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Kann man mit Datenjournalismus Geld verdienen?

Daten bekommen eine immer größere Bedeutung in unserer modernen Welt. Keine Woche vergeht mehr ohne einen Datenskandal. Mal sind es Hacker, die in die Netzwerke großer Unternehmen eindringen, mal Mobilfunkbetreiber, die Daten ihrer Nutzer speichern oder sogar die Polizei, die Handydaten von Demonstranten speichert und archiviert. Eins wird an der Fülle dieser Ereignisse deutlich: Daten sind wertvoll. Auch im Journalismus spielen Daten eine immer größere Rolle, die prominenteste Beispiele sind die Wikileaks-Enthüllungen über den Afghanistan- und den Irak-Krieg, datenjournalistisch aufbereitet von Spiegel, Guardian und Co. Aber lohnt solch ein Aufwand überhaupt, ist es möglich mit Datenjournalismus Geld zu verdienen?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten mit Daten im Journalismus Geld zu verdienen. Man kann Daten als Recherche-Grundlage nutzen und die entstehenden Geschichten verkaufen (wie z.B. bei unseren Bundesliga-Statistiken). Man kann Daten in einer Grafik oder Tabelle aufbereiten und diese dann an Zeitungen verkaufen, oder aber man nutzt Daten um neue journalistische Angebote zu entwickeln, ein Beispiel dazu später.

Die erste Datenjournalismus-Redaktion in Deutschland wurde 2007 von der dpa unter dem Namen DataReporting ins Leben berufen. Als Beispiel für ein gewinnbringendes datenjournalistisches Projekt taugt die Redaktion bis heute leider nicht. Erst Ende letzten Jahres musste die Redaktion verkleinert werden, die Nachfrage rechtfertigte den großen Aufwand nicht mehr. Seitdem produziert die Redaktion statt drei nur noch eine Geschichte die Woche, die immer aus den Rohdaten, einer Visualisierung – meist in Form einer Deutschlandkarte – und eines einordnenden Hintergrundberichtes besteht. Zeitungen können dieses Angebot abonnieren oder einzeln kaufen, doch die Nachfrage hält sich wie gesagt in Grenzen. Nur 10 kleinere Tageszeitungen haben ein Abonnement gekauft.

Data Reporting-Redakteurin Christina Elmer sieht die Gründe dafür vor allem in der großen Hemmschwelle von Journalisten, viele Redakteure „akzeptieren Tabellen und Grafiken nicht als Aufhänger einer Geschichte und unterschätzen ihre Relevanz“, sagt sie. Ein Problem ist ihrer Meinung nach aber auch das Image einer Nachrichtenagentur: „Die meisten Redakteure sind von dpa Texte gewohnt, die sie kopieren und einfügen können.“ (Das ganze Interview hier).

Ganz andere Ideen, wie es möglich ist mit Daten als Journalist oder Publizist Geld zu verdienen, hat der amerikanische Online-Journalismus-Professor Paul Bradshaw. Er sieht die Chance vor allem darin, Daten dazu zu nutzen um neue Angebote zu entwickeln, beziehungsweise alte Angebote zu personalisieren. Zum Beispiel könne man Nutzern die Möglichkeit geben, über Facebook einzelne Autoren oder Sportvereine zu „liken“, so dass diese dann nur noch Texte von bestimmten Autoren oder über bestimmte Sportvereine bekommen. Diese Daten könnten dann genutzt werden, um personalisierte Werbung zu verkaufen. Kennt man den eigenen Nutzer irgendwann so gut, dass man zum Beispiel Werbung für Familienautos nur Nutzern zukommen lassen kann, die an einem Familienauto interessiert sein könnten, kann man solche Werbung teurer verkaufen.

Ein Beispiel wie man aus Daten neue journalistische Angebote entwickeln kann ist die Plattform www.whatcouldicook.com, entstanden mit Daten des Guardian. Grundlage für die Entstehung dieser Seite ist „Open Platform“. Dort stellt der Guardian kostenlos Daten aus dem eigenen Archiv zur Verfügung, ausdrücklich auch zur kommerziellen Nutzung.

Im Falle von „WhatcouldIcook“ (WcIc) lief es folgendermaßen ab: Ein Nutzer holte sich aus der Guardian-Datenbank Rezepte und baute daraus eine Seite, auf der Nutzer nach Rezepten suchen können. Der Guardian kam dann auf den Entwickler zu und erstellte in Zusammenarbeit mit ihm eine MicroApp für die Guardian-Homepage. Auf diese Weise bekommt WcIc neue Nutzer über die Guardian-Homepage und WcIc verlinkt wiederum auf die Guardian-Seite. So ist es dem Guardian möglich „Nutzer zu erreichen, die wir sonst nicht erreichen würden“, wie es auf der “Open Platform” Homepage heißt.

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten mit Daten im Journalismus Geld zu verdienen, was noch fehlt ist der erste Herausgeber, der den Mut hat, sich mit seiner ganzen Kraft hinter ein datenjournalistisches Experiment zu schmeißen. Dazu siehe auch Paul Bradshaw im InPublishing Magazine.

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Über den Autor

Sebastian Eder

Sebastian beendete im Sommer 2012 sein Studium im Fach Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt mit dem Diplom. Er ist bereits seit den frühen Tagen bei YOUdaz dabei. Zur Zeit arbeitet er als freier Journalist unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Erfahrungen sammelte er auch in der Redaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

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