Kleine Fehler verzeiht nicht nur der liebe Gott sofort sondern auch der Radioäther. Radiojournalisten kennen den Spruch: “Das versendet sich!” Onlinejournalisten und Internetnutzer wissen: das Netz vergisst nichts (und vielleicht soll es das manchmal auch gar nicht
)….
Ob es die Macher des Youtube-Channels der Bundesregierung auch wissen? Mit einem – nennen wir es mal – schmissigen “Schnittwerk” aus altem Bildmaterial entstand das 1:37 Minutenstück, das offenbar als Werbung für den Youtube-Channel der Bundeswehr gedacht war. Seit der Abschaffung der Wehrpflicht kämpfen die Kameraden auch an der Social Media Front verstärkt um den Nachwuchs.
Die Polemik sei mir gegönnt: der Kampf wirkt auf mich ein wenig, wie der eines Teenagers, der seinen Stil sucht, um endlich bei Frauen zu landen
.
Dabei war der Teenager (Bundeswehr-Social-Media) in den vergangenen Wochen noch auf einem bemerkenswert guten Weg:
Doch nun kommt glatt “Mami” daher, entscheidet, dass das ja wohl alles nicht so richtig zu laufen scheint und verpasst dem Teenager mal ein Outfit, das besser ankommen soll:
Das Netz greift es natürlich auf, diskutiert und reibt sich an dem Video. Als sich auch einige Abgeordnete über die Machart echauffieren, verschwindet das Video wieder vom Youtube-Kanal.
Und da haben wir ihn: den handfesten Social Media Shitstorm, gleich mit fortgeschrittener Eskalationsstufe.
Bendler-Blogger Sascha Stoltenow erteilt sogleich eine Fernlehrstunde zum Thema Netzdynamik und stellt das Video im eigenen Kanal erneut online.
Zeitgleich ist dann auch Frau Merkel mit ihren Youtube-Aktivitäten “groß im Kommen” und hat endlich Antworten auf die Fragen, die der Netzgemeinde auf den Fingern brennen.
Mal ehrlich, liebes Bundespresseamt (?):
wenn DAS eine Social Media Kampagne sein soll, dann wirkt das Ganze ein wenig gekünstelt und erinnert mich stark an den Sparkassenwerbespot mit den Fähnchen. Youtube scheint bei euch momentan sehr angesagt zu sein – doch überlasst das Wedeln mit den Fähnchen doch den Kunden.
Auch, wenn es durchaus Resonanz auf die Veröffentlichung gibt: professionell schaut diese Kampagne nicht aus. Mein Eindruck: “Wer” hat offensichtlich wieder einmal nicht mit “Wem” geredet – und das lässt euch einfach nur unprofessionell wirken.
Schade, dass mit “diesem Internet” auf Regierungsebene immer noch Leute arbeiten, die es offensichtlich nicht leben (nutzen wäre zu schwach).




