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Zeitungssterben und Zeitungsteuerung

Klaus Meier hat gestern auf seinem Blog einen interessanten, kurzweiligen Beitrag veröffentlicht. Darin sagt er den Tod der letzten Tageszeitung Deutschlands für 2034 voraus. Er schreibt:

Im Jahr 1992 waren es noch 26 Millionen verkaufte Tageszeitungen, 2002 23,2 Millionen (minus 11%) und 2011 nur noch 18,8 Millionen (minus 19%). Die Statistik sagt uns voraus: 2022 werden noch ca. 11 Millionen Exemplare verkauft – und 2034 ist dann Schluss.

Für seine Statistik hat er eine sehr vereinfachte Trendberechnung genutzt. Grafisch stellt sich diese wie folgt dar (Grafik: Prof. Dr. Klaus Meier):

Meier betont, dass diese Berechnung freilich keinen exakten Termin für die letzte gedruckte Zeitung in Deutschland voraussagen kann. So könnten sich die Randbedingungen bis dahin mehrfach dramatisch verändern, etwa durch “ein neues elektronisches Trägermedium”.

Außerdem lässt die Rechnung viele weitere Faktoren außen vor. So fällt zum Beispiel auf, das nur die Auflagen berechnet werden, nicht die tatsächlich verkauften Zeitungen oder die Zahl der Leser. Mich interessierte vor allem, wie sich der Preis im gleichen Zeitraum entwickelt hat. Zwar kann man keine seriösen Vorhersagen für den Verkaufspreis von Tageszeitungen in den Jahren 2013 bis 2034 machen. Die Kosten für die Konsumenten in den Jahren 1990 bis 2011 sind jedoch erhoben – vom Statistischem Bundesamt. Wie schon bei meiner Recherche zum Eisbergsalat bemühte ich den Verbraucherpreis-Index (VPI).

In diesem findet man sozusagen den Teuerungsfaktor. Das Statistische Bundesamt beschreibt den VPI wie folgt: “Der Verbraucherpreisindex für Deutschland misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden.” Das bedeutet, dass ein durchschnittlicher Wert für Haushalte erstellt wird, nicht für einzelne Abonnenten. Da gerade eine Zeitung (auch im Gegensatz zum Eisbergsalat) jedoch ein Gegenstand ist, der meist vom gesamten Haushalt genutzt wird, ist dieser Wert sogar besonders passend.

Betrachtet man die Zahlen, fällt auf, dass Zeitungen seit 1990 deutlich teurer geworden sind. Dabei macht es kaum einen Unterschied ob regional oder überregional, ob Einzelverkauf oder Abonnement:

(Blau: Tageszeitungen, Abo. Rot: Tageszeitungen (überregional), Abo. Gelb: Tageszeitungen, Einzelverkauf. Grün: Tageszeitungen (überregional), Einzelverkauf.)

Die Werte sind in Prozent, wobei der Preis von 2005 als Richtwert dient, sprich 100 Prozent entspricht. Das heißt also, dass die Kosten nicht zwangsläufig nah beieinander liegen müssen. Die Teuerung aber verläuft prozentual sehr ähnlich.

Im Übrigen sind auch Wochenzeitungen seit 1990 deutlich teurer geworden, wobei hier in den letzten fünf Jahren vor allem der Preis für Abonnements stieg:

(Blau: Wochenzeitung, Abo. Rot: Wochenzeitung, Einzelverkauf)

Nun kann, nein muss, man natürlich die Frage nach Henne und Ei stellen: Steigen die Preise, weil die Leser und Anzeigekunden wegbrechen oder sinken die Verkaufszahlen, weil der Preis steigt? Es liegt nahe zu vermuten, dass beides der Fall ist. In den meisten Diskussionen wird aber vor allem der Zwang zur Preissteigerung thematisiert – und gleichzeitig die “Kostenlosmentalität” im Internet kritisiert. Dabei zeigt zum Beispiel die taz, dass Leser durchaus auch freiwillig zahlen (wenn auch nicht genug, um die Kosten zu decken).

Die Preissteigerungen, die der VPI abbildet, haben mich in dieser Dimension überrascht. Vielleicht sollte man sich fragen, ob die beklagte Kostenlosmentalität nicht auch dadurch anerzogen wird. Wenn die Schere zwischen kostenlos und Preis für die Zeitung so weit auseinander driftet, wird die Entscheidung, eine Zeitung abzubestellen immer leichter. Ob der andere Weg ökonomisch sinnvoller sein könnte: Den Preis senken, um wieder mehr Leser zu erreichen?

Quelle und Copyright der Daten in den Grafiken 2 und 3: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2012

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Über den Autor

Andreas Grieß

Andreas lebt in Hamburg und ist dort als freier Online- und Medienjournalist tätig. Zuvor hat er von 2008 bis Juli 2012 an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus studiert. In seinem Praxissemester war er bei Spiegel Online und taz.de aktiv. Andreas ist Gründer von YOUdaz.com. Homepage: www.andreasgriess.de Twitter: @youdaz

3 Kommentare

2 Pings

  1. vera

    Man könnte ja auch mal, furchtlos und verwegen, flattr großflächig ausprobieren. Aber: Lerne lieber klagen, ohne zu leiden.

  2. Maik

    Das ganze macht allerdings nur Sinn, wenn man auch eine Vergleichsgröße hat. Was sagt mir denn die 20% Preissteigerung 2010 ggü 2005? Nix, außer dass es um 20% teurer wurde. Alles im Leben wird teurer, im Schnitt mit 2-3% pro Jahr. Z.T. können die Preissteigerungen auch die “normale” Inflation widerspiegeln und haben nichts mit einem Zusammenhang Preis und Anzahl Kunden zu tun. Und wenn man sich den VPI mal anschaut, dann ist zumindest die Hälfte darauf zurückzuführen: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Basisdaten/Content100/vpi101a.psml

  3. Andreas Grieß

    Insgesamt liegt der Wert 2011 bei 110,7 Prozent.

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