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Linksverkehr KW 45/2011

Diese Woche geht es um Trends, digitalen Selbstmord und die Unterscheidung zwischen Blogger und Journalisten.

Selbstmord 2.0: Die Flucht aus Facebook

In diesem Leserartikel berichtet Aiko Kempen, wie ihm der Austritt aus Facebook zu mehr eigener, aktiver Entscheidungsfähigkeit verholfen hat. Er fühlt sich jetzt nicht mehr dem Zwang ausgeliefert, regelmäßig die Unmengen an Daten und Statusaktualisierungen lesen zu müssen. Im Vordergrund seiner Kritik stehen das gesunkene Niveau und die Inhaltslosigkeit der zahllosen Posts auf dieser Plattform.

Inga findet: Am Beispiel einiger Freunde wird mir deutlich, dass Kempen durchaus Recht hat mit seinem Gefühl, ohne Facebook etwas zu verpassen und dem Zwang ausgeliefert zu sein, es regelmäßig kontrollieren zu müssen. Aufgrund der vielen Zeit, die sie täglich damit zu brachten, entschlossen sie sich ihr Profil zu deaktivieren. Sie störte jedoch nur der Zeitaufwand. Inzwischen sind sie für eine Seminararbeit in das Netzwerk zurückgekehrt.
Martin meint: Der Information-Overflow killt irgendwann jeden, der versucht alles zu lesen. Ich selektiere deswegen und teile meine Freunde bei Facebook in Listen ein und bei Google+ in Kreise. So kann ich, wenn ich keine Zeit habe alles zu lesen, einfach die wichtigen Listen anklicken. Die Mitteilungen der anderen Listen bleiben bei mir dann eben ungelesen.
Der DJV protestiert gegen eine seltsame Empfehlung der Polizei. Demnach sollen sich Journalisten eine entsprechende Akkreditierung ausstellen lassen, wenn sie Ende des Monats über den Castor vor Ort berichten wollen.
Andreas denkt: Bitte was? Normal gibt es solche Akkreditierungsverfahren nur, wenn es begrenzte Plätze gibt, etwa bei Bundesliga-Spielen. Im Wendland wird jedoch genug Platz sein…

 

The Huffington Post bietet zu den Occupy Wallstreet Protesten eine neue Form der Berichterstattung an. Neben dem traditionellen Nachrichten-Artikel gibt es auch eine Art Live-Bloging mit kuratierten Tweets, Videos und Ausschnitten aus anderen Berichten. Wie dies umgesetzt wird analysiert das Nieman Journalism Lab.
Martin meint: Die traditionellen journalistischen Artikel sind weiterhin der Weg, um die Leser mit gut recherchierten Berichten zu versorgen. Das Live-Blogging hat zwar den Vorteil aktuell zu sein, die Quellen bleiben dabei jedoch oft ungeprüft. Der Journalist hat nur wenig Zeit die Aussagen von einzelnen Personen zu hinterfragen. Genau an dieser Stelle brauchen wir den traditionellen Journalismus weiterhin. Das Prinzip “Check and Double Check” hat also durchaus seine Berechtigung.
Die Kollegen von juiced.de haben in einem Skype-Interview mit Karrierebibel.de-Blogger Jochen Mai über die Unterscheidung zwischen Bloggern und Journalisten gesprochen. Weitere Themen des Interviews sind der Umgang (junger) Journalisten mit Social Media und die Frage, ob man mit Bloggen Geld verdienen kann.
Andreas findet: Technisch nett und kurzlebig gemachtes Interview. Jochen Mai äußert dabei interessante Gedanken, wenn auch keine, die man noch nie gehört hat.

Faz.net fällt bei den Klickzahlen hinter Zeit online zurück

Am dritten Oktober vollzog FAZ.Net einen umfangreichen Relaunch (Wir hatten darüber berichtet). Nach den aktuellen Abrufzahlen des IVW liegt faz.net damit jedoch erstmals hinter zeitonline und stern.de.

Martin denkt: Der Faz.net Relaunch war gewagt. Nach einem so umfassenden Designwechsel ist es normal, dass die Abrufzahlen erstmal in den Keller gehen. Jetzt muss sich aber zeigen, ob sich der Relaunch gelohnt hat. Wenn die Nutzerzahlen wieder ansteigen und faz.net stärker wird als vor dem Designwechsel, hat sich die Arbeit gelohnt.

Wer schreibt wo in die Wikipedia?

Netzpolitik stellt die Visualisierung der Wikipedia vor, die Mark Graham vom Oxford Internet Institute erstellt hat. Sie zeigt, aus welchen Ländern die Beiträge der jeweiligen Sprache kommen.
Andreas sagt: Englisch und Französisch – hier gibt es wenig Überraschungen. Dass die meisten persischsprachigen Texte jedoch aus Deutschland kommen, erstaunt mich. Die Visualisierung ist gut gemacht und auch die Darstellung ist top. Als Meldung ginge es auch, aber so kommt der Leser quasi selbst zur Erkenntnis. Deshalb finde ich die schlichte Form ohne viele Worte auf netzpolitik sogar stärker als die ausführlichere Originalversion.
Martin meint: Die Visualisierung von Social Media scheint gerade inn zu sein – aber nicht immer ist sie so aufschlussreich wie in Andreas Beispiel. Wenn wir aber schon bei den guten Visualisierungen sind, dann will ich noch mal an das New York Times Projekt Cascade  erinnern. Es zeigt die Entwicklung von Tweets in einer eindrucksvollen Animation.
Zum Abschluss bleibt mir noch der Bericht des Darmstädter Echos über das Bloggertreffen. Er ist nach mehreren Wochen jetzt endlich online. Wenn ihr über die Bloggertreffen auf dem Laufenden bleiben wollt, dann könnt ihr hier nachschauen.

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Über den Autor

Martin Krauß

In der Landkreisredaktion des Darmstädter Echo, den regionalen Fernsehnachrichten 17.30 Sat.1 Live, dem Wissensmagazin Planetopia und nicht zu letzt in der heute.de-Redaktion sammelte Martin Praxiserfahrung. Er studiert seit Herbst 2010 an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und gehört seit Oktober 2011 fest zum Team von YOUdaz Media. Martins Themenschwerpunkte sind Politik, Nachhaltigkeit, Medien und Netzwelt-Themen, sowie auch Kulturelles. Martin bloggt privat unter: blog.martinkrauss.eu, twittert unter @martin_krauss und google+t .

2 Kommentare

  1. JUICEDaniel

    Danke für die Verlinkung – sehr aufmerksam :) Was faz.net anbelangt: “Nach einem so umfassenden Designwechsel ist es normal, dass die Abrufzahlen erstmal in den Keller gehen.” – Das sehe ich andersrum. Normalerweise steigen die Besucherzahlen vorübergehend an, weil etliche User neugierig sind, wie das neue faz.net aussieht. Daher finde ich es überraschend, dass die Besucherzahlen jetzt schon in den Keller gegangen sind. (Oder ist es tatsächlich allgemein bei allen großen Newssites der Fall, dass die Besucherzahlen kurzfristig sinken?)

    1. Martin Krauß

      Naja. Es sind nicht die Abrufzahlen, die bei einem kompletten Designwechsel in den Keller gehen. Es ist vielmehr der Zuwachs an Abrufzahlen, welcher stagniert oder in den Negativbereich geht. Du hast natürlich Recht, dass in den Anfangstagen die Klickzahlen vorübergehend ansteigen, weil die User neugierig sind.
      Ein Relaunch, der so umfassend ist, bringt jedoch auch ein Problem mit sich: User, die die bisherige Site liebgewonnen haben, fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Sie vermissen Features und Tools, die sie bisher als selbstverständlich empfunden haben (siehe Kommentar unter der Kritik zum neuen faz.net Design). Außerdem erscheint ihnen eine veränderte Navigation schnell als unübersichtlich.
      Das dies alles nicht so sein muss, wie man es als User subjektiv empfindet, ist klar. Rein auf der psychologischen Ebene raten Fachleute, die im Bereich der Website Konzeption tätig sind, dazu: Lassen Sie bei einem Relaunch die Elemente einer Seite, die von den Usern stark frequentiert und als positiv empfunden werden, unverändert. Überarbeiten Sie diese Bereiche lieber behutsam (frei nach Jens Jacobsen).
      Bei faz.net erschien die Veränderung gerade in den ersten Tagen als so enorm, dass langjährige User nach der anfänglichen Neugier einer gewissen Ernüchterung erlagen (vgl. Reaktionen auf Twitter und Facebook), wenn es nicht zum Teil Enttäuschung war.
      Ist der Relaunch jedoch gelungen, gewöhnen sich die User an die neue Seite und lernen sie neu kennen. Somit steigen die Zuwachszahlen wieder an.
      Meiner Meinung nach steckt faz.net jetzt in dieser Phase.

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