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Diskurs: Internet-Kurzsprint des Deutschlandfunks

Öffentlich-Rechtliche im Internet: Das bedeutet Entscheidungsprozesse in Marathon-Länge. Dies ist zumindest das Bild, das Außenstehende im Kopf haben – meist zurecht. Bei Diskurs@Deutschlandfunk soll es anders gewesen sein. “Das Projekt ist sehr schnell entstanden”, sagt Markus Heidmeier, Projektleiter des Portals. Zwischen den Vorbereitungen und der Realisierung des Portals seien nur wenige Wochen vergangen.

Diskurs@Deutschlandfunk ist der Versuch die Themen der DLF-Jubiläumskonferenz “Der Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt” mit einem breiteren Publikum zu diskutieren. Die Konferenz “war eine Veranstaltung auf der wir viele Fragen gestellt haben, ohne dass wir ausreichende Antworten bekommen haben”, erklärte Willi Steul, Intendant des Deutschlandfunks, zu Beginn der Kick-off Veranstaltung in Berlin. Er ist überzeugt: “Wer heutzutage behauptet, er weiß, wie sich die Kommunikation und die Massenkommunikation über die modernen Medien entwickelt, lügt. Es gibt keine Antwort.“

Mit Diskurs@Deutschlandfunk wollen sich die Deutschlandradio – Sender den Herausforderungen der Zukunft stellen. Der Programmdirektor des Deutschlandradios, Andreas-Peter Weber, erklärt in einem Videointerview zum Start des Portals: “Wir müssen uns auch Gedanken darüber machen: Wie erreichen wir Personen in einem Zeitalter, in dem eben das Radio kein klassisches Medium mehr ist, was jeder automatisch hört.”

Erfolgreich kann das neue Debattenportal jedoch nur sein, wenn der Deutschlandfunk damit nicht die Lösung für die eigene Arbeit im Internet suchen will. Webers Hoffnung, Erfahrungswerte sammeln zu können ist nachvollziehbar. Es ist auch legitim, dass er wissen will, ob das Debattenportal von den Hörern akzeptiert wird. Der Deutschlandfunk muss jedoch aufpassen nicht zu vorsichtig zu agieren.

Ein Portal bringt noch keine eigene Rolle im Netz

Die derzeit auf Diskurs@Deutschlandfunk verfügbaren Videos wurden Anfang Januar auf der Jubiläumskonferenz aufgezeichnet. In der Netzszene sind die Debatten darüber, wie das Internet den Journalismus verändert, jedoch fast schon überholt. Die Suche nach der eigenen Rolle im Internet kann nicht allein durch ein Portal erfolgreich sein.

ACTA, Datenschutz und die Datengier von Facebook und Google sind die aktuell prägenden Themen im Netz und sollten es auch im Journalismus sein. Deren Auswirkungen auf die Internetnutzer und somit auch auf die Arbeit von Journalisten sind es wert diskutiert zu werden. Der Deutschlandfunk hat im Januar zumindest angekündigt auch über eDemocracy, Open Data und Open Government diskutieren zu wollen – wenn diese Themen bereits bald angegangen werden, kann Diskurs@Deutschlanfunk ein Erfolg werden.

Auch die Einladung an Carta-Autor Matthias Schwenk einen Beitrag für das Portal zu schreiben, in dem er seine geäußerte Kritik noch einmal aufgreift, zeigt eine für die Öffentlich-Rechtlichen ungewohnte Offenheit.

Mit Frauen gegen einen drohenden Shitstorm

Das Portal krankt derzeit noch daran, dass es vor allem Beiträge von Männern aus der Politik, dem Journalismus und der Medienbranche anbietet. Markus Heidmeier versuchte während der Kick-off Veranstaltung in Berlin zu beruhigen: “Bevor jetzt ein gewaltiger Shitstorm über die Macher der Seite niederregnet: Wir haben bereits mit mehreren Autorinnen über Debattenbeiträge verhandelt.”

Als Gastautorin wurde unter anderem Jeanette Hofmann, Gründungsdirektorin des Institut Internet und Gesellschaft, gewonnen. Matthias Schwenk kann also getrost seinen Gastbeitrag schreiben, ohne dem Portal als weiterer männlicher Autor zu schaden.

Den Verantwortlichen in Köln und Berlin bleibt zu wünschen, dass Diskurs@Deutschlandfunk ein Erfolg wird. Die Offenheit für neue Beiträge und für Kritik, zeigt, dass der Diskurs ernst gemeint ist.

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Autor:

Martin arbeitet als freier Journalist, ist studierter Online-Journalist (B. A.) und beschäftigt sich im Masterstudiengang Medienentwicklung mit der Konzeption von Medien sowie mit der Anpassung von Redaktionsstrukturen. Die Zukunft der Medienlandschaft und des Journalismus gehören zu seinen Interessengebieten, so auch die Integration sozialer Medien in journalistischen Redaktionen. Martin arbeitet seit Oktober 2011 für YOUdaz Media.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Diskurs@Deutschlandfunk: Meinung erwünscht | Out of Messel

  2. Hallo Zusammen,
    ich darf kurz aus og. Artikel zitieren: „…Webers Hoffnung, Erfahrungswerte sammeln zu können ist nachvollziehbar. Es ist auch legitim, dass er wissen will, ob das Debattenportal von den Hörern akzeptiert wird.“ Zitat Ende.
    Hier das Feedback eines Hörers: Ich habe den Diskurs als Chance gesehen, etc. und mich umfangreich mit zahlreichen Beiträgen eingebracht. Die Resonanz war leider so spärlich, dass ich nach einer üppig bemessenen Wartezeit, die ich den Redakteuren fürs Feedback zugestehen wollte, den Diskurs als gescheitert ansehen musste. Das habe ich dann auch am 03.März dort notiert, was mit einer arroganten Antwort von redaktioneller Seite abgetan wurde, wo eine Entschuldigung angebracht gewesen wäre. Am besten man schaut sich einmal selbst auf den Seiten um. Wer die Beiträge und Antworten liest und die Datumseinträge beachtet, der wird gegebenfalls feststellen, was ich meine. Empathie ist das Zauberwort: Versetzen Sie sich mal in Ihre Zielgruppe, die angeblich im Focus liegt. Hier haben ein paar Leute bei einem Projekt Geld verdient, viel mehr ist nicht passiert. Aber ok – Versuch macht klug. Ich habe ja auch etwas gelernt: Es war naiv zu glauben, dass es da mal anders läuft.
    MfG
    Thomas Ermentrud
    Z.B.:
    http://diskurs.dradio.de/2012/02/24/medien-mussen-in-netztechnologien-investieren-oder-it-konzerne-werden-in-zukunft-die-gesellschaftlichen-debatten-organisieren/

    oder: http://diskurs.dradio.de/mitmachen/

    oder: http://diskurs.dradio.de/2012/02/20/wie-wird-aus-meinungsvielfalt-demokratie-die-perspektive-eines-praktikers/

    oder: http://diskurs.dradio.de/2012/02/17/digitale-partizipation-ist-auf-europaischer-ebene-fast-unmoglich/

    Antworten

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