„Als Medienjournalist bin ich ein Nestbeschmutzer“

Daniel Bouhs ist freier Medienjournalist in Berlin. Er arbeitet sowohl für Print und Online als auch für den Hörfunk. Zusätzlich verdient er sein Geld mit Schulungen für andere Journalisten. Im Interview mit Caro Lobig und Gesa Seidel spricht er über seine Spezialisierung im Journalismus und gibt jungen Kollegen Tipps.

Lobig & Seidel: Wie kamst du als Journalist zu deiner Spezialisierung?

Bouhs: Ich habe während des Studiums ganz klassisch bei einer Lokalzeitung in Mainz gearbeitet. Dort bin ich immer wieder auf ZDF-Termine geschickt worden, wie zum Beispiel zum Fernsehgarten. Dadurch sind Kontakte entstanden und es haben sich Mediengeschichten über den Sender und seine Gesichter entwickelt. Redakteure größerer Zeitungen wurden auf die Artikel in der Lokalzeitung aufmerksam und haben mich beauftragt, die Themen auch für sie aufzubereiten. So hat sich eine Geschichte durch die andere ergeben. Jedes Mal wenn ich im Sender war, hatte ich neue Themen dabei und so wurden Medien zu meinem Schwerpunkt.

Lobig & Seidel: Wie sieht deine tägliche Arbeit als Medienjournalist aus?

Daniel Bouhs, Foto: Jörg Wagner

Daniel Bouhs, Foto: Jörg Wagner

Bouhs: Das schöne am Medienjournalismus ist natürlich, dass ich mich mit einem Thema beschäftige, mit dem man sich als Mediennutzer sowieso beschäftigt. Einerseits überfliege ich jeden Tag die Medienseiten großer Zeitungen und andererseits kommen Medienunternehmen auch oft auf mich zu, wenn es Neuerungen gibt. Außerdem scanne ich natürlich das Netz. Auf Seiten wie Facebook oder Twitter schaue ich mir die für mich wichtigen Profile an. Zwei von fünf Geschichten fliegen mir so über die sozialen Netzwerke zu.

Lobig & Seidel: Und was ist mit fernsehen?

Bouhs: Ich schaue relativ viel Fernsehen, aber trotzdem weniger als der Durchschnittszuschauer. Der sieht nämlich knapp vier Stunden täglich fern. Ich schaue mir Sendungen gezielt an und nehme mir viel auf. Wenn ich übers Netz mitbekomme, dass es zu einer Sendung Aufreger gab, sehe ich sie mir im Nachhinein an, zum Beispiel Polit-Magazine und Talkshows. Ich vergleiche auch: Wie hat der Sender A das Thema aufbereitet, wie der Sender B? Die Übergänge zwischen beruflicher und privater Mediennutzung sind auf jeden Fall fließend.

Lobig & Seidel: Entstehen für dich Probleme dadurch, dass du über deine eigenen Kollegen schreibst?

Bouhs: Man ist als Medienjournalist natürlich immer der Nestbeschmutzer. Diese Art von Journalismus ist sowieso schizophren, man schreibt ja über die eigene Branche. Ansonsten habe ich dieselben Konflikte wie jeder andere Journalist auch. Also dass die Betroffenen nicht immer mit allem einverstanden sind, was man aufschreibt. Die Kritik ist hier vielleicht nur ein bisschen direkter, weil es eben die eigenen Kollegen sind.

Lobig & Seidel: Wie hat sich der Medienjournalismus durch die Medienkrise verändert?

Bouhs: Viele Zeitungen streichen in der Krise als erste die Medien-Seite. Der Medienjournalismus funktioniert ja aber auch ganz gut online. Jedes dieser Online-Portale bringt am Tag nach einer Talkshow auch die Kritik dazu. Die Programmkritik hat dadurch einen enormen Schub erfahren. Auch Shows wie „Wetten, dass…“ oder „Schlag den Raab“ werden besprochen. Die Berichterstattung über die Medienkrise selbst kommt dabei allerdings zu kurz.

Lobig & Seidel: Welche Tipps hast du für junge Journalisten, die sich spezialisieren wollen?

Bouhs: Man fängt erstmal sehr generalistisch bei regionalen Medien durch Praktika oder als freier Mitarbeiter an. Mit der Zeit merkt man ja dann, welche Themen einem besonders liegen und diesen sollte man auch nachgehen. Es wäre ja blöd, sich mit Themen zu beschäftigen, die einen nicht interessieren. Aber natürlich braucht jede Redaktion auch Allrounder, die sich mit vielen verschiedenen Themen befassen können. Wer aber komplett frei arbeiten will, lebt von der Spezialisierung. Denn nur wer sich wirklich auskennt in einem Thema und die Kontakte über Jahre aufgebaut hat, kann sich verkaufen. Mit dem Informationsfluss hat man seinen Kollegen gegenüber einen Vorsprung. So kommt man an Exklusiv-Nachrichten ran. Die Spezialisierung ist sicher ein guter Weg, um aus einer Überzeugung heraus als freier Journalist ordentlich arbeiten und davon leben zu können.

Das Interview führten Caro Lobig und Gesa Seidel.

Die Netzwerk-Recherche-Konferenz auf Twitter

Gerade kam ich spontan auf die Idee, die Tweets zur Netzwerk Recherche-Konferenz auszuwerten, auf der ich die vergangenen beiden Tage verbrachte. Leider waren wir Teilnehmer etwas zu fleißig im twittern, so dass mehr als 2000 Tweets abgesetzt wurden. Mit Tweet Archivist lässt sich demnach nicht die komplette Konferenz erfassen, da hier stets nur die letzten etw 2000 Tweets ausgelesen werden. Aller Voraussicht nach sind „hinten“ bereits einige Tweets weggefallen, es sei denn es wären am Freitag tatsächlich deutlich weniger Botschaften abgesendet worden und insgesamt genau 1900 Tweets verfasst worden.

Die nachfolgende, nicht repräsentative Analyse bezieht sich also ausschließlich auf die letzten 1900 Tweets mit dem Hashtag #nr13 und somit überweigend dem Samstag, der jedoch im Rahmen der Zuverlässigkeit des Tools vollständig erfasst ist. Das Thema des zweiten Tags waren klar die Offshore Leaks. Das macht sich auch auf Twitter deutlich, betrachtet man die meistgenutzten Hashtags innerhalb der Tweets mit #nr13:

Hashtags in Tweets mit #nr13. Quelle: tweetarchivist.com

Hashtags in Tweets mit #nr13. Quelle: tweetarchivist.com

Zu den meisterwähnten Usern gehört so auch ICIJ-Chef Gerard Ryle. Aber auch ein paar andere sorgten für Dialog und Gesprächsstoff:

Mentions in Tweets mit #nr13. Quelle: tweetarchivist.com

Mentions in Tweets mit #nr13. Quelle: tweetarchivist.com

Mit Abstand am meisten der letzten 1900 Tweets setzte Newsroom.de-Chefredakteur Bülend Ürük ab, der von der Konferenz über seinen Account mehrfach live berichtete. Ihm folgt Kommilitone und Ex-YOUdaz.com-Autor Daniel Lücking – annerkannter Viel-Twitterer.


(iframe-Ausschnitt. Ganze Seite hier)

Zum Abschluss noch eine Statistik, für die auch die letzten Tweets reichen dürfte, um Verhältnisse abzulesen. Die meist-genutzten Twitter-Accounts liefen auf Apple-Betriebssystemen: 28,5 Prozent der letzten Tweets wurden über Twitter for iPhone abgesendet, 16,6 Prozent von der Version für das iPad. Dazwischen schob sich mit 21,8 Prozent noch die reine Web-Ansicht von Twitter. Twitter for Android sorgte lediglich für 10,8 Prozent der letzten 1900 Tweets. Twitter für Windows Phone übrigens findet gerade mal mit 0,9 Prozent statt, Twitter for Blackberry gar mit nur 0,2 Prozent.


(iframe-Ausschnitt. Ganze Seite hier)

Bug oder neue Funktion? Musik via Google Search in Chrome

Plant Google seinen Angriff auf Spotify mit einer neuen Funktion auf Google Chrome zu unterstützen? Wer den Browser des US-Unternehmens nutzt, wird sich bei einigen Suchanfragen zurzeit wundern, wieso auf einmal Musik im Hintergrund läuft. Sucht man derzeit zum Beispiel nach „Frida Gold – Love is my rebellion“, „Rammstein – Sonne“ oder „Die toten Hosen – Nur zu Besuch“ bekommt man ganz normal die entsprechenden Suchergebnisse angezeigt. Doch wenige Sekunden später ertönt zudem unaufgefordert der entsprechende Song aus den Boxen.

Die geschieht im Test sowohl in den Chrome-Versionen für Windows 27.0.1453.94 m sowie der aktuellen Nummer 27.0.1453.110 m. Auch weitere Nutzer klagen zum Teil über die plötzlich zu hörende Musik, wie im Produktforum von Google zu lesen ist. Hier wird auch erwähnt, dass die entsprechenden Titel beim Nutzer in der Wiedergabeliste auf YouTube zu finden sind, was sich in einem Test nachstellen ließ, wenn die suchende Person gleichzeitig bei Google/YouTube eingeloggt ist. Die Musik spielt jedoch auch im Hintergrund, wenn kein Login stattgefunden hat.

In der Wiedergabeliste des YouTube-Accounts lassen sich die im Hintegrund abgespielten Songs finden

In der Wiedergabeliste des YouTube-Accounts lassen sich die im Hintegrund abgespielten Songs finden

Also: Bug oder heimlich ausgerollte, neue Funktion? Vermutlich ist die Erscheinung eher eine ungewollte Nebenwirkung. Tatsächlich handelt es sich nämlich um einen Effekt, der durch das Vorladen von Suchergebnissen im Chrome erzeugt wird. Diese Funktion soll dem Internetnutzer längere Ladezeiten ersparen, weshalb Chrome im Hintergrund bereits Seiten lädt, die vermutlich vom Nutzer aufgerufen werden sollen.

Tatsächlich wird das entsprechende YouTube-Video vom Browser vorgeladen. Klickt der Nutzer bei bereits laufender Musik auf das entsprechende Suchergebnis, beginnt das Video nicht vom Start weg, sondern läuft bereits. Die Musik ertönt so fließend weiter. Und: Dies ist nicht allein bei Musik-Videos der Fall, sondern bei allen YouTube-Videos, die in der Topposition der Suchergebnisse erscheinen. Eine Suche nach „Bolt 100m Olympia 2012“ lässt das entsprechende Video ebenfalls bereits starten. Der Nutzer hört es schon auf der Seite der Suchergebnisse, kann es jedoch noch nicht sehen. Was bei Musik wie eine gewünschte Funktion wirken mag, wird hier eher zum Hindernis, weshalb Google sicher bald nachbessern wird.

Wer den Effekt bereits jetzt loswerden möchte, kann in den erweiterten Einstellungen die Vorlade-Funktion deaktivieren, indem er das Häkchen bei „Netzwerkaktionen voraussehen, um die Ladegeschwindigkeit zu verbessern“ entfernt.

Einstellungen: Funktion: „Netzwerkaktionen voraussehen, um die Ladegeschwindigkeit zu verbessern“

Einstellungen: Funktion: „Netzwerkaktionen voraussehen, um die Ladegeschwindigkeit zu verbessern“

Wie die Champions League Erfolge die BVB-Website pushen

Auch wenn es letztlich nicht zum Titelgewinn reichte, so hat Borussia Dortmund in dieser Saison international Respekt und Prestige gewonnen, so das einheitliche Credo nach dem Champions League-Finale. Und tatsächlich lässt sich eines bereits feststellen: Die Website des BVB stellte neue Rekorde auf, vor allem Dank des Interesses aus dem Ausland.

Die Seite von Borussia Dortmund, bvb.de, ist im Gegensatz zu Internetauftritten anderer Bundesligisten bei der IVW geführt. Dies erlaubt einen Blick auf offizielle Klickzahlen des Angebots. Schaut man sich die vergangenen 25 Monate an, blickt man auf eine erfolgreiche Zeit für die Dortmunder. Im April 2011 wurden sie das erste Mal unter Jürgen Klopp Deutscher Meister. Wenige Monate später kehrten sie in die Champions League zurück, wenn auch zunächst nicht sehr erfolgreich.

Es folge im April 2012 die zweite Meisterschaft und im Mai 2012 der Pokalgewinn. In der Grafik, die die Visits laut IVW auflistet, lassen sich klar die Sommerpausen und auch die Winterpausen erkennen. Ausschläge nach oben gibt es hingegen jedes Mal im April und Mai, als die Dortmunder ihre Erfolge feiern durften. Auffällig wird auch: Es gibt über die beiden Jahre des nationalen Erfolgs nicht etwa ein konstantes Wachstum bei den Website-Besuchern. Die Saisonhöhepunkte liegen auf einem ähnlichen Niveau, ebenso die spielfreien Zeiten.

Der April 2013 jedoch sticht heraus. Mit über 6.3 Millionen Visits erzielt der BVB hier klare Top-Werte. An der verlorenen Meisterschaft wird es nicht liegen. Der Grund wird vielmehr in der Königsklasse zu suchen sein. Anfang April spielte der BVB gegen Malaga, Ende April ging es gegen Real Madrid. In beiden Runden wurde es eng und spannend, aber vor allem spektakulär. Das Netradio, in dem unter anderem Stadionsprecher Norbert Dickel das Spiel kommentiert, bekam großen Andrang, im Fall des Malaga-Rückspiels mit seinem sensationellen Ende in der Nachspielzeit dank des Ausrasters von Norbert Dickel sogar im Nachhinein.

Doch die hohen Besucherzahlen gehen freilich nicht allein auf das Netradio zurück. Vielmehr erregte der BVB auch international Aufmerksamkeit. Die Website ist auch auf Japanisch und Englisch verfügbar. Im April, als der BVB die beiden Teams der Primera Division bezwang, hat sich die Zahl der ausländischen Besucher auf bvb.de mehr als verdoppelt: Von rund 470.000 Visits im März stieg der Wert auf über 1,2 Millionen im April.

Dies schlägt sich auch im Anteil der internationalen Website-Besucher nieder. Im April kam fast jeder fünfte Besucher (und auch fast jede fünfte Page Impression) nicht aus Deutschland. Für gewöhnlich liegt der Wert beim BVB knapp über 10 Prozent und ist seit der Verein wieder in der Champions League spielt etwas höher als zuvor.

Die IVW-Werte für den Final-Monat Mai sind noch nicht bekannt. Allgemein lässt sich aber festhalten: Internationaler Erfolg macht einen Verein zur internationalen Marke. Auch auf Facebook kommen nur knapp 40 Prozent der Fans von Borussia Dortmund aus Deutschland. Für die Vereine bedeutet das, dass sie ihre Presse- und Fanarbeit insbesondere im Web, international aufstellen müssen. Höchste Zeit also für den SC Freiburg, eine englischsprachige Website auf die Beine zu stellen. Der Club spielt nächstes Jahr in der Europa League – und seine Seite ist derzeit noch bloß für deutschsprachige Fans zu verstehen.

“Shift” happens – Wollen wir es hoffen!

ShiftHeute möchte ich euch etwas ans Herz legen. Genau genommen, an Herz, Hirn und Horizont. Denn genau das sind die Ressorts eines Printmagazins, das hoffentlich bald erstmals erscheint. Daniel Höly, der maßgebliche Kopf hinter Juiced.de, will bald „Shift“ auf den Weg bringen. Dafür startete vergangene Woche eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext. 5000 Euro sollen zusammenkommen, für Design, Druck und Vertrieb.

Daniel hat zusammen mit mir Online-Journalismus studiert. Gemeinsam haben wir an mehreren Projekten gearbeitet, zum Beispiel dem iPad-Magazin „ausgespielt“. Das war zugegeben nicht immer einfach. Dies allerdings nur, weil wir beide so furchtbare Perfektionisten sein können. Genau das ist aber auch der Grund, weshalb ich euch „Shift“ guten Herzens empfehlen kann. Denn wenn Daniel etwas anfasst, dann hat es Hand und Fuß.

Na gut. Eine Ausnahme vielleicht: Seine Gestik im Video zum Startnext-Projekt ist womöglich noch verbesserungswürdig. Aber es tut auch mal gut zu sehen, dass nicht alles perfekt inszeniert ist, wie wenn die Chefredakteure der großen Blätter vor die Kamera treten, um ihre aktuelle Ausgabe vorzustellen. „Shift“ soll unabhängig von großen Medienhäusern existieren.

Genau das macht das Projekt besonders unterstützenswert – Journalismus, des Journalismus wegen. Hier wird ein Magazin umgesetzt, weil ein Magazin entstehen soll und es geht darum, dieses zu finanzieren. Anderswo werden Magazine gegründet, verändert und eingestellt, um Geld zu machen.

Alle reden von einer Krise des Journalismus. Ich glaube nicht, dass der Journalismus selbst in einer Krise ist, sondern das Verlegertum. Aber wenn wir nicht aufpassen, gerät das Wesentliche dabei unter die Räder und irgendwann gibt es keinen Journalismus mehr, sondern nur noch das Verlegertum. Mancherorts (siehe die Zeitung ohne Redaktion „Westfälische Rundschau“) ist dies bereits der Fall. Deshalb sollten wir eigene Projekte starten und die eigenen Projekte anderer unterstützen, wie ich es bereits vor einigen Wochen beschrieb.

Ich bin dabei. Ich würde mich freuen, wenn ihr es auch seid!

Unterstützen könnt ihr „Shift“ auf der Startnext-Seite. Dort gibt es auch weitere Informationen zum Projekt.

Auf Juiced.de gibt es zudem eine Rubrik zum Magazin. An dieser Stelle sind auch die Social Media-Profile, darunter der Twitter-Account @shiftmagazin zu finden.

The Importance of Being Online

Jochen Mai, Social Media Manager, hat auf der diesjährigen re:publica einen Vortrag zum Thema “Personal Branding Kampagne: Wie der neue Job dich findet” gehalten. Angie Trems und Anja Beseler haben sich vorab mit ihm über seinen Blog “Karrierebibel.de” und das Thema Jobsuche per Social Media unterhalten.

Einen guten Job zu finden ist nicht leicht. Die begehrten Stellen sind oft schnell vergeben und hart umkämpft. Die Möglichkeit, dass der neue Job einen findet, scheint vielen undenkbar. Aber das Personal Branding soll es möglich machen, sagt Jochen Mai. Zu diesem Thema hat er auf der re:publica einen Vortrag gehalten und sich auch schon des Öfteren auf seinem Blog Karrierebibel mit diesem Thema auseinandergesetzt. Der 44-Jährige gilt als einer der Experten in Sachen Jobsuche und Bewerbungen.

Jochen Mai hat 2007 den Blog Karrierebibel gegründet. Inzwischen ist es eines der bekanntesten Portale, auf denen man Tipps rund ums Thema Job finden kann. Auch die neusten Trends zum Thema Bewerbung werden dort erklärt. Im Schnitt über 200.000 Besucher pro Monat verzeichnet der Blog.

“Der Erfolg meines Blogs hat mich wirklich überrascht”, sagt Jochen Mai. Eigentlich war er nur als Ergänzung zu seinem Buch Karrierebibel gedacht, mittlerweile sei er vermutlich erfolgreicher als die Bücher. “Mit den Büchern erreiche ich aber auch viele verschiedene Menschen.”

Das Thema Selbstvermarktung und Jobsuche ist ein sehr spezielles Feld. Den Bezug dazu bekam er während seiner Zeit bei der WirtschaftsWoche. Er war dort bis 2011 Ressortleiter und unter anderem für den Bereich “Management & Erfolg” zuständig. So kam er in das Thema rein, heute weiß er: “Die meisten Menschen wollen Erfolg haben und interessieren sich für Karrieretipps.” Die Tatsache, dass er mit seiner Arbeit viele Menschen ansprechen und ihnen weiterhelfen kann, macht für ihn den Reiz an der Sache aus. Er steht auch im Kontakt mit den Lesern seines Blogs, diskutiert mit ihnen über die Themen und freut sich wenn er hört, dass seine Ratschläge anderen weiterhelfen. “Ich weiß von einigen, dass sie durch die Tipps zu einem neuen Job gekommen sind”, erzählt er.

Dass der Blog erfolgreich ist, beweist nicht nur das Feedback der User, sondern auch die Tatsache, dass Jochen Mai 2009 den Lead-Award für seinen Blog bekam. Er selbst sieht den Grund für den Erfolg seines Blogs “in der eigenen Art mit den Themen umzugehen”. Bei der Auswahl der Themen legt Mai großen Wert auf eine gute Mischung. Er sei immer bemüht, einen originellen Dreh zu finden und sich so von den vielen anderen Karriereportalen abzuheben. Die Themen sollen nicht nur oberflächlich angegangen werden, sondern auch in die Tiefe gehen und trotzdem sollen die Leser die Kreativität und Originalität darin nicht missen müssen. “Für den frischen Wind sorgen viele Gastbeiträge unterschiedlichster Autoren”, führt Mai weiter aus.

Die Aktualität der Themen ist eine der Voraussetzungen für den großen Erfolg des Portals. In den letzten sechs Jahren, seit Bestehen des Blogs, haben viele Entwicklungen auf dem Bewerbungsmarkt stattgefunden. Social Media und Weblogs haben sich etabliert und bieten viele Möglichkeiten, aber auch viele Tücken auf dem Weg zum richtigen Job.

Notice

Tipps, wie man sich am besten bewirbt oder sich eine effektive Eigenmarke im Netz aufbaut, gibt es in folgenden Blogbeiträgen von Jochen Mai:

Die Methode des Personal Branding soll es ermöglichen, sich genau so nach außen zu präsentieren, wie man sich das vorstellt. “Man baut sich quasi eine eigene Marke im Netz auf, die man selbst steuern kann”, erläutert Mai das Konzept des Personal Branding. Wer sich zum Beispiel als Experte eines bestimmten Fachgebietes präsentieren möchte, könne das am besten mithilfe eines Blogs tun. Soziale Netzwerke haben im Vergleich zu Blogs nämlich den Nachteil, dass die Aktivitäten auf der Plattform bleiben und die Informationen nicht nach außen dringen. Das Image, das man sich durch einen Blog aufbauen kann, schlage allerdings Wellen im Internet. Man könne aber auch zu einem bestimmten Thema twittern, interessante Artikel verlinken und sich so als Fachmann in diesem Gebiet positionieren. Wer sich in verschiedenen Foren an Diskussionen beteiligt und seine Profile auf unterschiedlichen Plattformen regelmäßig pflegt und untereinander verlinkt, kann sich so gezielt einen Namen machen. Wichtig sei es, Präsenz im Netz zu zeigen.

Die Möglichkeiten, die Soziale Netzwerke bei der Jobsuche bieten, sind allerdings immer noch den meisten unklar, meint Mai. Viele denken, dass Personaler gezielt die Facebook-Seiten von Bewerbern durchforsten oder sich durch dutzende Profile arbeiten. So stimme das aber nicht, stellt er klar. “Fakt ist jedoch, dass die Sozialen Netzwerke zunehmend wichtiger bei der Besetzung freier Stellen werden”, da ist sich Mai sicher. Die entscheidende Rolle hierbei spielen die Bekannten und Freunde. Nehmen wir an jemand postet, er suche einen neuen Job und das liest dann vielleicht die Bekannte eines Bekannten eines anderen Bekannten. Wenn diese Bekannte nun von einer freien Stelle in ihrem Unternehmen weiß und die arbeitsuchende Person darüber informiert, kann die Stelle relativ schnell besetzt werden. “Vitamin B ist also auch hier wieder alles”, erklärt Mai.

Für ihn steckt das Thema Facebook-Recruiting, über das oft diskutiert wird, zurzeit noch in den Kinderschuhen. Da gebe es noch viel mehr Potenzial. Auch was alle anderen Entwicklungen in dem Bereich der Jobsuche mithilfe von Social Media angeht, wäre immer noch viel Innovationspotenzial vorhanden. Vor allem gebe es keinen Stillstand, die Entwicklungen gehen stetig weiter. Eines ist aber sicher: Mai wird die aktuellen Themen auch zukünftig verfolgen und auf seinem Blog vorstellen.

Important!

Über die Autorin Anja Beseler:
Anja Beseler studiert momentan an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und macht in diesem Juli ihren Abschluss. Die Bachelorarbeit, die sie mit Angie Trems schreibt, beschäftigt sich mit Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren.

Important!

Über die Autorin Angie Trems:
Angie Trems studiert an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus. Während ihres Studiums hat sie an verschiedenen studentischen Projekten wie DLF 50, Demokratie 21 oder am Fupp-Magazin, einem Magazin mit begleitendem Blog für Kinder, mitgearbeitet.

Frauen kommunizieren, Männer programmieren

Twittern, bloggen und mit Hilfe einer App auf dem Smartphone schnell schauen, wann der nächste Bus fährt. Das machen heutzutage viele, egal ob Mann oder Frau. Doch wenn es um das Programmieren von Apps und Webseiten geht, hat Mann noch die Nase vorn. Programmierernetzwerke wie die „Code Girls“ in Leipzig sind ein Versuch, Frauen in einer Männerdomäne zu etablieren.

An Angela Denninger erinnern sich die Professoren an der Hochschule in Konstanz immer. Auf den ersten Blick könnte das an ihren bunt gefärbten Haaren liegen. Doch selbst wenn Angela ein ganz normales Erscheinungsbild hätte, würde sie in den Vorlesungen, die sie besucht, auffallen. Jeder Dozent und auch jeder Kommilitone bemerkt es, wenn sie mal eine Vorlesung schwänzt. Dabei benimmt sie sich nicht etwa unanständig oder stört ständig die Vorlesung. Nein, sie fällt einfach dadurch auf, dass sie ein Mädchen ist. Angela studiert Informatik und ist in ihrem Jahrgang die einzige Frau und auch in den Semestern unter ihr kann man die weiblichen Studenten an einer Hand abzählen – sofern es überhaupt welche gibt.

Nicht nur in Konstanz stößt der Studiengang Informatik bei Männern auf mehr Interesse als beim weiblichen Geschlecht. Nur 15 Prozent aller Informatikstudenten sind Frauen. Folge des geringen Interesses ist ein Berufsfeld, das von Männern dominiert wird. Die Bundesagentur für Arbeit stellt in ihrer Arbeitsmarktberichterstattung für Akademiker in Deutschland fest, dass der Frauenanteil in der Informatikbranche sehr niedrig ist. „Die typische IT-Fachkraft ist männlich und im Durchschnitt 40 Jahre alt“, heißt es in dem Bericht aus dem vergangenen Jahr. Demnach waren im Jahr 2011 nur 18 Prozent der Informatiker in Deutschland weiblich.

Männer haben einen anderen Zugang zum Programmieren

Der geringe Frauenanteil verwundert, denn eigentlich verwenden mittlerweile Frauen genau so Computer, Smartphones und Tablet PCs. Sie bearbeiten Dokumente, schreiben E-Mails, twittern, bloggen und nutzen Apps. In diesem Hinblick gibt es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Trotzdem sind Programmiersprachen eher Männersache. Das liege vor allem daran, dass Männer schon in der Pubertät über Computerspiele den Zugang zum Programmieren finden, meint Natalie Sontopski von dem Programmierernetzwerk „Code Girls“ in Leipzig. „Die zocken nächtelang Computerspiele und beginnen sich deswegen mit technischen Aspekten zu beschäftigten: Was ist die beste Grafikkarte? Wie hole ich mehr Leistung aus meiner Kiste raus?“ Da Frauen eher die kommunikativen Aspekte der digitalen Welt nutzen würden, seien die technischen Dinge für sie nicht im gleichen Maße von Interesse.

Auch Natalie Sontopski hat „die spielerische Komponente nie sonderlich gereizt.“ Für „Computerzeugs“ interessierte sich die 28-Jährige trotzdem. Sie beschäftigte sich in ihrer Freizeit mit Programmiersprachen und versuchte sich via Internet selbst diese beizubringen. Allerdings wurde das „isolierte Nachprogrammieren“ irgendwann langweilig: „Tatsächlich vermisste ich das analoge face-to-face, den Austausch mit Interessierten.“Als sie vor einem Jahr auf einer Campusparty dann Vorträge von Programmiererinnen und dem Programmierernetzwerk „Rails Girls“ hörte, war sie sofort Feuer und Flamme. Zusammen mit ihrer Freundin Julia Hoffmann gründete sie die „Code Girls“ ein Programmierernetzwerk für Frauen und Mädchen in Leipzig.

Seit Oktober 2012 treffen sich die „Code Girls“ alle zwei Wochen, um sich über das Programmieren auszutauschen. Zusammen können Aufgaben und Probleme gelöst werden. Wichtig ist Sontopski dabei, dass es keinen schulischen Charakter hat. „Die Code Girls sind ein Netzwerk für Frauen, bei dem der gegenseitige Austausch, Vernetzung und Hilfestellung im Vordergrund steht, keine Schule für Programmiersprachen“, erklärt sie. Deshalb gibt es auch keinen strikten Lehrplan. Die Teilnehmerinnen bekommen Anregungen und Hilfestellungen. „Wir bieten Einführungen zu Themen und versorgen Teilnehmerinnen mit Adressen und Möglichkeiten sich im Netz weiterzubilden.“ Manche bringen auch ihre Projekte mit und lassen sich bei Problemen von Natalie Sontopski, Julia Hoffmann und dem Coach Stephan Köhler helfen.

Netzerwerke für Programmiererinnen – eine Idee aus Finnland

Die ursprüngliche Idee kommt aus Finnland. Dort gründeten Linda Liukas und Karri Saarinen im November 2010 das Netzwerk „Rails Girls“. Mittlerweile veranstaltet das Netzwerk Workshops auf der ganzen Welt. Seit April 2012 gibt es in Berlin ein Schwesternetzwerk, das ebenfalls den Namen „Rails Girls“ trägt. Der Name leitet sich von dem Begriff „Ruby on Rails“ ab. Ruby ist eine Programmiersprache. Ruby on Rails ist ein in dieser Sprache geschriebene Open Source-Software, mit der man zum Beispiel Apps für Smartphones programmieren kann.

Ob in Finnland, Berlin oder Leipzig alle Netzwerke haben ein Ziel: Frauen und Mädchen für Programmiersprachen zu begeistern und ihnen den Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen. Dieser bleibe ihnen bislang verschlossen, da viele das benötigte Handwerkszeug nicht beherrschen würden, so Natalie Sontopski. „Frauen bewegen sich wie in so vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft auch im Netz in einer von Männern erschaffenen, weil programmierten, Welt.“ Daher seien solche Netzwerke eine gute Möglichkeit dies zu ändern: „Nicht nur ist Codieren und Programmieren feministisch, kann sich positiv auf unseren Berufsweg auswirken, es erlaubt uns auch gestaltend in die uns umgebende digitale Welt einzugreifen.“

Fähige Lehrer könnten auch Mädchen für Informatik begeistern

Angela Denninger hat auch ohne ein Netzwerk den Weg in die von Männern erschaffene Computerwelt gefunden. Mittlerweile hat sie sich auch daran gewöhnt, dass ihre Kommilitonen und zukünftigen Kollegen hauptsächlich männlich sind. Das einzige Mädchen zu sein stört sie nicht sonderlich: „Ich fühl mich wohl, die meisten Männer in meinem Studiengang sind echt nett.“ In ihren Augen spielt es auch keine Rolle, welches Geschlecht ein Informatiker hat. „Ich glaube nicht, dass es in diesem Bereich Dinge gibt, die Männer besser können als Frauen.“ Es hängt ihrer Meinung nach eher von der Motivation und den Beweggründen der jeweiligen Person ab, wie gut oder schlecht jemand mit Programmiersprachen umgehen kann.

Trotzdem fände Angela Denninger es schön, wenn es mehr Frauen in ihrem Beruf gäbe, sofern sie sich wirklich für das Fach interessieren. Programmierernetzwerke wie die Code Girls könnten da ein Anfang sein. „Sicher kann dies ein Einstieg für junge Mädchen sein“, findet Angela, auch wenn man ihrer Erfahrung nach dafür schon großes Interesse und eine ordentliche Portion Geduld mitbringen müsste, „denn wie bei Sprachen kann man eine Programmiersprache erst durch viel üben lernen.“ Aus ihrer Sicht müssten auch die Schulen mehr Anreize schaffen und das Interesse der Mädchen wecken. „Fähige Lehrer, die dieses Fach schon in der Schule lehren, könnten viel dazu beitragen, dass sich mehr Frauen für eine Karriere in der Informatikbranche oder überhaupt für Programmiersprachen begeistern.“

Die ersten kleine Schritte werden gemacht

In Dortmund versucht die Technische Universität mit einem Mentorenprogramm Mädchen für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu gewinnen. Hier sollen Mädchen zwischen 12 und 14 einen Einblick in diese Studienfächer bekommen. Betreut werden sie dabei von Studentinnen, die sich für ein MINT-Fach entschieden haben. Unterstützt wird die Technische Universität dabei vom Land Nordrhein-Westfalen.

Die ersten kleinen Schritte, um Frauen für die technische Seite der Computerwelt zu begeistern, werden also gerade gemacht. Ob es gelingt dadurch den Frauenanteil in der Männerwelt Informatik zu erhöhen, wird sich zeigen. Der Erfolg dieser Projekte hängt auch davon ab, ob wir Frauen die Chancen auch ergreifen und durchstarten.

Important!

Über die Autorin:

Anna Wittmershaus studiert Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt. Im Studium hat sie an den Projekten strabada und fuppMagazin mitgearbeitet. Im Moment schreibt sie ihre Bachelorarbeit über Volontariate im crossmedialen Zeitalter. Nach ihrem Studium möchte Anna im Rundfunk arbeiten. In diesem Bereich hat sie bereits bei Radio Ton und Regio TV Bodensee als Praktikantin gearbeitet.

Kinderkram – kommentierte Netzlese

Auf der re:publica wird nicht nur zugehört, sondern auch diskutiert. Wir wir wollen für eine der vielen Diskussionen ein Fenster in die Web-Diskussion öffnen. Im Beitrag geben wir unseren Senf dazu und laden euch dazu ein, eure Meinung zum Panel „Kinderkram: So nutzen Kids das Web“  hier loszuwerden.


@ Wäre ja sehr cool, wenn man dazu mal Kinder befragt hätte/ befragt. Nur _über_ “Kinderdienste” zu reden, ist ja nicht sinnig.
@Aniobitom
Michel Schröder

Medienschaffende für Kinder müssen mehr mit statt über Kinder sprechen. Diese Einstellung teilen auch wir. Nicht umsonst haben wir mit unserem fupp-Projekt genau diesen Ansatz verfolgt. So gehen auch die Expertinnen auf dem Podium vor: Sowohl Verena Delius als auch Sarah Pust suchen den Kontakt zu ihrer Zielgruppe und sprechen mit den Kindern. Für unseren Beitrag zur re:publica haben wir nun den Kontakt zu Jugendlichen gesucht, die für uns auch eine eigene Zielgruppe darstellen, die angesprochen werden muss und die eigene Wünsche und Bedürfnisse ans Internet stellt.

So nutzen in unserer Stichprobe die 12 bis 15-jährigen Achtklässler beispielsweise YouTube sehr stark:

Bei den meistbesuchten Webseiten gibt es große thematische Überschneidungen: links die Mädchen, rechts die Jungen

Bei den meistbesuchten Webseiten gibt es große thematische Überschneidungen: links die Mädchen, rechts die Jungen

– fraglich also, ob diese Gruppe sich durch eine eigene Plattform noch ansprechen ließe. Ein solches Kinder-YouTube würde sich vermutlich aber an Jüngere richten:


Eine Art Kinderyoutube wird gelauncht #rp13 #stage6 finde ich gut damit Kinder den richtigen Umgang damit lernen

Für Grundschüler bietet ein solches Kinder-YouTube also eine Plattform, um Funktionen einer solchen Community und auch Suchmaschine auszuprobieren. Orientiert sie sich dabei am Kinderschutz wie etwa die FSK-Empfehlungen, können die Kinder und ihre Eltern sicher sein, dass sie dort nicht auf gefährdende Inhalte stoßen. Das sollte aber nicht dazu führen, dass Kindern eine heile Welt geboten wird. Wechseln die Kinder dann als Jugendliche zum Marktführer YouTube, sollten sie keine Angst davor haben, Medieninhalte zu finden, die sie überfordern könnten. Wichtiger ist: Die Kinder müssen durch das Kinder-YouTube die Kompetenz entwickeln können, Videos nach ihrem Inhalt zu beurteilen und Inhalte einschätzen zu können. Diese Internetkompetenz können Sie durch Vorbilder erlernen, nicht aber ausschließlich durch behütetes Surfen. Kinder begreifen häufig intuitiv, wie eine App, ein soziales Netzwerk oder eben YouTube funktionieren.


Die Internet-Kompetenz der Kinder fängt bei der Medienkompetenz von uns Erwachsenen an. #rp13 #stage6
@Lynne
Lynne

Das dürfen auch Medienschaffende nicht aus den Augen verlieren: Wer Angebote für Kinder produziert, darf nicht vergessen, dass sich viele Kinder und Jugendliche bereits auf Plattformen für Ältere bewegen – auch das ergab unsere Stichprobe (siehe Wortwolke oben). Aus unserer Sicht ist es daher für Kinder- und Jugendangebote wichtig, dass sie diese Themen – soziale Netzwerke und das offene Web – offensiv angehen und nicht „walled gardens“ bilden oder belehrend versuchen, die Kinder zu unterrichten.

„Delius plädiert [dafür], dass die Tendenz Facebook zu verteufeln kontraproduktiv sei. Es gehe nicht nur darum, Alternativen für Facebook zu schaffen, sondern Kindern und Jugendlichen beizubringen, sich auf Online-Plattformen (wie Facebook) kompetent zurechtzufinden, sie [die Kinder (Anm. der Redaktion)][seien] sowieso schon da.“

– hält Tine Nowak in ihrem Live-Blog-Beitrag fest. Petra Tabarelli schließt sich dem an:

„Facebook sollte man Kindern nicht verbieten, sondern vielmehr den richtigen Umgang [...] [damit (Anm. der Redaktion)] lehren. Beispielsweise, sie über die Privatsphäre-Einstellungen aufzuklären. Kinder müssen lernen, mit den Gefahren im Netz umzugehen.“

Die Gefahr, dass ihre Kinder auf den sozialen Netzwerken der Erwachsenen zu viel von sich preis geben, dadurch gemobbt oder belästigt werden – daran denken Eltern häufig zuerst. Sie schieben es dann auf die fehlende Medienkompetenz in diesem Alter. Doch:


Die Medienkonpetenz, die wir uns von den Kindern erwünschen, haben viele Erwachsene nicht mal. #rp13 #stage6 #rechtameigenenbildetc
@bjoernkorff
Björn Korff

Auf Stage 6 der re:publica haben am 6. Mai ab 12.15 Uhr fünf Frauen über das Thema Kinder im Web diskutiert. Wir finden es nicht schade, dass keine Männer auf dem Podium saßen. Wofür wir aber einstehen, ist: Kinder sind kein Frauenthema. Die männlichen Medienmacher verspassen was, wenn sie sich nicht mit Medien für Kinder und Jugendliche beschäftigen.

Important!

Über die Autoren:

Pascal Tannich

Pascal studiert Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt. Zurzeit schreibt er mit Martin an deren gemeinsamer Bachelorarbeit zum Thema Integration sozialer Medien in öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen. Pascal bloggt privat, für youdaz.com und war an den Projekten dlf50.org und fuppMagazin beteiligt.

Martin Krauß

Martin studiert Online-Journalismus an der h_da, ist Redaktionsleiter bei youdaz.com, bloggt privat und war an den Projekten dlf50.org und fuppMagazin beteiligt. Zurzeit schreibt er mit Pascal an deren gemeinsamer Bachelorarbeit zum Thema Integration sozialer Medien in öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen.

 

re:publica – 2 mal 3: Verena Delius

Kein kleines Einmaleins, sondern das Zweimaldrei zur re:publica von Martin Krauß und Pascal Tannich: In dieser Serie stellen wir zwei Expertinnen drei Fragen zu Medien für Kinder.  „Am wichtigsten sind Angebote, die Kindern und Jugendlichen richtig Spaß machen“, sagt Verena Delius, die auf der re:publica zum Thema diskutierte. Sie ist Geschäftsführerin der goodbeans GmbH, die unter anderem mobile Apps für Kinder entwickelt.

Wie finden Sie heraus, welche Wünsche Ihre Zielgruppe hat?

Foto: Verena Delius

Foto: Verena Delius

Wir machen umfangreiche Usertests. Wir testen bereits in der Prototyp-Phase unsere Apps mit Kindern in unserem Büro, um gleich zu Beginn der Produktentwicklung ein Gefühl dafür zu bekommen, ob unsere Ideen gut sind und den Kindern Spaß machen. Später testen wir dann immer wieder in den verschiedenen Stadien der App-Entwicklung, ob die App von den Kindern verstanden wird, welche Verbesserungen wir noch vornehmen können und ob die App den Kindern Spaß macht.

Was ist für ein Angebot für Kinder oder Jugendliche im Netz wichtig – Bauchgefühl oder wissenschaftliche Medienforschung?

Am wichtigsten sind Angebote, die Kindern und Jugendlichen richtig Spaß machen. Nur dann werden sie die Angebote nutzen und etwas lernen. Zu verkopfte, von Erwachsenen erdachte und edukative Angebote machen Kindern keinen Spaß. Und wie man in der Schule auch nur bei den Lehrern etwas gelernt hat, die es verstanden haben den Schulstoff interessant und spannend zu vermitteln, so ist es auch im Netz. Daher ist das beste Rezept im Netz, Kinder und Jugendliche früh in die Produktentwicklung zu involvieren und Angebote zu schaffen, die wirklich auf sie zugeschnitten sind. Dann werden sie auch etwas lernen!

Können Angebote für Kinder beziehungsweise Jugendliche zu mehr Medienkompetenz bei der Zielgruppe beitragen?

Absolut, wenn sie gut gemacht und auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind. Wenn Kinder spielerisch erste Schritte im Netz machen können und Jugendliche in sicheren Online-Umgebungen Spaß haben, dann lernen die Kinder Medienkompetenz in der Praxis und nicht theoretisch mit Merkzetteln. Wenn ein Kind auf unserer Plattform Panfu erste Schritte in einem sicheren kindgerechten sozialen Netzwerk macht, dann ist das die beste Vorbereitung auf die sozialen Netzwerke für Jugendliche, wo weniger Schutz und Sicherheit herrscht und man die Regeln schon beherrschen muss und medienkompetent sein sollte.

Die Fragen stellten Pascal Tannich und Martin Krauß.

re:publica – 2 mal 3: Sarah Pust

Kein kleines Einmaleins, sondern das Zweimaldrei zur re:publica von Martin Krauß und Pascal Tannich: In dieser Serie stellen wir zwei Expertinnen drei Fragen zu Medien für Kinder.  „Der User kann nicht immer artikulieren, wo der nächste große Bedarf liegt.“, sagt Sarah Pust, die auf der re:publica die Diskussion zum Thema leitete. Sie ist freie Journalistin mit dem Schwerpunkt: Konzeption und Text digital.

Wie finden Sie heraus, welche Wünsche Ihre Zielgruppe hat?

Es gibt zahlreiche Wege, Wunschthemen und Trends herauszufinden:

  • Cola-Kränzchen (quantitative Befragungen, bei denen man mit Kindern zusammensitzt und in entspannter Atmosphäre interviewed),

  • Studien: KIM, JIM, Kinderwelten, etc. Aber: Meiner Erfahrung nach unterliegen Studien mit Kindern besonderen Herausforderungen, weil das Verhalten in Gruppen oft anders ist, als daheim im Kinderzimmer, die Artikulation von Wünschen manchmal sehr zurückhaltend oder auch überaus fantasievoll sein kann und der Faktor „Erwünschtheit“ eine große Rolle spielt. Das bedeutet, dass vor allem jüngere Kinder manchmal denken, eine bestimmte Antwort würde von ihnen erwartet, was die Ergebnisse sehr beeinflussen kann. Kinder als Zielgruppe sind für Medienforscher und Medienmacher eine große Herausforderung (hinzu kommen juristische und sozialstrukturelle Aufgaben bei der Wahl der Stichprobe: Eltern müssen einverstanden sein, Stichprobe muss sauber gezogen werden, etc).
  • Kinder und Jugendliche fragen: Was würdest du gern in der nächsten Ausgabe lesen? Leserbriefe, etc.
  • Beobachten: Was lesen Kinder in der U-Bahn, was sind die Themen auf dem Schulhof, etc.
  • Bei Internetangeboten: Nutzerzahlen auswerten. Verweildauer, Absprungrate, Page Impressions, Seitenfolgen, welche Teaser funktionieren, etc.

Im Gegensatz dazu ist es elementar, dass die Redakteure und Medienmacher, die Konzepte für Jugendliche entwickeln, auch neue Ideen liefern. Es gibt dieses wunderbare Zitat des Auto-Industriellen Henry Ford: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: „Schnellere Pferde“.“ Es liegt in unserer Verantwortung, neue Themen zu finden und Konzepte zu erarbeiten. Der User kann nicht immer artikulieren, wo der nächste große Bedarf liegt.

Im Kinder- und Jugend-Bereich gibt es bestimmte Themen, die klassischerweise „immer“ funktionieren. Beispielsweise sind Pferde für viele Mädchen zwischen 6 und 10 Jahren ein spannendes Thema. Jungs stehen auf Fußball (von 0 bis 99). Diese Darstellung ist jetzt sehr stereotyp, natürlich gibt es auch Mädchen, die Fußball lieben & Co. Aber diese Themen-Cluster funktionieren traditionell seit Jahrzehnten gut. Dazu muss man beachten, dass „Kinder“ keine homogene Zielgruppe sind. Ein achtjähriges Mädchen hat komplett andere Interessen als ein 13-jähriger Junge. Hinzu kommt, dass Grundschüler in den unteren Klassen noch zu den Leseanfängern zählen, die andere Möglichkeiten in der Medien-Rezeption haben. Bilder und Illustrationen spielen eine große Rolle, Bildunterschriften werden eher gut gelesen, lange „Bleiwüsten“, also Fließtexte ohne Auflockerungen und Leseanker nur, wenn sie wirklich spannend sind. Besonders interessante Stilformen, die in anderen Medienformen nicht so stark vorkommen sind Fotostorys und im Internet-Bereich wächst Video stark.

Was ist für ein Angebot für Kinder oder Jugendliche im Netz wichtig – Bauchgefühl oder wissenschaftliche Medienforschung?

Jedes Medium verfolgt eine bestimmte publizistische Linie. Sie wissen, wenn Sie die Regale im Zeitungskiosk betrachten, welche Themen Sie im „Spiegel“ erwarten können und was beispielsweise in der „Bild der Frau“ die Top-Themen sind. Genauso haben Jugendmedien auch bestimmte Linien, beispielsweise die „Bravo“, die sehr stark in Musikthemen ist und traditionell eine aufklärerische Linie im Bereich Körper, Liebe & Sexualität verfolgt. Als Chefredakteur eines Mediums gibt man diese Linie vor. Der „Blattmacher“ entwickelt eine Hypothese, was die User/Leser interessiert und versucht zusätzlich dazu neue Themen und Trends zu setzen.

Insofern würde ich sagen: Medienforschung ist Pflicht, das „Bauchgefühl“ oder besser die „Chefredakteurs-Hypothese“ ist die Kür.

Können Angebote für Kinder beziehungsweise Jugendliche zu mehr  Medienkompetenz bei der Zielgruppe beitragen?

Die Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen baut sich meines Eindrucks nach tendenziell schneller auf, als bei Erwachsenen. Kinder und Jugendliche lernen generell schneller, das gilt auch für die Medienkompetenz. Und wenn ein Thema interessant ist, beispielsweise eine neue App, dann will man sie auch benutzen können. Der „Pull“ zur Medienkompetenz ist gesetzt. Kinder erkennen oft intuitiv, wie man ein Bild hochlädt, wie soziale Netzwerke funktionieren oder wie die Navigation eines Device aufgebaut ist. Was fehlt ist die Erfahrung mit Quellen, Mitmenschen und Mediennutzungszeiten. Hier ist es klasse, wenn spannende Angebote für Jugendliche und Kinder Anleitungen geben und einen sicheren Surf-Raum bieten. Aber nur mit „Push“, also vorgegebenen Themen frei nach dem Motto „Das musst du jetzt wissen, auch wenn’s langweilig ist“, funktioniert die Kompetenzvermittlung im Freizeitbereich nicht.

Die Hersteller sind hier meiner Meinung nach eindeutig in der Verantwortung, spannende Angebote zu schaffen. Ein Projekt, auf das ich sehr gespannt bin, ist www.juki.de, eine Video-Plattform, die am 7. Mai in Berlin vorgestellt wird und unter anderem ein Trickfilm-Studio und erklärende Videos für mehr Medienkompetenz bieten soll. Mit Comic-Charakteren und Unterstützung von FSM & Co.

Kurz: Ja, gut gemachte Angebote für Kinder und Jugendliche können für mehr Medienkompetenz sorgen.

Die Fragen stellten Pascal Tannich und Martin Krauß.

Das Netzleben der Jugendlichen

Kinder und Jugendliche im Internet – gerade wenn es um Fragen der Sicherheit im Netz und der Medienkompetenz geht, suchen Eltern nach Informationsangeboten oder setzen auf Kontrolle. Doch was machen die Jugendlichen im Internet? Welche Seiten besuchen sie? Welche sozialen Netzwerke nutzen sie?

Wie die befragten Jugendlichen Facebook nutzen (Audio)

Wir haben in einer achten Klasse in Darmstadt nachgefragt und die 13 bis 15 Jahre alten Schülerinnen und Schüler gebeten, die Seiten aufzulisten, die sie im Internet besuchen.  Das Ergebnis – sowohl Facebook, YouTube, Google als auch mit Abstrichen die Wikipedia zählen zu den beliebten Websites in der Zielgruppe:

Bei den meistbesuchten Webseiten gibt es große thematische Überschneidungen: links die Mädchen, rechts die Jungen

Bei den meistbesuchten Webseiten gibt es große thematische Überschneidungen: links die Mädchen, rechts die Jungen

Dass das Internet ein fester Bestandteil im Leben der Jugendlichen ist, bestätigen die Ergebnisse der JIM-Studie 2012: 68 Prozent der 1.201 Befragten gaben an, dass sie in ihrer Freizeit täglich im Internet surfen – sei es über ein mobiles Gerät oder zu Hause über den PC. Bei der Frage, wie die 12- bis 19-Jährigen die Wichtigkeit einzelner Medien beurteilen, erklärten 88 Prozent der befragten Mädchen und auch 88 Prozent der Jungen, das Internet zu nutzen sei sehr wichtig für sie. Nur Musikhören nahm einen höheren Stellenwert ein.

Alles Facebook und Google – wie steht es mit der Medienkompetenz?

Laut eigenen Aussagen hat Facebook täglich 665 Millionen aktive Nutzer. Wie viele dieser Menschen kennen alle Privatsphäre-Einstellungen des sozialen Netzwerks? Vermutlich kennt ein großer Teil die eingebauten Werkzeuge zum Schutz der Privatsphäre nicht oder nicht vollständig. Außerdem ändern sich diese regelmäßig. Die Standard-Privatsphäre-Einstellungen des sozialen Netzwerks machen die Aktivitäten eines Profils vergleichsweise öffentlich. Daher könnte die These formuliert werden: So wie sich viele Erwachsene nicht mit der Funktionsweise von Facebook auseinandersetzen, handeln dort auch viele Jugendliche naiv. Viele öffentliche Facebook-Profile sind das vermutlich ohne Kenntnis der Nutzer. Dennoch unterstellen gerade Erwachsene Jugendlichen, generell nicht zu wissen, was in sozialen Netzwerken mit ihren Daten und ihrer Privatsphäre passiert. Die öffentliche Diskussion kreiert das Bild, den Jugendlichen wäre nicht bewusst, welche Gefahren im Web durch andere Menschen lauern könnten. So ist es aber nicht: Einige der befragten Jugendlichen setzen sich sehr wohl mit den Möglichkeiten auseinander, wie sie ihr Profil privat halten und, mit wem sie interagieren. Damit sind sie nicht alleine, wie auch die aktuelle JIM-Studie zeigt. Den Aussagen der Jugendlichen zufolge gibt es verschiedene Herangehensweisen: Von bewusst öffentlichen Profilen zu genau eingestellter Privatsphäre gibt es verschiedene Ausprägungen. Mancher Jugendlicher vertritt auch den Standpunkt: „Ich vertrau’ auf Facebook.“

Wie die befragten Jugendlichen mit den Privatspähre-Einstellungen auf Facebook umgehen (Audio)

Weniger kritisch scheint Deutschlands meistgenutzte Suchmaschine gesehen zu werden. Googles Suchergebnisse werden von den Jugendlichen nur selten hinterfragt. Auch die Differenzierung zwischen Google und den jeweiligen gelisteten Quellen der gesuchten Information findet nur selten statt:

Wie die befragten Jugendlichen Google nutzen (Audio)

Webdesign – die Frage ins Ungewisse

Nach dem wir von der Schulklasse mehr über die besuchten Seiten und über ihren Umgang mit Google und Facebook erfahren hatten, baten wir die Schülerinnen und Schüler uns auf einem DIN A4 Blatt eine Seite zu zeichnen, die sie persönlich anspricht. Es war dabei bewusst freigestellt, ob sie eine schon existierende Seite oder eine frei erfundene Seite zeichnen. Anschließend haben wir mit ihnen darüber gesprochen, was sie an der gezeichneten Seite anspricht.

Die anfangs abgefragten beliebten Websites wurden so von einem Teil der Schüler auch bei dieser Aufgabe skizziert. An Google wird das schlichte Design und die Funktion der Suchmaschine geschätzt. An YouTube finden die 13- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler zum Beispiel gut: „Man findet die Videos, die man sehen möchte schnell, man kann das Video zu seinen Favoriten hinzufügen oder zu einer Playlist. Sie können geliked / disliked werden.“

Auch Facebook wurde in verschiedenen Variationen gezeichnet. Hier erklärte eine Schülerin: „Facebook ist eine gute Seite, weil man sich gegenseitig austauschen kann und man weiß, was ein Freund gerade tut, obwohl das manchmal sehr unnötig ist.“ Doch nicht nur Facebook wird genutzt, auch Tumblr wird in der befragten Gruppe benutzt: „Tumblr benutze ich, weil niemand unnötige Kommentare veröffentlicht. Auf Tumblr kann man sich selbst präsentieren und den Blogs folgen, die für einen persönlich interessant sind.“

Die Individuellen

Bei den Seiten, die individuell gestaltet wurden, stehen zwei Aspekte im Vordergrund: Die Aggregation von Inhalten verschiedener Seiten und die Verknüpfung mit den Funktionen der sozialen Medien: Chat, Foto-Community, Nachrichtenaustausch.

(zum Vergrößern anklicken)

Damit zeigen die Jugendlichen erneut, dass sie dieselben Themen interessieren, die die Medienindustrie im Online-Markt bisher nicht fähig war, zu lösen. Keine Medienmarke wird bisher in der von den Jugendlichen skizzierten Form als Aggregator tätig. Verlinken auf fremde Inhalte ist von den traditionellen Medien-Pendants online bisher nicht auf dem Niveau zu finden, dass sich die Jugendlichen in unserer Befragung gewünscht haben.

*Hinweis auf Audios wurde am 14.05.2013, 11:31 Uhr aktualisiert

Important!

Über die Autoren:

Martin Krauß

Martin studiert Online-Journalismus an der h_da, ist Redaktionsleiter bei youdaz.com, bloggt privat und war an den Projekten dlf50.org und fuppMagazin beteiligt. Zurzeit schreibt er mit Pascal an deren gemeinsamen Bachelorarbeit zum Thema Integration sozialer Medien in öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen.

Pascal Tannich

Pascal studiert Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt. Zurzeit schreibt er mit Martin an deren gemeinsamen Bachelorarbeit zum Thema Integration sozialer Medien in öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen. Pascal bloggt privat, für youdaz.com und war an den Projekten dlf50.org und fuppMagazin beteiligt.

„Noch zu viele Blogger außen vor“

Die Visualisierung von Deutschlands Blogosphäre – nicht mehr, aber auch nicht weniger  – hat sich Daniel Rehn mit einigen Mitstreitern zum Ziel gesetzt. Seit dem Wochenende gibt das dafür eine Facebook-Gruppe mit dem Titel „Deutschlands Blogger“, die die Datenbasis für das Projekt bildet. Welche Ergebnisse es bereits gibt und welche Probleme noch behoben werden sollen, erklärt Daniel Rehn im YOUdaz.com-Gespräch.

Ihr visualisiert die Verknüpfungen der Gruppenmitglieder auf Facebook in einer Netzwerk-Grafik. Diese Grafiken sehen faszinierend aus, aber welche Aussagen wollt ihr mit der Auswertung treffen?

In erster Linie war ich von Lucas Visualisierung der österreichischen Blogosphäre fasziniert, die er auf Basis einer 400 Mitglieder starken Gruppe mit dem selben Prinzip aufgezogen hatte. Von Neugier getrieben, wie das Ganze auf Deutschland angewandt aussehen würde, gründeten Sabine Sikorski und ich die hiesige Gruppe, um nebenbei auch herauszufinden, ob sich Lucas These, die er aus dem Pendant unserer Nachbarn entwickelte, bestätigt: dass Vernetzung unter Bloggern verstärkt via sozialer Netzwerke stattfindet, während klassische Blog-Elemente wie Blogroll und Co. mehr und mehr aus dem sichtbaren Feld verschwinden oder Feed-Reader in die Timeline verlagert werden.

Könnt ihr denn schon sagen, ob es „die Blogosphäre“, respektive „Netzgemeinde“ gibt, oder wir doch eher viele „Parallel-Gesellschaften“ im Web finden?

Daniel Rehn

Foto: Daniel Rehn

Das kommt darauf an, wie man die Begriffe definiert. Die Blogosphäre als großer Raum oder auch als Oberbegriff, der alle Blogs als Teil einer Bewegung von „Ins-Netz-Schreibern“ versteht, ist definitiv existent.

Da wir aber bislang nur mit einem sehr kleinen Ausschnitt arbeiten, der sich dazu noch auf ein in sich verknüpftes Gruppenkonstrukt in einem geschlossenen Netzwerk bezieht, wäre es vermessen zu sagen, dass man vier Tage nach Start von absoluten Erkenntnissen sprechen könnte. Dafür sind noch zu viele Blogger außen vor, etwa weil sie nicht auf Facebook sind, die Gruppe nicht kennen oder es einfach unangemessen finden sich in einer solchen Visualisierung zu finden, die – und das möchte ich ausdrücklich betonen – absolut nichts über die Liebe und Hingabe, die in ein Blog investiert werden, aussagt oder gar eine Hierarchie darstellen soll. Das ist definitiv nicht das Ziel unserer Überlegungen.

Was man aber bereits sehen kann, sind die vielen Cluster, die sich gemäß der Themenschwerpunkte bilden. Gerade im DIY- und Tech-Bereich kann man schon wunderbar erkennen, dass die Mitglieder dort gemäß ihrer Verbindungen via Facebook extrem stark untereinander vernetzt sind. Ebenso erkennt man einige Personen, von denen man weiß, was sie machen, als Hub oder auch Brücke, die viele Kontakte aus einander nahen Bereichen verbinden. Und dann gibt es natürlich den auf Facebook extrem stark vernetzten Kern an Netz- und Medienmenschen wie Johnny Haeusler, Nico Lumma oder Mario Sixtus, die seit jeher die deutsche Blog-Landschaft bereichern und allein auf Grund ihrer langjährigen Bekanntheit und Aktivität viele Kontakte haben.

Ein Gedankenspiel: Ein Politik-Blogger ist mit einem Modeblogger auf Facebook befreundet, weil sie zusammen studiert haben. Was das Bloggen betrifft, haben beide aber nicht mehr viel miteinander zu tun. Wie löst ihr diese Verzerrung in der Darstellung?

Im Moment? Noch gar nicht. Dazu brauchen wir noch mehr Zeit, vor allem aber die Hilfe der Gruppe, indem es später eine im Detail noch genauere Vermessung im Sinne einer Kategorisierung gibt. Wer sieht sich zum Beispiel als Mode- und wer als Polit-Blogger? Das Problem dabei: Was passiert mit Bloggern, die mehr als nur ein Thema abdecken? Oder mit jenen, die nicht genau wissen, in welche Kategorie sie gemäß ihrer gebloggten Inhalte gehören? Und wird eine Kategorisierung der Blogosphäre und ihren Mitgliedern überhaupt gerecht? Man sieht, da steckt der Teufel im Detail.

Stand jetzt konnte Luca schon die Verknüpfungen nach Geschlecht visualisieren. So sieht man zum Beispiel, ob man mit mehr weiblichen oder männlichen Bloggern aus der Gruppe vernetzt ist, was auch schon spannend anzusehen ist, aber auch die zur Verfügung gestellten Daten der Gruppenmitglieder nutzt.

Was sagt ihr zur Geschlechterverteilug in der Gruppe? Die Frauenquote war in der Politik vergangene Woche ja ein großes Thema. Vernetzen sich die Bloggenden stärker mit dem eigenen Geschlecht?

Da kann ich nur aus den eigenen Beobachtungen der ersten Tage sprechen und würde das bisherige Verhältnis in der Gruppe auf grob 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen schließen. Innerhalb der Visualisierung sind die blauen Punkte für die Herren dominanter, da stärker vernetzt – mit beiden Geschlechtern. Die alte Leier, dass Männer angeblich die besseren Netzwerker seien oder im Digitalen einfach auch schmerzfreier sind, wen sie in ihr Netzwerk lassen, muss ich dafür nicht anstimmen.

Es ergeben sich aber auch Cluster, die je nach Geschlecht einseitiger erscheinen. Mode, Food und DIY sind von Frauen dominiert und jeder blaue Punkt fällt unter den roten auf, während die Auto- und Tech-Blogger doch eher Männer sind. In den Blogs rund um Kommunikation und Co. hingegen ist es kunterbunt gemischt.

Notice

Mehr über Daniel Rehn erfahrt ihr auf elbmelancholie.de in der Reihe „Hamburger im Netz“.

Wäre es in diesem Zusammenhang sinnvoller, die Verbindungen (z.B. Links / Zitate) zwischen Blogs zu analysieren, als die zwischen den größtenteils privaten Facebook-Profilen?

Es würde ein anderes Bild entstehen, ganz klar. Es bedarf aber auch eines größeren Aufwandes, um das wieder abzubilden. Die Gruppe auf Facebook war der einfachste umzusetzende erste Schritt, da es um die Blogger als Person geht. Wie stark vernetzt ihre Inhalte wieder sind und wahrgenommen werden, ist wieder ein anderer Ansatz.

In der Facebook-Gruppe wurden auch Pläne diskutiert, Twitter oder Google+ als Datenquellen zu nutzen. Erhofft ihr euch dadurch eine Verbesserung des Netzwerk-Bildes?

Es würde auf jeden Fall ein Gros der bisherigen Unschärfen verschwinden. Ich bin via Twitter zum Beispiel mit weitaus mehr Bloggern vernetzt denn via Facebook, da ich dort nach Möglichkeit mit Personen befreundet bin, zu denen ich einen persönlichen Bezugspunkt habe. Nicht nur mein Netzwerk würde um die Komponente Twitter erweitert wieder ganz anders aussehen als im Moment.

Es ist aber auch eine Frage der API, die wir dafür anzapfen würden. Twitter bietet eine solche offene Schnittstelle an, Google+ noch nicht. Auch hier braucht es noch Zeit, um das Ganze weiter verfeinern zu können.

Macht euch bei der Visualisierung der Datenschutz keine Sorgen? Immerhin müssen die Facebook-Freunde ja öffentlich sein, um richtig für die Grafik ausgewertet werden zu können.

Innerhalb der Gruppe weisen wir immer wieder darauf hin, dass wir nur auf die Daten zugreifen, die von den Nutzern auch als öffentlich freigegeben sind. Dennoch gibt es auch hier Unschärfen und wunde Stellen, die immer wieder auffallen. Ein Mitglied, das seine Freundesliste privat hält, kann zum Beispiel immer noch gefunden werden, wenn seine ebenfalls in der Gruppe aktiven Kontakte ihre Freundesliste offen führen, da „einseitige“ Beziehungsgeflechte so abgebildet werden.

Nico Kirch hat sich ein paar Gedanken dazu gemacht, wie man in einer Weiterentwicklung auch mit Opt-In-Verfahren und Co. genauer, aber auch sicherer werden kann. Vielleicht schaffen wir es irgendwann das Projekt komplett von Facebook als Basis zu lösen und auf eigene Beine zu stellen, so dass man sich mit seinen Accounts einloggen und das Netzwerk so zur Visualisierung verknüpfen kann. Aber davon sind wir nach Start am letzten Sonntag dann doch noch weit entfernt.

Wie können Bloggende abgebildet werden, die zum Beispiel ein Multiautorenprojekt betreiben – also ein Netzwerk wie YOUdaz.com?

Auch das ist Stand jetzt noch nicht möglich. Angenommen, dass ihr als Autoren allesamt miteinander vernetzt seid, wäre es möglich das abzubilden. Auf welcher Basis dies aber geschieht, bliebe offen, da wir noch keine Zuordnung via URL haben. Das wäre dann mit der angesprochenen eigenständigen Lösung vielleicht machbar, wenn Überschneidungen in den Blogs, für die man schreibt und angegeben hat, sichtbar werden.

Was soll die Zukunft Deutschlands Bloggern bringen?

Eine gute Frage. Ich wünsche mir, dass die lebhafte Vernetzung, die ja bereits zum Teil auch abseits der großen Bühnen besteht, weiterhin gedeiht. Die Leute sollen ihren Spaß am Bloggen behalten, um im Kleinen wie Großen auf ihrer eigenen Basis abseits von wechselnden Netzwerken etwas für sich, andere oder auch die Gesellschaft bewegen zu können. Indem sie inspirieren, diskutieren und daraus resultierend ins Machen kommen, damit deutlich wird, das Bloggen mehr bedeutet als „ins Netz schreiben“.

Vielen Dank für das Gespräch.

 Die Fragen stellten Pascal Tannich, Andreas Grieß und Martin Krauß

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