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Interview mit Christina Elmer: “Viele Redakteure unterschätzen die Relevanz”

Christina Elmer bei ihrem Vortrag auf der Konferenz "Data Stories". Foto: Corinna Klingler

Vier Jahre ist es her, dass die Deutsche Presse-Agentur (dpa) sich auf ein neues Terrain vorwagte und die erste Datenjournalismus-Redaktion in Deutschland gründete. Zur Erfolgsgeschichte wurde DataReporting bis heute nicht. Warum das so ist, und ob eine Grafik wirklich schon Journalismus ist, darüber spricht dpa-Redakteurin Christina Elmer im YOUdaz-Interview.

Nach vier Jahren sieht die Bilanz der ersten deutschen Datenjournalismus-Redaktion eher durchwachsen aus. Nur 10 Regionalzeitungen nehmen Ihr Angebot wahr, letztes Jahr musste die Redaktion wegen der geringen Nachfrage verkleinert werden. Warum wird Ihr Angebot nicht angenommen?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Redakteure eine sehr hohe Hemmschwelle haben, sobald es um statistische und technische Angebote geht. Sie akzeptieren Tabellen und Grafiken nicht als Aufhänger einer Geschichte und unterschätzen ihre Relevanz. Es geht bei unseren Datensammlungen immer um Themen, die Menschen direkt betreffen. Vielen Journalisten ist dieser technische Zugang aber noch immer fremd, sie sehen sich als Schreiber und wollen mit Tabellen und Zahlen nichts zu tun haben.

Ist eine Datenjournalismus-Redaktion in einer Nachrichtenagentur sinnvoll aufgehoben?

Das Image einer Nachrichtenagentur ist ein Problem. Die meisten Redakteure sind von dpa Texte gewohnt, die sie kopieren und einfügen können. Wir liefern mit unserer Arbeit aber Denkanstöße, mit unserem Angebot muss man sich erst ein bisschen beschäftigen und die Erkenntnisse einordnen. Dafür fehlt meistens schlicht die Zeit in den Redaktionen. Ich bin trotzdem weiter zuversichtlich, dass unser Angebot in Zukunft besser angenommen wird. Natürlich stehen wir jetzt unter Druck. Der Welpenschutz für unserer Redaktion ist vorbei.

Ist es wirklich schon Journalismus aus Statistiken Grafiken und Tabellen zu erstellen?

Hinter jeder Grafik und jeder Tabelle steckt eine Idee: Welche Daten beziehe ich aufeinander und warum. Da fängt für mich die journalistische Arbeit an. Natürlich hört sie damit nicht auf. Die Erkenntnisse müssen eingeordnet und bewertet werden. Deswegen bieten wir zu unseren Tabellen immer noch einen Hintergrundbericht an. Der beschäftigt sich auch mit den Menschen, die hinter einer Statistik stehen. Wir beschreiben konkrete Fälle, lassen Betroffene oder Experten zu Wort kommen.

Aber haben dann die Grafiken für den Leser überhaupt noch einen Mehrwert? Sind sie nicht eher Recherche-Hintergrund für Journalisten und für die Leser ist dann vor allem der einordnende Text interessant?

Oft sprechen Grafiken eine viel deutlichere Sprache als ein Text, der doch immer noch mal eine Spur subjektiver ist als die Grafiken, die einfach nur die Fakten aufzeigen. Wenn man die technischen Möglichkeiten hat, dem Leser damit einen Einblick in die Grundlagen der Recherche zu gewähren, sollte man sie auch nutzen. Mein Eindruck ist, dass viele Tageszeitungen da noch zu vorsichtig sind. Sie sehen die extrem aufwendigen Umsetzungen vom Spiegel und vom Guardian zu sehr komplexen Themen und denken sich dann: Entweder müssen wir auch so gut sein, oder wir lassen es gleich. Und dann wird eben doch wieder nur der Text mit einem kleinen Bild abgedruckt oder ins Netz gestellt.

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Über den Autor

Sebastian Eder

Sebastian beendete im Sommer 2012 sein Studium im Fach Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt mit dem Diplom. Er ist bereits seit den frühen Tagen bei YOUdaz dabei. Zur Zeit arbeitet er als freier Journalist unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Erfahrungen sammelte er auch in der Redaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

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