchsichtigen Beweislage in dem Badegewässer wieder freigelassen werden. Und das allerschlimmste: Vater Steiners unbedachter Ausspruch (“Diese Riesenviecher müssen raus”) soll nun auch noch als Leitmotiv für den neuen Roland Emmerich-Film herhalten. In einem ersten Trailer stellten die Macher von Godzilla unlängst ihren neusten Blockbuster vor (“Er lauert im Verborgenen“).
Ob der Streifen ein Kassenschlager wird, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: der Killer-Wels wird weiter rauben, solange es in Deutschland keinen echten Qualitätsjournalismus gibt. Liebe Medien, ihr habt es in der Hand. Bitte helft uns, helft euch, helft einfach ALLEN!




