Suche
Suche Menü

Quo vadis, Flattr?

Seit April 2011 veröffentlichen wir hier bei YOUdaz die Flattr-Charts. Darin führen wir die 25 am meisten geflattrten Beiträge des jeweiligen Monats auf. Im vergangenen Jahr hat CARTA diese Statistik eingeführt. Das war im Juni. Wir blicken nun also auf ein Jahr Flattr-Charts zurück. Lässt sich eine Tendenz für den Dienst ableiten aus den Werten dieser Charts?

Visualisieren wir alle Charts sieht das wie folgt aus (jede Linie ein Monat. Y-Achse Anzahl der Flattr-Klicks pro Beitrag. X-Achse Platzierung, sprich 1-25):


Daraus lässt sich zunächst nicht viel ablesen. Der Verlauf von Platz zu Platz ist meist ähnlich gewesen. Merkliche Ausreißer gibt es nur auf den vorderen Plätzen, insbesondere in den Monaten November 2010 (mit dem bisher meistgeklickten Einzelartikel, einem Bericht von Ranga Yogeshwar bei taz.de), und Dezember 2010. Betrachtet man die Werte genauer, fällt aber auf, dass die Werte aus 2011 geringer sind, als die der 2010er-Charts und das, obwohl wir ab April 2011 auch die Podcasts mitzählen.

Besonders deutlich: Vergleichen wir unsere letzten Charts (Juni 2011) mit denen von vor einem Jahr (Juni 2010) sieht die Zukunft für Flattr eher schlecht aus:


Die Grafik zeigt ein durchgängig niedrigeres Niveau im Juni 2011, wo der Dienst noch nicht offen für alle war und gerade am Anfang stand. Nimmt man den April oder Mai dieses Jahres als Vergleichswert für den Juni 2010, ändert sich nicht viel am Ergebnis. Die drei von uns beobachteten Monate sind einander im Ergebnis sehr ähnlich:


Ist Flattr also gescheitert? Soweit kann man in der Analyse sicher nicht gehen. Denn es gibt auch einige Erklärungen für die tieferen Werte. Auch aus dem eigenen Nutzerverhalten lässt sich die Vermutung ziehen, dass in der Anfangsphase von Flattr häufiger geflattrt wurde. Der Dienst war einfach noch neu und spannend. Heute klickt man deutlich seltener.

Außerdem hat Flattr einige Änderungen eingeführt, die sich auf die Charts ausgewirkt haben könnten. So können zum Beispiel Nutzer direkt geflattrt werden. Wir beobachten, dass dies bei einigen – wenn auch wenigen Personen– stark genutzt wird. In eine ähnliche Richtung geht, dass große Player wie taz.de oder nNetzpolitik.org Button auf der Startseite anbieten, stellvertretend für das ganze Blog. Diese scheinen mittlerweile dem Nutzerverhalten vieler Flattr-User näher zu kommen, als noch in der Anfangszeit. Sie sind häufig die meist geklickten Buttons der jeweiligen Monate (in den Charts aber nicht berücksichtigt).(Frage: Sollten wir als YOUdaz.com auch einen solchen Button einführen?).

Taz.de hat bereits festgestellt, dass es durch den „Haupt“button weniger Klicks unter den Artikeln bekommt – die Einnahmen jedoch blieben stabil. So ist es auch zu erklären, dass in den letzten Flattr-Charts deutlich weniger taz.de-Texte vorkamen, als noch 2010. Mit CARTA ist ein weiterer regelmäßiger Gast der Charts im Pausemodus. Auch das ist spürbar. Neue Player sind derzeit noch nicht in Sicht oder nur kurzzeitig mal mit einem Post vertreten.

Und das wäre schon ein Kernproblem von Flattr: Die Charts bestehen weitestgehend immer aus den gleichen Blogs/Personen. Und fast alle waren schon bei den ersten Charts dabei. Mit anderen Worten: Flattr kann die kritische Masse an Produzenten (vor allem bekannten) zur Zeit wohl nicht steigern. Flattr betreibt zwar viel PR und Kommunikation in der Netzszene, auf Twitter und Facebook, sowie auf Konferenzen wie der re:publica oder dem Medienkongress der taz. Vielleicht sollten sich die Leute von Flattr jedoch in den kommenden Monaten mehr den Medienproduzenten widmen.

Fazit: Die Zahlen in den Charts sinken derzeit. Daraus kann man jedoch noch keinen Niedergang von Flattr herauslesen, denn auf der Einnahmenseite ist Flattr bei den großen Playern weitestgehend konstant. Die sinkenden Klickzahlen liegen vermutlich zu einem guten Teil am Nutzerverhalten. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Kritisch zu betrachten ist dennoch, dass es nur selten neuen Seiten gelingt, viele Flattr-Klicks auf sich ziehen. Diesen Monat könnte sich da etwas tun, aber warten wir ab, was bis zum 31. passiert (dann zu lesen bei uns). Auch die Nutzerzahlen – sowohl auf Produzenten als auch auf Geber-Seite – steigen nicht spürbar. Flattr ist weiterhin ein Nischenprodukt.

Was kann es tun um zu mehr zu werden? Es wäre schade, wenn es nicht gelingen sollte.

PS: Derzeit sind die Flattr-Spenden, die einzigen „Einnahmen“, die wir auf dieser Seite direkt haben. Im Mai waren das immerhin über 15 Euro, vergangenen Monat nur ein paar Cent.

Alle Flattr-Charts im Einzelnen: Auf YOUdaz (Seit April 2011). Auf CARTA.

Ähnliche Beiträge:

Autor:

Andreas ist überwiegend in Hamburg als Daten- und Medienjournalist tätig. Von Oktober 2008 bis Juli 2012 studierte er an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Andreas ist Gründer von YOUdaz und initiierte Elbmelancholie.de mit, dessen Redaktion er aktuell leitet. Er beschäftigt sich besonders mit Innovationen im Journalismus, Redaktionsmanagment und journalistischen Start-Ups.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich denke auch, dass das tröste Problem von Flattr die Akzeptanz der „Medienanbieter“ ist, in letzter Zeit war auf vielen Blogs zu lesen, dass sie Flattr aufgeben, weil es ihnen zu wenig Geld eingebracht hat. Was sie aber völlig außer Acht gelassen haben ist, dass sie selbst Teil des Systems sind und erstmal investieren müssen, sowohl mit Überzeugungsarbeit als auch mit einem eigenen Geldbeitrag. Erst so werden sich genügend weitere Leute finden und das ganze System sorgt für einen nennenswerten Umsatz.

    Antworten

  2. Pingback: Interview with Flattr Co-Founder Linus Olsson: “The web giants probably have plans for micropayments” [English] » YOUdaz.com

  3. Pingback: Interview mit Flattr Co-Gründer Linus Olsson: „Die Web-Riesen werden vermutlich Pläne für Micropayment haben“ [Deutsch] » YOUdaz.com

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Anti-Spam: Bitte diese kleine Rechnung lösen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.