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Doping-Kontrollen in Deutschland: Wettkampfkontrollen pro Sportart seit 2004

Gestern hat die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) ihren Jahresbericht 2011 veröffentlicht. Darin ist auch erneut eine Auflistung aller durch die NADA durchgeführten Dopingkontrollen enthalten. Im folgenden Beitrag sollen die Trainingskontrollen im Fokus stehen, da für die Wettkampfkontrollen keine entsprechenden Zahlen vorliegen – hier werden nicht alle Kontrollen durch die NADA durchgeführt.

Schaut man sich die Gesamtzahl der Trainings-Kontrollen an, fällt auf, dass diese 2011 um 341 auf 7767 gesunken ist. 2010 lag die Zahl bei 8108, 2009 sogar bei 9040. Im Jahr 2008 wurden die Kontrollen drastisch erhöht, von 4871 im Jahr 2007 auf 8026 im Jahr 2008. Im vergangenen Jahr gab es also die geringste Zahl an Trainingskontrollen seit dem Ausbau der Kontrollen.

Auch die Anzahl an Blutkontrollen im Training ging zurück: Von 1359 im Jahr 2010 auf 1237 im Jahr 2011. Den Hochpunkt gab es auch hier 2009 mit 1715 Test.

Der Gesamtverlauf an Trainingskontrollen in Deutschland durch die NADA veranschaulicht folgende Grafik:

Hellblau steht für Urin-Proben, Dunkelblau für Bluttest. Die Grafik kann in einem interaktiven, größeren Format hier abgerufen werden.

Die NADA begründet den quantitativen Rückgang der Tests mit qualitativen Verbesserungen, vor allem in Hinblick auf die Individualisierung von Kontrollen. Sie schreibt: “Die zunehmende Individualisierung der Kontrolle ist mit einem hohen Aufwand verbunden und geht auf Kosten der Quantität. Dieser Trend ist aber unerlässlich, um den internationalen Entwicklungen bei der Planung von Trainingskontrollen gerecht zu werden.”

Die NADA sei bemüht, die begrenzten Finanzmittel möglichst effektiv einzusetzen. Dabei werde nach verschiedenen Risiko-Gruppen unterschieden und unter anderen auf Leistungssprünge und Wettkampf-Periodisierung geachtet. Die genaue Beschreibung lässt sich im Jahresbericht auf den Seiten 8 bis 11 nachlesen.

Dort schreiben die NADA-Verantwortlichen auch, dass die finanziellen Mittel zwischen den Sportarten abgewogen werden müssen. Es muss also durchaus entschieden werden, ob man lieber einen Leichtathleten oder einen Skiläufer testet – wobei dies sehr vereinfacht ausgedrückt ist, da die Tests zum Teil mit unterschiedlich großem Aufwand verbunden sind.

Trotzdem lohnt unter diesem Aspekt ein Blick auf die Kontrollen pro Sportart:

Grün steht für 2010, orange für 2011, ein Klick auf die Grafik öffnet sie in Originalgröße. Auch hier gibt es eine interaktive Variante, darin sind auch die Jahre 2009-2004 auswählbar.

In diesem Diagramm fällt auf, dass die Kontrollen nicht gleichmäßig verringert wurden. Vielmehr gibt es einige Sportarten, in denen die Anzahl an Test auch 2011 deutlich erhöht wurde, zum Beispiel Leichtathletik (von 932 auf 1027) oder vor allem Kanusport (von 377 auf 540) und Skisport (von 291 auf 488). Handball (von 287 auf 133), Feldhockey (von 294 auf 143) und Schlittensport (von 279 auf 140) sind jedoch Sportarten, in denen die Tests deutlich zurück gingen.

Zum Teil setzten sich damit Trends fort, aber auch nicht immer: In der Leichtathletik zum Beispiel werden seit 2008 jährlich mehr Tests durchgeführt. Zuvor jedoch wurde die Zahl der Kontrollen von 2004 bis 2007 jeweils reduziert. Allgemein lässt sich festhalten, dass seit 2008 die Anzahl der Tests deutlich erhöht wurde mehr Bewegung in der Testintensität unter den Sportarten festzustellen ist. Den genauen Verlauf der Gesamtzahl an Dopingkontrollen pro Sportart seit 2004 zeigt diese Grafik:

Auch hier empfiehlt sich eine genauere Betrachtung in der interaktiven Form des Diagramms, in dem die Sportarten auch einzeln ausgewählt und verglichen werden können.

Auch lohnenswert ist ein Blick auf die Anzahl der Bluttests. Immerhin kann nicht jedes Dopingmittel im Urin nachgewiesen werden. Hier der Vergleich der Bluttests im Training 2010 und 2011 nach Sportart:

Hellgrün steht für 2010, das dunklere Grün für 2011. Erneut sei auf die interaktive Form verwiesen, worin auch die Jahre 2009-2007 enthalten sind.

Bei den Bluttest fällt auf: Gerade in den Sportarten Eisschnelllauf (von 154 auf 75) und Radsport (von 287 auf 183) ist die Zahl der Blutkontrollen im Training zurückgegangen. Dabei sind beide Disziplinen in den Medien mit Negativschlagzeilen in Sachen Doping vertreten.

Zu guter Letzt noch auch für die Blutproben im Training ein Verlaufsdiagramm:

Die interaktive Form findet sich hier.

Die Analysen in diesem Beitrag kratzen freilich nur an der Oberfläche. Die Grafiken und Zahlen sollen aber vielmehr Interessierten helfen, tiefer in die Materie einzusteigen und Ansatzpunkte für eine weitere Recherche zu finden. Ich würde mich freuen, wenn der Thematik weiter nachgegangen wird.

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Über den Autor

Andreas Grieß

Andreas lebt in Hamburg und ist dort als freier Online- und Medienjournalist tätig. Zuvor hat er von 2008 bis Juli 2012 an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus studiert. In seinem Praxissemester war er bei Spiegel Online und taz.de aktiv. Andreas ist Gründer von YOUdaz.com. Homepage: www.andreasgriess.de Twitter: @youdaz

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