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Droht der neuste Crowdfundig-Anlauf der taz zu scheitern?

Die taz ist in Deutschland das Vorzeigemodell, wenn es um die erfolgreiche Nutzung von Social Payment geht. Beim aktuellen Aufruf, freiwillige Einnahmen zu generieren zeichnet sich aber ein Scheitern ab.

Aber zunächst zurückblickend: Als bislang einzige große Zeitung (daneben ist noch der Freitag zu nennen) nutzt die taz Flattr und stieg damit sogar sehr früh ein. Mit „taz zahl ich“ kamen im April vergangenen Jahres weitere freiwillige Zahlmethoden hinzu, zum Beispiel via Paypal, Überweisung oder SMS. Zuletzt wurde dieses Konzept sogar auf die Möglichkeit von regelmäßigen Zahlungen ausgedehnt. Auch über Kachingle kann man die taz unterstützen, wenngleich dies nicht beworben wird. Korrektur (05.04.2012, 17:25 Uhr): An Kachingle nimmt taz.de nicht teil, wie mir von dort mitgeteilt wurde! (Erweiterung 20:00 Uhr) Seitens von Kachingle schreibt man jedoch, dass die taz die Einnahmen die via „Kachingle everything“ eingehen, also über die Möglichkeit, Seiten zu kachinglen, die nicht aktiv an Kachingle teilnehmen (wie YOUdaz), annimmt )siehe Kommentare).

Im Februar hat taz.de so alles zusammen genommen zusätzliche Einnahmen von über 3.500 Euro erzielt. Das ist in etwa ein Redakteur. Allgemein scheinen sich die Einnahmen zwischen 2.000 und 4.000 Euro einzupegeln, wie die von der taz veröffentlichten Zahlen zeigen. Seit April 2011 sind fast 40.000 Euro auf freiwilliger Basis eingegangen.

Einen etwa ein Drittel so hohen Betrag, nämlich 13.000 Euro, möchte die taz aktuell mit einem weiteren Finanzierungsaufruf zusammen bekommen. Es geht um das Geld für die zweite Staffel der „berlinfolgen“. Diese sind in Zusammenarbeit mit 2470 Media produzierte Audio-Slideshows (mit Videoelementen), in denen einfache Menschen aus Berlin portraitiert werden. Mit ihren unterschiedlichen Charakteren sollen sie auch Berlin selbst ein Stück weit portraitieren.

Etwa 50 Folgen war die erste Staffel lang, mit der zweiten will man auf 100 kommen. 26.000 Euro Kosten fallen laut taz an, wovon die Hälfte durch die Fans der Serie bezahlt werden soll, besagte 13.000 Euro. Diese sammelt man aber nicht wie bei taz-zahl-ich via Überweisung und Flattr ein, sondern über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Wie fast alle dieser Plattformen basiert Startnext auf dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Bedeutet: Wenn die benötigte Summe nicht im festgelegten Zeitraum zusammen kommt, wird das Geld an die Unterstützer zurück gezahlt.

Die taz schreibt zu ihrem Finanzierungsversuch:

Mit unserem Aufruf auf Startnext geht die taz wieder einmal einen neuen Weg: Es ist das erste Mal, dass in Deutschland ein journalistischen Format eines Verlages über solches Crowdfunding kofinanziert wird.

Aktuell sieht es aber danach aus, als würde der Versuch scheitern und das, obwohl der Link zum Finanzierungsaufruf zwischenzeitlich ganz oben auf der Startseite von taz.de platziert war. Noch weniger als zwei Monate läuft der Finanzierungszeitraum und in den bisher vergangenen ersten drei Wochen hat man gerade einmal 942 Euro zusammen bekommen. Nun kann es natürlich sein, dass der große Ansturm erst zum Schluss kommt. Bei der taz-zahl ich Kampagne jedoch gab es den größten Zahlungsstoß direkt zu Beginn, auch bei der Crowdfundig-Aktion für den Stromberg-Film waren gerade die ersten Tage stark. Außerdem gab es die 1-Jahr Feier der berlinfolgen bereits, bei der sicher viele Unterstützer da waren.

Wenn der Ansatz also scheitert, warum? Vielleicht fühlen sich die Nutzer bei taz.de mittlerweile zu sehr „angeschnorrt“. Neben taz-zahl ich und dem Finanzierungsaufruf für die berlinfolgen gab es gerade erst die Bitte, die Wochenzeitung/Regionalbeilage Kontext zu unterstützen.

In den Leser-Kommentaren zeichnet sich noch ein anderes Problem ab: So gut die berlinfolgen auch sein mögen –sie sind sehr regional, auch wenn sie sich nicht nur an Berliner richten. Unter dem Finanzierungsaufruf gibt es zwei Leserkommentare, die genau darauf hinweisen. In den einen Kommentar heißt es:

Für eine überregionale Tageszeitung (und vermutlich auch Website), die die taz ja nun mal sein will, scheint mir dieses Berlin-zentrierte Gehabe ohnehin sehr fragwürdig.

Somit könnten beide derzeit mit der Finanzierung Probleme habende taz-Projekte, die berlinfolgen und Kontext, ein Indikator dafür sein, dass Crowdfunding für regionale Projekte, oder zumindest Projekte mit starkem regionalem Bezug, nicht funktioniert.

Kennt jemand Gegenbeispiele, also erfolgreiche regionale Projekte, die über Crowdfunding finanziert wurden?

Journalistisch wäre es schade, wenn solche Projekte zumindest derzeit und zumindest über die bekannten Plattformen, nicht finanziert werden könnten. Und auch für das Projekt berlinfolgen wäre es schade, direkt aus zwei Gründen. Erstens, weil sie internetgerechtes Storytelling in eine sonst immer noch sehr textlastige Branche bringen. Und zweitens weil mit 2470 Media ein sehr mutiges und innovatives Unternehmen (fast noch Startup) dahinter steht, welches etwas frischen Wind in die Landschaft bringt.

Vielleicht sollte man statt berlinfolgen deutschlandfolgen machen. Oder noch besser: griechenlandfolgen. Die Schicksale der Menschen hinter den Protesten dort mal näher gebracht zu bekommen, könnte der Debatte um Hilfen oder keine Hilfen und um berechtigte Streiks oder Jammern auf hohem Niveau wertvolle und journalistisch hoch interessante Aspekte und Informationen beisteuern. Ich könnte mir vorstellen, dass die Finanzierung dann auch besser laufen würde. Ich wäre zumindest dabei.

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Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

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