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Geschichten, die 2011 gestorben sind

Journalistische Recherche bedeutet nicht immer, dass an deren Ende eine Geschichte steht. Das ist mitunter einer der Gründe, weshalb klamme Verlage immer weniger dazu bereit sind, fest angestellten Redakteuren viel Zeit für tiefgehende Recherchen zur Verfügung zu stellen. Wenn nichts dabei raus kommt, hat sich diese Investition für den Verlag nämlich nicht gelohnt.

Zum Glück liegt es den meisten Journalisten trotzdem im Blut, zu recherchieren. So auch uns. Und auch bei uns kam nicht immer hinten etwas heraus. Abgeschreckt davon, weiter zu machen, hat es uns nicht. An dieser Stelle möchte ich exemplarisch einen kleinen Blick in die “Vertagt”-Schublade ermöglichen: Geschichten an denen ich 2011 für YOUdaz dran war, bei denen aber nichts oder zumindest noch nichts herauskam.

Wie viel ist ein Leser wert online/offline?

Im Februar berichtete Konrad Lischka auf Spiegel Online wie viel Firmen pro User online verdienen. Gemeinsam mit einem Kollegen wollte ich, in Anlehnung an einen Carta-Artikel von Wolfgang Michal einen Vergleich anstellen: Wie viel verdient eine Zeitung oder eine Zeitschrift an einem User, sprich Leser? Unser Ansatzpunkt war zuerst der Tausender-Kontaktpreis von Anzeigen. Aber welche Anzeige-Größe überhaupt? Schnell wurde uns zudem klar: In einer Zeitung stecken viele Anzeigen, aber nicht immer gleich viele. Um also wirklich an vergleichbare Zahlen zu den Online-Angeboten zu kommen, wäre es nötig gewesen, nicht von den Anzeige-Preisen auszugehen. Wir hätten also einen Blick in die Bilanzen werfen dürfen müssen. Außerdem werden Print-Produkte als Komplett-Pakete angesehen, während Online-Auftritte nur in Teilen konsumiert werden.

Ein klarer Fall von: Schöne Idee, aber komplizierter als beim Mittagessen gedacht. Bei Zeiten werden wir uns aber vielleicht mal wieder dran setzen. Für Vorschläge sind wir offen.

Zongo-Limone

Nachdem Sascha Lobo sich über PR-Leute aufregte und dabei kurzerhand Zongo-Limone erfand, nahm dieses Mem schnell seine Bahnen im Internet. Der dazugehörige Twitter-Account zwitscherte drauf los und schnell gab es auch eine Homepage, die das fiktive Produkt bewarb. Diese (nicht der Twitter-Account, der von jemand anderem betrieben wurde) gehört laut Impressum einer Person, die laut CSU-Homepage Mitglied der Christsozialen ist. Da Unionspolitiker sich im Netz bisweilen eher unbeliebt gemacht hatten, dachte ich: Schöner Kontrast und fragte an, ob der Herr mir ein kleines Interview geben würde. Wäre doch sicher interessant, wer dahinter steckt und zu sehen, dass es nicht nur bierernste Unions-Politiker gibt.

Eine Antwort per e-mail bekam ich schnell, aber keine ernsthafte Interview Zusage. Mir wurde gesagt, ich solle mich stattdessen doch besser zurücklehnen und ein Zongo Limone genießen. Die E-Mail war im übertriebensten PR-Sülz geschrieben und ich fand die Nachricht abwechselnd witzig, verrückt oder frech. So stellte man mir die Gegenfrage, warum mich die Parteizugehörigkeit überrasche („Glauben Sie, Unionsmitgliedern wäre der erfrischend-herbe und fruchtig-intensive Geschmack dieses einzigartigen Produktes nicht auch die eine oder andere Spendengeldaffäre wert?“). CSU-Politiker sei die Person übrigens ohnehin nicht mehr. Warum wurde mir aber leider nicht mehr beantwortet.

Wie bereits angedeutet, wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder amüsieren sollte. Ich entschied mich jedenfalls, die Sache nicht weiter zu verfolgen. Ein ernsthaftes Interview-Interesse schien nicht zu bestehen und wichtig ist die Sache ja auch nicht.

Mapping the Root-Beer

Als Teil-Kanadier bin ich Fan von Root Beer (wer das Getränk nicht kennt, möge sich kurz den entsprechenden Wikipedia-Eintrag anschauen). Leider ist es in Deutschland nur sehr schwer zu bekommen. Wie mir bekannt ist, gibt es Root Beer jedoch in einigen ausgewählten Edeka-Geschäften. Um Leuten, die ähnlich ticken wie ich eine Freude zu machen, wollte ich eine Karte machen, auf denen die Standorte eingezeichnet sind, bei denen Root Beer erhältlich ist. Ich kenne zwei Import-Läden. Dazu sollten besagte Edeka kommen und mit Hilfe informierter User hätte ich die Karte auch immer wieder aktualisieren, im Sinne von erweitern, können.

Also schrieb ich Edeka an und hoffte, recht unkompliziert eine Liste der mit Root Beer bestückten Filialen zu erhalten. Die bekam ich jedoch leider nicht. Der Grund: “Die Produkte werden regional von den zuständigen Großhandelsgesellschaften der Märkte eingestellt.” An diese wurde ich demnach auch weiter verwiesen. Das sind sieben an der Zahl, wovon leider auch nicht alle e-mail Adressen haben. Was schnell gehen sollte braucht wohl also doch etwas länger. Aber die Sache wird 2012 noch ml angegangen.

Und sonst so

Wie den genannten Geschichten ging es auch einigen anderen. Auch im noch jungen Jahr zeichnen sich beim ein oder anderen Projekt Dinge ab, die Mehrarbeit bedeuten. Aber: So ist das Leben, vor allem das Journalisten-Leben. Und das Gute ist: Auch wenn vielleicht mal kein Text, kein Video oder keine Karte dabei heraus kommt – etwas Neues gelernt und erfahren hat man trotzdem. Und das macht diesen Job zu einem unterm Strich doch sehr schönen!

 

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Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zu Zongo_Limone eine Anmerkung: Ich hatte ebenfalls an der Geschichte recherchiert (und auch darüber geschrieben: http://www.berliner-zeitung.de/medien/kolumne-cholesterinfreie-brause-mit-w-lan,10809188,11184258.html) – Ergebnis: Der “Erfinder” des Twitteraccounts hat nichts mit demjenigen zu tun, der die Webseite erstellt hat.

    Die ursprüngliche Idee stammt von Thilo Specht, die Homepage hat dann in der Tat ein ehemaliges Mitglied der JU gebastelt, die Beiden haben aber nie miteinander gesprochen und sich nicht abgestimmt. Hier der “Insiderbericht” von Thilo: http://cluetrainpr.de/index.php/die-zongo-limone-story-ein-insiderbericht/

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  2. Jap, das Twitter-Account und Homepage nicht zusammen gehör(t)en, wurde mir auch gesagt. Hab ich oben den EIndruck erweckt, dass?
    Danke für deine Links.

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    • Das nicht – aber du hast zumindest auch nicht ausdrücklich geschrieben, dass die Beiden nicht zusammengehören. Da war ich mir einfach nicht sicher, wie dein Kenntnisstand ist und wollte möglichen Missverständnissen vorbeugen. Außerdem hatte ich Angst, dass bei Lesern der Eindruck entstehen könnte, der (ziemlich!) lustige Twitter-Account sei auf dem Mist eines ehemaligen JUlers gewachsen ;-)

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  3. Pingback: Root Beer Map Berlin » YOUdaz.com

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