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Grimme Online Award: Ausgezeichnete Qualität auf finanziell dünnen Beinen

Gestern wurden die diesjährigen Preisträger der Grimme Online Awards bekannt gegeben. Sie (und die weiteren Nominierten) haben hervorragende online-journalistische Formate veröffentlicht. Zum Teil bedienen sie sich einfachster Mittel (ein Text-Blog etwa), zum Teil nutzen sie innovative Formate, wie das ausgezeichnete Amazonien (oder die leer ausgegangenen datenjournalistischen Werke).

Was aber fast alle Preisträger gemein haben: Glänzen sie auch noch so sehr auf der journalistischen Seite, die andere Seite der Medaille, die unternehmerische, ist eher matt. Von den neun Preisträgern stehen mindestens fünf finanziell auf dünnen Beinen.

Auf die Schnelle war es natürlich nicht möglich, bei jedem der Preisträger tief in die Bilanz zu blicken. Ein Blick auf die Angebote offenbart jedoch, dass drei öffentlich finanziert sind (durch Rundfunk-Gebühren und / oder Steuergelder), zwei zumindest zum Teil von Spenden abhängig sind und zwei ohne Refinanzierung-Konzept auftreten. Im Fall der berlinfolgen von 2470media und taz gibt es den Versuch, einen Teil über Crowdfunding zu finanzieren, was bislang nicht ausreichend gelungen ist. Darüber habe ich bereits im April berichtet. Vielleicht bringt der Grimme Online Award den nötigen Schub, die Finanzierung doch noch sicher zu stellen.

Geschäftsmodell: Zulieferer

Hier könnte man natürlich einwenden, dass 2470media durchaus ein klares Finanzierungskonzept hat: Sie verkaufen ihre Episoden oder zumindest ihre Arbeit daran an die taz. Dies würde jedoch nur dann in Gänze gelten, wenn die taz das Projekt auf jeden Fall weiter finanzieren könnte beziehungsweise wollte oder die berlinfolgen alternativ bei einem anderen Abnehmer weiter laufen würden.

Das Konzept Weiterverkauf der eigenen Leistung ist aber dennoch beachtenswert. Unter den Preisträgern wartet auch 140 Sekunden damit auf, da die Episoden auch im Rahmen des Elektrischen Reporters auf ZDFinfo laufen, wofür die Macher sicherlich bezahlt werden. Hier könnte man natürlich betonen, dass eine Bezahlung durch das ZDF indirekt auch eine Finanzierung über öffentliche Gelder, sprich Rundfunk-Gebühren bedeutet.

Betrachtet man die Nominierten, stellt man fest: Im Online-Journalismus hat sich ein Markt für Zulieferer entwickelt. 140 Sekunden und die berlinfolgen sind Beispiele hierfür, aber auch die nominierten Angebote Zugmonitor und Parteispenden-Watch von OpenDataCity, die auf sueddeutsche.de bzw. taz.de publiziert wurden.

Wie wäre es mit einer neuen Award-Kategorie?

Doch was, wenn die Redaktionen, die aktuell als Kunden auftreten, sich das Know-How selbst in die Redaktionen holen? Dann könnte dieser Markt zum Teil wieder verschwinden. Es bleibt also festzustellen, dass sogar im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Qualität im Netz finanziell auf dünnen Beinen steht.

Die öffentliche Finanzierung ist die solideste, könnte vor Gericht oder per Gesetz aber zurückgefahren werden (das Musterbeispiel tagesschau-App bekam bezeichnender Weise den Publikumspreis). Wie sicher die Finanzierung durch Anzeigen oder Spenden bei unabhängigen Projekten ist, muss man sicher individuell bewerten.

Es bleibt zu hoffen, dass es weiter Abnehmer gibt, die die Finanzierung innovativer Formate ermöglichen. Mit reinen Eigenleistungen waren die großen privatwirtschaftlichen Verlage in diesem Jahr kaum vertreten. Vielleicht ist es Zeit für eine weitere Kategorie beim Grimme Online Award: Für die Kategorie: Unternehmertum / Finanzierung. So viel Kreativität wie sie auf der journalistischen Ebene vorhanden ist, könnte auch auf der unternehmerischen Seite Freude machen.

Hier noch einmal die Übersicht der Preisträger inklusive Finanzierungsart. Sollten mir wider Erwartens Fehler unterlaufen sein, bitte ich darauf hinzuweisen.

 

Kategorie Preisträger Anbieter Finanzierungsart
Information MiGAZIN MiGAZIN Spenden/Werbung
Information Zukunft Mobilität Martin Randelhoff ohne
Wissen/Bildung Amazonien ARTE öffentlich finanziert (GEZ)
Wissen/Bildung Lobbypedia LobbyControl e.V. Spenden (Verein)
Wissen/Bildung Musik Training Klaus Kauker / YouTube ohne (Querfinanzierung)
Kultur/Unterhaltung 140 Sekunden AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH (Holzbrinck) / Übertragung: ZDFinfo Verkauf an ElRep
Kultur/Unterhaltung berlinfolgen 2470media / taz Querfinanzierung durch taz / Crowdfunding
Spezial Memory Loops Stadt München / BR öffentlich finanziert
Publikumspreis (Information) Tagesschau-App NDR öffentlich finanziert (GEZ)

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Über den Autor

Andreas Grieß

Andreas lebt in Hamburg und ist dort als freier Online- und Medienjournalist tätig. Zuvor hat er von 2008 bis Juli 2012 an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus studiert. In seinem Praxissemester war er bei Spiegel Online und taz.de aktiv. Andreas ist Gründer von YOUdaz.com. Homepage: www.andreasgriess.de Twitter: @youdaz

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