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Null Prozent für Journalismus

Der Streit zwischen den Verlegern, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der Netzgemeinde zieht sich in die Länge. Youdaz.com Autoren nehmen sich die Forderungen und Entwicklungen in unserer Sommerserie vor und fragen sich dabei auch: Welche Konsequenzen hat all dies für den Journalismus?

Die Zeitung steht vor dem aus. Bald wird sie sterben. – Ist das wirklich so? 2011 lagen die Umsätze der deutschen Zeitungsverlage bei 8,51 Milliarden Euro, das heißt: Die Umsätze sind in etwa gleich geblieben. 0,1 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr sei gemacht worden, teilte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) im Juli mit. Und auch das gedruckte Blatt habe eine recht stabile Reichweite von 72 Prozent.

Dem BDZV zu folge lesen gut 48 Millionen Menschen täglich Zeitung. Das Problem liegt jedoch im Nachwuchs. Agenturmeldungen zu Folge sind fast 40 Prozent der über 14-Jährigen auf den Verlagswebsites unterwegs. Dabei wurde nicht die tägliche Nutzung ermittelt, sondern die “unique users”.

Langfristig könnten Subventionen nötig werden

Dass die Zahl der Leser deshalb langfristig zurückgeht – keine Frage. Eine vererbbare Kopplung eines Lesers an einen Zeitungstitel gibt es nicht. Denn durch die Möglichkeiten des Internets ist die Nutzung von Nachrichten nicht mehr schematisch festlegbar. Für die Zeitungsverlage ist das ein echtes Problem. – Nicht umsonst wird bereits über den Untergang erster Zeitungstitel gewettet.

Wie lässt sich unter diesen Vorbedingungen aber eine Zukunft des gedruckten Journalismus erhalten? Es gibt dazu mehrere Überlegungen. Drei davon möchte ich aufgreifen.

Warning!

Wenn ihr von weiteren Überlegungen zu diesem Thema gehört habt, lasst uns doch über die Kommentarfunktion daran teilhaben! Wie könnte aus eurer Sicht die Finanzierung des (Print-) Journalismus sichergestellt werden?

Die subventionierte Zeitung

Es ist ja nicht so, dass die Leser aufhören Nachrichten zu konsumieren, weil sie keine Zeitung mehr kaufen. Sie wandern ins Digitale ab und dort fehlt noch das Patentrezept zum Geldverdienen. Daher könnte es langfristig knapp werden mit dem Geld für Journalismus und für notwendigen investigativen Journalismus. Wird Journalismus als Text zum meritorischen Gut?

Wenn der Markt die Informationsaufbereitung nicht mehr finanzieren kann, sind andere Wege notwendig. Soll etwa der Staat einspringen? Genau das sollte jedoch nach den Erfahrungen während der NS-Diktatur vermieden werden. Wenn der Journalismus vom Staat abhängig ist, dauert es nicht lange bis der Staat der Versuchung erliegt, Einfluss auf die Presse zu nehmen. Dann wären wir nicht mehr Journalisten.

Null Prozent für Journalismus

Nach welchen Kriterien könnte eine Subventionierung dennoch funktionieren? Verleger fordern einen einfachen und möglicherweise effektiven Weg: Auf journalistische Medienprodukte sollte keine Mehrwertsteuer fällig werden – null Prozent für Journalismus.

Das wäre ein Novum. Bisher sind im Mehrwertsteuersystem Vergünstigungen nur über den 7 % Steuersatz geregelt. Aber wäre eine 0%-Regelung eine einseitige Bevorteilung der Zeitungsverlage? Es gibt schließlich auch noch genug Fernseh- und Radio-Sender, die gerne ebenfalls von einer Förderung profitieren würden.

Mehr Seiten, mehr Geld

Gehen wir einmal davon aus, dass ausschließlich Printprodukte gefördert werden sollen, da es den anderen Medien noch gut geht. Es gibt in Luxemburg ein interessantes Modell: Es gibt für alle Zeitungen einen gleichen Sockelbetrag. Ergänzend dazu gibt es Unterstützung, die im Verhältnis zur Seitenzahl an die einzelnen Blätter verteilt wird. Dies geschieht dann aber ohne Rücksicht auf die Auflagenhöhe, damit auch kleinere Blätter davon profitieren.

Das ist ein spannender Ansatz, der gewählt wurde, weil in Luxemburg nicht nur die eigene Presse den Markt erreichen will, sondern auch die ausländische Presse auf den Markt drängt. Aber wie könnte sich ein solches Modell in der Praxis auswirken? Wenn Zeitungsverlage einen Geldbetrag bekommen, dessen Höhe von der Seitenzahl abhängig ist, wird der Selektion von Nachrichten weniger Wichtigkeit eingeräumt. Vermutlich steigt etwa die Menge der Kulturseiten an, obwohl hier verhältnismäßig eine geringere Lesequote besteht.

Die öffentlich-rechtliche Zeitung

Man sagt ja: Qualitätsjournalismus ist im Rundfunkbereich vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern verordnet. Wäre also eine öffentlich-rechtliche Zeitung eine Lösung? Das lässt sich nicht so einfach beantworten, denn das Problem liegt im System. Während der öffentlich-rechtliche Rundfunk geschaffen wurde, um Qualitätsjournalismus auf einem technisch begrenzten und finanziell sich kaum rentierenden Markt zu ermöglichen, war es bei den Zeitungsverlegern genau umgekehrt. Der Markt ließ eine Vielzahl unterschiedlicher Zeitungs- und Zeitschriftentitel zu.

Wenn heute eine öffentlich-rechtliche Zeitung eingeführt würde, dann hätte sie einen marktverdrängenden Charakter. Denn jeder Haushalt wäre automatisch Abonnent des neuen öffentlich-rechtlichen Mediums. Zum einen würde den Leuten auffallen, dass sie ein Zwangsabo haben, ohne dass sie die Zeitung abonniert hätten. Zum anderen schaffen es heute bereits die wenigsten Leute zwei Zeitungen pro Tag zu lesen, wenn sie nicht gerade ein berufliches Interesse daran haben.

Grundproblem nicht gelöst: Identifikation mit Zeitung fehlt

Für ein überregionales Zeitungsmodell wäre das deswegen eher nichts. Möglicherweise könnte es im Lokalen funktionieren, wo kleine und mittelständische Verleger Zeitungen aufgeben oder auf Samstags-Ausgaben reduzieren müssen, weil die Stammleserschaft ausstirbt. Das Grundproblem für den Rückgang der Zeitungskäufe und Abos bleibt jedoch bestehen. Die Identifikation mit dem Zeitungsmedium ist nicht mehr großflächig durch alle Altersgruppen der Gesellschaft vorhanden.

Warum eigentlich nicht diesen Punkt aufgreifen und eine Lösung dafür suchen? Die taz macht es in gewisser Weise mit dem Genossenschaftsmodell bereits vor. Zum einen gibt es die Möglichkeit für Zeitungsleser, die die Qualität eines Print-Mediums schätzen, mehr als den üblichen Preis zu bezahlen. Dadurch wird die Zeitung unterstützt und ein erster Schritt zum Erhalt dieser ist getan.

Leser zum Teilhaber der Zeitung machen

Hier könnten Zeitungsverleger noch weiter gehen. Solchen Abonnenten können Premium-Angebote angeboten werden, die über kostenlosen Zugang zum Webangebot hinausgehen und nicht irgendwelche Werbegeschenke beinhalten. Den Leser zum Teilhaber der Zeitung zu machen, das würde die Identifikation mit dem Medium stärken.

So könnten sich die Premiumleser regelmäßig mit der Zeitungs- und Verlagsleitung treffen – etwa an einem Stammtisch – und nicht nur über Fehler, die in der Zeitung gemacht wurden, sprechen. Auch für die zukünftigen Schwerpunkte der Journalisten würden sich neue Ansätze finden lassen – das Motto: Ich schreibe als Journalist für meine Kollegen und nicht für die Leser, ist heute sowieso bereits überholt.

Important!

Hinweis

Der Autor absolviert derzeit ein Praktikum in einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt. Er beansprucht für sich jedoch, dass dies keinen Einfluss auf die Beiträge der Sommerserie hat. Vielmehr blickt Martin Krauß aus der Sicht eines angehenden Journalisten auf seinen zukünftigen Arbeitsmarkt. Zudem hat er bereits ebenfalls Praktika bei einer Lokalzeitung und im privaten Rundfunk absolviert.

Die Beiträge der Sommerserie sind stets auch als analytische Beiträge zu sehen, in denen die Meinung des Autoren zum jeweiligen Thema enthalten ist.

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Über den Autor

Martin Krauß

In der Landkreisredaktion des Darmstädter Echo, den regionalen Fernsehnachrichten 17.30 Sat.1 Live, dem Wissensmagazin Planetopia und nicht zu letzt in der heute.de-Redaktion sammelte Martin Praxiserfahrung. Er studiert seit Herbst 2010 an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und gehört seit Oktober 2011 fest zum Team von YOUdaz Media. Martins Themenschwerpunkte sind Politik, Nachhaltigkeit, Medien und Netzwelt-Themen, sowie auch Kulturelles. Martin bloggt privat unter: blog.martinkrauss.eu, twittert unter @martin_krauss und google+t .

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